Schüttler - "Haas ist für eine Überraschung gut"
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Vor den Australian Open
Schüttler - "Haas ist für eine Überraschung gut"
Gut ein Jahr ist es her, dass Rainer Schüttler sein letztes Spiel als Tennisprofi bestritten hat. Nach der Qualifikation zu den Australian Open zwickte damals die Leiste, im Oktober 2012 gab er seinen Rücktritt bekannt. Jetzt arbeitet der 36-Jährige als Co-Organisator des neuen ATP-Turniers in Düsseldorf - und spricht im Interview mit sportschau.de vor dem Start des Grand-Slam-Turniers in Melbourne (14. bis 27. Januar) über die angespannte Lage im deutschen Herrentennis.
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Herr Schüttler, Sie werden die Australian Open zum ersten Mal als Tennis-Rentner erleben. Wie ist das Gefühl?
Rainer Schüttler bei eine Pressekonferenz in Düsseldorf
Rainer Schüttler: Ich bin gerade privat in Amerika unterwegs und werde gar nicht nach Melbourne fahren. Das Turnierleben als Spieler, Woche für Woche neuen Druck zu haben, vermisse ich überhaupt nicht. Ich genieße mein neues Leben und die gewonnene Zeit, die ich zu Hause verbringen kann.
Als Co-Organisator des Turniers in Düsseldorf mischen Sie aber weiterhin im Tennis-Zirkus mit. In dieser Rolle dürfte Ihnen auch viel daran liegen, dass die deutschen Tennis-Herren ihr Image wieder aufpolieren.
Schüttler: Die Querelen aus dem vergangenen Jahr waren sicher für niemanden förderlich, weder für die Spieler noch für den Deutschen Tennis-Bund. Die Probleme im Davis-Cup-Team haben sich hochgeschaukelt, ein Neuanfang mit neuem Teamchef tut jetzt ganz gut. Carsten Arriens ist ein ruhiger Kerl, der schon Erfolge vorzuweisen hat und von allen respektiert wird.
Florian Mayer hat die Olympischen Spiele im vergangenen Jahr abgesagt, weil sie nicht in seinen Turnierkalender passten. Philipp Kohlschreiber trat nicht an, weil er sich wenige Tage vorher beim Turnier in Kitzbühel verletzt hatte. Was sagt jemand dazu, der viermal bei Olympia dabei war und Silber im Doppel gewann?
Schüttler: Im vergangenen Jahr habe ich nur noch gespielt, weil ich unbedingt in London dabei sein und dort meine Karriere beenden wollte. Daraus ist leider nichts geworden, weil ich nach den Australian Open Adduktorenprobleme hatte. Olympia war alleine schon dadurch immer interessant, dass man viele andere Sportler kennengelernt hat. Ich hätte alles dafür gegeben dabei zu sein. Aber das muss letztlich jeder Spieler für sich selbst wissen.
Was braucht das deutsche Herrentennis, um sein Image wieder aufzupolieren?
Schüttler: Die Spieler müssen wieder als Team auftreten. Wenn es ein Problem gibt, muss das intern geregelt werden. Ich bin mir sicher, dass das in Zukunft besser wird. In der Breite sind wir gut aufgestellt, aber die Deutschen sind durch die Erfolge von Boris Becker, Michael Stich und Steffi Graf verwöhnt. Wir bräuchten mal wieder einen jungen Wilden, der die Weltspitze aufmischt.
Der einzige Deutsche, der seit der Ära Becker/Stich in einem Grand-Slam-Finale stand, sind Sie. Das war vor zehn Jahren in Melbourne.
Rainer Schüttler 2003 in Melbourne
Schüttler: Nicht nur deshalb sind die Australian Open für mich mit das schönste Turnier des Jahres. Das Land gefällt mir, Sydney und Melbourne sind sehr schöne Städte. Die Menschen sind freundlich, die Wege sind kurz, es ist das am besten organisierte Turnier.
Welchem der aktuellen deutschen Spieler trauen Sie am ehesten zu, Ihren Erfolg zu wiederholen?
Schüttler: Nach seinem unfassbaren Comeback im vergangenen Jahr ist Tommy Haas sicher für eine Überraschung gut. Es ist sehr schade, dass er so oft verletzt war, Tommy ist ein Weltklassespieler. Auch Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer sind stark genug. Als ich damals ins Finale eingezogen bin, stand ich etwa auf Platz 30. Philipp ist aktuell die Nummer 19, Florian die 28. Allerdings spielen derzeit die Top vier der Welt so überragend, dass es schwierig ist, dort reinzukommen - auch wenn Rafael Nadal in Melbourne verletzt fehlt.
Wer wird das Turnier gewinnen?
Schüttler: Das ist wirklich schwierig zu sagen. Andy Murray hat zuletzt unfassbar gespielt und in Brisbane gewonnen. Aber es wird unter den Top Drei auf die Tagesform ankommen. David Ferrer ist für mich der meist unterschätzte Spieler der Top Ten, auch Martin del Potro ist etwas zuzutrauen. Und für Janko Tipsarevic würde es mich persönlich freuen, wenn er weit kommen würde. Er hat zuletzt sehr hart gearbeitet.
Das Interview führte Volker Schulte.
Stand: 11.01.2013, 08:00