Boris Becker sucht seine Rolle

Davis-Cup - Abstiegsduell in Portugal

Boris Becker sucht seine Rolle

Boris Becker ist als "Head of Tennis" mit einer B-Mannschaft in Portugal, um beim Unternehmen Klassenerhalt zu helfen. Welche Rolle er dabei und in Zukunft einnimmt, bleibt unklar.

Was er von Boris Becker in dessen Rolle erwarte, wurde Tennisprofi Phillip Kohlschreiber bei den US Open gefragt. "Da muss mir erst mal jemand sagen, was ein Head of Tennis ist", antwortete der 32-Jährige, meinte aber auch: "Sein Know-how im Tennis ist unbestritten sehr hoch." Damit drückte er in wenigen Worten aus, was offenbar nicht nur die Öffentlichkeit diskutiert, sondern auch die deutsche Tennis-Familie: Was sind Beckers Aufgaben?

Becker will Erfahrung weitergeben

Zumindest beim Duell in Portugal ab Freitag (15.09.2017) dürfte Beckers Rolle sein, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu lenken und von den Spielern Druck zu nehmen. Das zumindest dürfte gelingen, schließlich ist der Gegner stark ersatzgeschwächt und Becker der einzige Star. Darauf möchte er sich aber nicht beschränken. Er wolle das Wort ergreifen, wenn es "nötig und wichtig ist", aber auch seine Erfahrungen weitergeben, sagt der neue Kopf des deutschen Männertennis vor dem Duell.

Die eigentlichen Ersatzspieler Jan-Lennard Struff, Cedrik-Marcel Stebe, Yannick Hanfmann und Tim Pütz, die es nach den Absagen der Zverev-Brüder richten müssen, sollen ihn als Vertrauensperson wahrnehmen. "Ich habe das alles schon gemacht, was ihr versucht, umzusetzen. Fragt einfach, wie es sich anfühlt", so Becker und erklärte: "Ich bin nicht Kapitän, ich kann mich also nicht um all das kümmern, was Michael Kohlmann macht." Kohlmann wird das Team trainieren, Becker begleiten.

Reputation als Djokovic-Coach

Auch als Coach des Serben Novak Djokovic stand Becker nicht fortlaufend zusammen mit ihm auf dem Trainingscourt und musste zunächst vielen Zweiflern entgegentreten. Schließlich verschaffte er sich aber neuen Respekt, weil Djokiovic 2014 Wimbledon gewann, im Folgejahr drei Grand-Slam-Titel holte und dann 2016 bei den French Open siegte; damit war sein Karriere-Grand-Slam perfekt. Zwischenzeitlich hatte er auch wieder die Führung in der Weltrangliste übernommen und wurde nicht müde, stets auch Beckers Rolle hervorzuheben.

Novak Djokovic (l.) und Boris Becker

Novak Djokovic (l.) und Boris Becker

Beckers Tipps waren für einen reifen Spieler wie Djokovic Gold wert. Als Becker zuletzt gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, den deutschen Shootingstar Alexander Zverev, der derzeit den ehemaligen spanischen Weltranglisten-Ersten Juan Carlos Ferrero als Coach hat, zu trainieren, antwortete er: "Er braucht vor allem seine Familie, er braucht einen Ferrero jetzt, um einfach das Einmaleins im Tennis noch weiter zu lernen." Und weiter: "Ich glaube nicht, dass das, was ich ihm heute beibringen könnte, heute notwendig ist", sagte Becker. "Wenn ich in die Psychologie des Spiels gehen würde oder in Matchsituationen, dann muss er noch mal 150 oder 200 Matches spielen, um auch zu verstehen, was ich dann sagen würde." Wie er jetzt in Lissabon den Spielern der B-Mannschaft helfen will, die zwar teilweise mehr Spiele auf dem Buckel haben, aber auch nicht mit dem Talent eines Zverev gesegnet sind, sorgt ihn nicht: "Gewisse Dinge kann man nicht aus Büchern lernen, die muss man selbst erlebt haben. Und da bin ich ein guter Ansprechpartner."

Konktrete Rolle für die Zukunft bleibt unklar

Geld verdient Becker beim Verband nicht. Als Herren-Chef will er Ratgeber für Profis und Trainer, Nachwuchsförderer und Moderator sein. Mit seiner Hilfe soll sich die Zahl der Deutschen bei  Grand-Slam-Turnieren von 17 wie gerade bei den US Open noch erhöhen. Wie dies geschehen soll und welchen Beitrag er dazu leisten kann und will, ist nach wie vor unklar. "Ich werde mit den Bundestrainern eng zusammenarbeiten und an die Stützpunkte in Hannover, München und Stuttgart gehen. Dort will ich mein Wissen über den Tennissport weitergeben," beschreibt Becker seine Rolle.

Becker soll neben dem Davis Cup auch im Nachwuchsbereich Impulse setzen sowie an Präsidiumssitzungen teilnehmen. Sein Engagement ist vorerst bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio geplant. Auch Becker sieht zumindest den Ausflug nach Portugal offenbar eher als Schnupperwochenende. Als Typ guter Onkel würde er seine neue Rolle im Davis Cup nicht definieren. "Ich bin wie ein Großvater", so Becker.

red/dpa/sid | Stand: 14.09.2017, 13:00

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