Stan Wawrinka - der König von Paris

Stan Wawrinka küsst den French-Open-Siegerpokal

Herren-Finale der French Open

Stan Wawrinka - der König von Paris

Der Schweizer Tennisprofi Stan Wawrinka hat gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic zum ersten Mal in seiner Karriere die French Open gewonnen.

Das Sandplatzreich Roland Garros hat einen neuen König - und der heißt nicht Novak Djokovic. Im mitreißenden Finale der French Open bezwang Stan Wawrinka den Branchenführer aus Serbien mit 4:6, 6:4, 6:3, 6:4 und krönte sich selbst zum Nachfolger des Seriensiegers Rafael Nadal. Djokovic scheiterte in Paris dagegen zum dritten Mal kurz vor der Erfüllung seines Titeltraums.

Der Serbe hat es auch nicht geschafft, in den illustren Kreis jener Spieler aufgenommen zu werden, die alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen haben. Bislang ist dies erst sieben Spielern gelungen, seit Einführung des Profitennis 1968 schafften es sogar erst drei: Andre Agassi (1999), Roger Federer (2009) und Rafael Nadal (2010).

Wawrinka: "Spiel meines Lebens"

Als die Zuschauer während der Siegerehrung Djokovic trotz der bitteren Niederlage mit minutenlangem Applaus feierten, standen dem sonst so starken Serben die Tränen in den Augen. "Es ist nicht einfach für mich, jetzt etwas zu sagen. Glückwunsch an Stan, er ist ein verdienter Champion. Er war heute einfach besser." Der Schweizer sagte freudestrahlend: "Es war das Match meines Lebens. Es ist ein ganz besonderer Moment für mich. Gegen Novak ist es immer verdammt schwer. Er ist ein großartiger Champion. Ich wünsche ihm, dass er den Titel in der Zukunft noch gewinnt. Er hat es verdient." Wawrinka kassierte für seinen Triumph 1,8 Millionen Euro Preisgeld.

Erste Niederlage Djokovics nach 28 Matches

Nach 3:12 Stunden spannendem und hochklassigem Tennis verwandelte Wawrinka seinen zweiten Matchball und trat mit seinem zweiten Grand-Slam-Erfolg nach den Australian Open 2014 endgültig aus Roger Federers langem Schatten. Für Djokovic, den nahezu unbezwingbare Dominator dieser Saison, endete eine Serie von 28 Matches ohne Niederlage. Wie 2012 und 2014 gegen den Spanier Nadal unterlag Djokovic im Endspiel auf dem Court Philippe Chatrier einem besseren Kontrahenten. Dem 28-Jährigen, der sich selbst auf dem Zenit seines Könnens wähnt, droht das gleiche Schicksal wie seinem Trainer Boris Becker. Der Deutsche war Zeit seiner Karriere vergeblich dem "Coupe des Mousquetaires" nachgejagt.

Satzverlust weggesteckt

Novak Djokovic (l.) gratuliert Stan Wawrinka zum Gewinn der French Open

Novak Djokovic (l.) gratuliert Stan Wawrinka zum Sieg

Einen Satz brauchte Wawrinka, um sich an Djokovics variables Spiel zu gewöhnen, dann setzte er seine Ankündigung in die Tat um. "Wenn ich mein Spiel durchziehe", hatte der Schweizer angekündigt, "ist er nicht glücklich. Das weiß ich." Sein Spiel besteht aus präzisen Geschossen, abgefeuert von der Grundlinie mit Vorhand und Rückhand gleichermaßen kraftvoll. Wawrinka, der im Viertelfinale seinen Landsmann Federer erstmals bei einem Grand Slam bezwungen hatte, hielt sich nicht eine Sekunde mit dem Satzverlust auf. Seit seinem Sieg in Melbourne sei er gelassener geworden, er wisse nun, dass er auch die besten Spieler auf der Welt schlagen könne.

Schweizer mit Zauberschlägen

Das Pariser Publikum trieb Wawrinka zusätzlich an. Der 30-Jährige dankte es mit Zauberschlägen, im dritten Satz feuerte er eine Rückhand am Netzpfosten vorbei ins Feld. Djokovic schien angezählt, er versuchte sogar mit der ungeliebten Aufschlag-Volley-Kombination die achte Niederlage in seinem 16. Majorfinale abzuwenden. Verzweifelt blickte Djokovic in seine Box, suchte den Kontakt zu Becker, als Wawrinka nach einem epischen Ballwechsel von 30 Schlägen Djokovics Vorteil im vierten Satz geraubt hatte. Zum entscheidenden Break bei 4:4 schlug eine Rückhand die Linie entlang neben Djokovic ein.

Becker: "Stan einer der besten Spieler der Welt"

Becker hatte geahnt, dass Wawrinka für seinen Schützling die größte Herausforderung bei den French Open werden würde. "Stan ist seit seinem Erfolg in Melbourne beständig einer der besten Spieler der Welt - auf jedem Belag. Wenn Stan in Form ist und sich gut fühlt, dann ist er sehr schwierig zu spielen", sagte Becker. Zudem fühlt sich Wawrinka auf roter französischer Asche besonders wohl, vor zwölf Jahren gewann er den Juniorentitel in Roland Garros, im November 2014 führte er die Schweiz in Lille zum historischen ersten Davis-Cup-Titel. Nun hat er weiteres kapitel Tennis-Geschichte geschrieben.

sid/red/dpa | Stand: 07.06.2015, 19:30

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