Boris Becker - "Ich war nie weg"

Neue Strukturen im deutschen Tennis

Boris Becker - "Ich war nie weg"

Mal ein zustimmendes Nicken, dann wieder ein Blick zur rechten Seite und der neben ihm sitzenden Barbara Rittner: Boris Becker war voll bei der Sache, als er in der dreiviertelstündigen Pressekonferenz im Plenarsaal des Frankfurter Römer am Mittwochmittag (23.08.2017) der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Boris Becker wird "Head of Tennis" beim DTB

Boris Becker wird "Head of Tennis" beim DTB.

Die Begründung, warum er denn nun in die neu geschaffene Position beim Deutschen Tennis Bund (DTB) gerückt sei, stellte Becker gleich an den Anfang seiner Ausführungen: "Tennis ist eine Herzensangelegenheit. Ich mache das, was ich am besten kann."

Und: "Ich liebe den Sport, ich liebe dieses Land." Ein bisschen Pathos durfte ruhig sein, und den DTB-Funktionären war der Stolz anzusehen. Gleichzeitig wurde auch Barbara Rittner offiziell zur „Head of Women's Tennis“ ernannt, die nach 2018 ihren Posten als Fed-Cup-Chefin an Jens Gerlach abgeben wird und sich um alle Belange im Damenbereich bis zur Talentförderung widmet.

Mit Dirk Hordorff im ständigen Austausch

Barbara Rittner (l.) und Boris Becker (r.) in neuen Rollen beim DTB

Barbara Rittner (l.) und Boris Becker (r.) in neuen Rollen beim DTB

"Wir haben zwei außergewöhnliche Lichtgestalten gewonnen. Das gibt es in kaum einer anderen großen Nation", sagte DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff, der als einer der maßgeblichen Strippenzieher der Becker-Inthronisierung galt. Ständig sei man im Austausch gewesen, bestätigte der dreimalige Wimbledon-Sieger, der von einem anderthalbjährigen Annäherungsprozess sprach. Er gestand, dass er "mit dem alten DTB ein, zwei Problemchen" hatte. Vergangenheit.

In der Zukunft wollen beiden Seiten voneinander profitieren, müssen aber aufpassen, dass sich nicht zu viel auf den Namen Becker projiziert. Dass die 44-jährige Rittner gleich zweimal versehentlich als "Barbara Becker" angesprochen wurde, sagte viele darüber aus, wie sehr der Name künftig das deutsche Tennis in einer "Aufbruchsstimmung" (DTB-Boss Ulrich Klaus) überstrahlen wird.

Nur die Reisekosten werden angeblich erstattet

Der gebürtige Leimener ist Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann vorgesetzt und soll am Rande der Play-off-Begegnung der deutschen Mannschaft bei Gastgeber Portugal in Lissabon (15. bis 17. September) seinen ersten Einsatz haben.

Erstaunlich: Nach DTB-Angaben wird Becker ehrenamtlich arbeiten und nur die Reisekosten erstattet bekommen. Die Zusammenarbeit ist zunächst bis zu den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio fixiert.

Zusammen mit Sportdirektor Klaus Eberhard sollen Becker und Rittner die sportlichen Strukturen im DTB weiter professionalisieren. "Die beiden werden uns wertvolle Impulse für eine effektive Förderung unserer besten Talente liefern und unseren Leistungssport enorm stärken", bekräftigt Eberhard.

Keine privaten Fragen zugelassen

"Er soll auch für den Davis Cup Impulse geben", erklärte Klaus, der sich von dem Übervater nicht nur einen regen Austausch mit allen Topspielern wünscht, sondern Becker solle auch das Präsidium beraten. Dass er hierzulande erst jetzt wieder wirklich über den Tennissport ins Rampenlicht kommt, verwunderte Becker angeblich nicht: "Ich war nie weg."

Wohl aber habe er im Ausland eben mehr Wertschätzung über sein sportliches Know-how erfahren als hierzulande. "Es gibt seit 30 Jahren über mich alle möglichen und unmöglichen Schlagzeilen. Zum Glück lebe ich im Ausland - und bekomme davon nicht so viel mit", sagte der Wahl-Londoner.

Über private Fragen - wie seine finanzielle Situation - brauchte Becker keine Auskunft zu erteilen. "Herr Becker wird heute ausschließlich über seine neue Rolle sprechen und nicht über andere, möglicherweise für Sie interessante Fragen", sagte DTB-Pressesprecher Felix Grewe

Nach einer OP noch auf Krücken

Die Hauptaufgabe des neuen Strippenziehers wird sein, die Topspieler Deutschlands bei Männern und Frauen in der Weltspitze ganz nach vorne zu bringen. "Wir haben eine ehemalige Nummer eins, und wir haben einen künftigen Superstar. Wir sind gut aufgestellt", sagte Becker in Richtung von Angelique Kerber und Alexander Zverev.

Becker betonte in diesem Zusammenhang, dass er mit der Familie Zverev seit längerem ganz engen Kontakt habe. Gerade der erst 20 Jahre alte Alexander gilt als das größte Versprechen - und Becker weiß, was eine hohe Erwartungshaltung in jungen Jahren bedeutet. Der Draht zum hochtalentierten Hamburger wird enger, das steht fest. "Nun kann ich mit ihm auf einem Turnier reden, ohne dass gleich gemutmaßt wird, ich werde sein neuer Trainer."

Das kann der auf Gehhilfen zu seiner Vorstellung gehumpelte Becker nach einer Operation am Sprunggelenk vor fünf Wochen auch gar nicht. "Ich habe ein komplett Neues", berichtete er über seinen Gesundheitszustand. Zwei Wochen müsse er noch auf Krücken gehen, dann will er wieder normal gehen. Der große Schritt fürs deutsche Tennis ist dennoch schon vorher erfolgt.

hel, dpa, sid | Stand: 23.08.2017, 11:48

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