Angelique Kerber - Schlaflos in Melbourne

Angelique Kerber

Nach Finalsieg gegen Williams

Angelique Kerber - Schlaflos in Melbourne

Nach ihrem Tennis-Triumph in Melbourne hatte Angelique Kerber viel zu tun - Interviews geben, telefonieren, Party machen. Und zum Schluss stand dann noch ein Bad im Yarra-Fluss an.

Nach ihrem spektakulären Sieg bei den Australian Open gegen Serena Williams und all dem Rummel hatte Angelique Kerber eine Abkühlung dringend nötig. Da tauchte die  erste deutsche Grand-Slam-Gewinnerin seit 17 Jahren erstmal im Yarra River ab. "Es war kalt, aber es hat sich gelohnt. Das war ein würdiger Abschluss der bislang besten zwei Wochen meines Lebens", sagte die Überraschungssiegerin von Melbourne, die damit eine Wette einlöste. Auch ihr Trainer Torben Beltz und Physio Simon Iden ließen sich den Sprung in den Fluss nicht nehmen.

Aus dem trüben Wasser heraus blickte die Steffi-Graf-Nachfolgerin immer wieder auf die nahe gelegene Rod-Laver-Arena, in der sich keine zwölf Stunden zuvor ihr größter Traum mit "reichlich Gänsehaut" erfüllt hatte. "Dieser Moment wird für immer in meinem Kopf, in meinem Bauch und in meinem Herzen sein. So ein Gefühl hatte ich noch nie, die Zeit war reif", sagte die neue Nummer zwei der Welt über die Augenblicke nach dem triumphalen 6:4, 3:6, 6:4-Finalsieg gegen Titelverteidigerin Serena Williams.

"Angie bleibt Angie"

Die US-Amerikanerin hatte sich nach einem der besten Major-Finals vor Kerber verneigt: "Angie, du bist die verdiente Siegerin. Genieß' diesen Erfolg", hatte Williams ins Mikrofon gerufen. Auch die Herald Sun Sunday schwärmte von der neuerdings so nervenstarken Fed-Cup-Spielerin, die in ihrer Auftaktpartie sogar einen Matchball abwehren musste. "Ein neuer Star ist geboren - KER-BOOM." Grund zum Abheben nach dem Eintrag in die Tennis-Annalen? "Nein, die Angie bleibt die Angie", versprach Kerber.

"Ohne eine Minute Schlaf"

Selbst nach einer durchzechten Party-Nacht im "Club 161" und "ohne eine Minute Schlaf" konnte Kerber, die die Anlage nach dem Endspiel erst um drei Uhr in der Früh verlassen hatte, ihr Glück kaum fassen. "Ich bin ein Grand-Slam-Champion, das klingt so verrückt", sagte die 28-Jährige vor dem Abflug am Sonntag nach Hause: "Ich bin jetzt in der Historie drin."

Im Gepäck hatte Kerber neben dem Siegerscheck in Höhe von umgerechnet rund 2,2 Millionen Euro auch die Gewissheit, nach vielen Zweifeln endgültig den Durchbruch auf der ganz großen Bühne geschafft zu haben. "Ich habe bewiesen, dass ich zu den Besten gehöre", sagt sie. Und warum erst jetzt? Der Glaube, erklärte Publikumsliebling Kerber, der sei nun einfach da: "Im Finale bin ich locker geblieben. Aber ich weiß gar nicht, warum."

Kerbers Mentorin Steffi Graf hatte ihr zu diesem Zeitpunkt auch schon per Mail gratuliert. Immerhin sorgte die Kielerin dafür, dass Williams in punkto Grand-Slam-Titel noch nicht zu Graf (22 Major-Siege) aufschließen konnte. Bundestrainerin Barbara Rittner traut ihrer Nummer eins 2016 eine Menge zu: "Das wird Angies Jahr", sagte sie.

Nach Polen zur Familie

Am Sonntagnachmittag Ortszeit - nach dem offiziellen Fototermin mit dem Pokal im Botanischen Garten - flog Kerber via Bangkok und Frankfurt nach Posen. Von dort geht es mit dem Auto ins polnische Puszczykowo, wo sie in der Nähe ihrer Großeltern wohnt. "Wir werden mit Sekt anstoßen. Ich freue mich schon sehr auf zu Hause. Meine Familie hat immer zu mir gehalten und mir Kraft gegeben. Auch in den Momenten, in denen ich nicht an mich geglaubt habe", sagt Kerber.

Fallschirmsprung, Tattoo und Tanzkurs

Dem Kerber-Team steht nach dem Coup seiner Chefin noch einiges bevor. Trainer Torben Beltz wird zusammen mit ihr einen Fallschirmsprung wagen. "Diese Wette haben wir schon vor Jahren gemacht. Damals haben wir ausgemacht, wenn ich einmal eine Grand-Slam-Siegerin bin, dann...", sagte Kerber. Physio Iden bekommt ein weiteres Tattoo verpasst: "Es wird die Siegtrophäe von Melbourne werden", sagte der Frankurter. Das gesamte Team wird außerdem einen Tanzkurs absolvieren.

dpa/sid | Stand: 31.01.2016, 13:00

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