Die Favoriten der Australian Open

Erstes Grand-Slam-Turnier in 2018

Die Favoriten der Australian Open

Von Jörg Strohschein

Die Australian Open sind die erste große Prüfung der jungen Tennissaison 2018. Der Kreis der Favoriten auf den Titel ist groß. sportschau.de hat fünf Spieler besonders unter die Lupe genommen.

128 Herren nehmen am ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres teil. Aber nur ein paar der Spitzen-Tennisprofis haben die Chance, eines der bedeutendsten Turniere auf der ATP-Tour zu gewinnen. Wer allerdings auf dem speziellen Hard Court (Rebound-Ace-Courts) von Melbourne letztlich triumphieren wird, bleibt natürlich Spekulation. sportschau.de hat einen Blick auf diejenigen Profis gelegt, die die vermeintlich besten Chancen haben, den Norman Brookes Challenge Cup in den Händen zu halten.

Rafael Nadal: Der Dominator ist zurück

Der Spanier Rafael Nadal bei der Vorbereitung auf die Australian Open

Der Spanier Rafael Nadal bei der Vorbereitung auf die Australian Open

Der Spanier geht als Top-Favorit in das Grand-Slam-Turnier von Melbourne, auch wenn er gerade erst wieder in den Tenniszirkus eingestiegen ist. "Ich werde in den nächsten Tagen hart trainieren für die Australian Open und werde bereit sein", sagte der Weltranglistenerste. Wer den enormen Ehrgeiz des Spaniers während seiner langen Karriere verfolgt hat, der dürfte kaum Zweifel daran haben, dass Nadal sich innerhalb kürzester Zeit wieder auf sein Top-Level hieven kann.

Beim Einladungsturnier in Kooyong, einem Vorort der australischen Metropole, unterlag der Spanier zwar dem Franzosen Richard Gasquet (4:6 5:7). Doch die gute Nachricht für den 31-Jährigen ist, dass er seine Verletzung auskuriert hat. Zwei Monate lang hatte Nadal zuletzt aufgrund einer Knieblessur pausiert. Zuletzt war er November 2017 bei der ATP-WM in London im Einsatz, hatte aber nach dem ersten Gruppenspiel seine Teilnahme beenden müssen. Nun ist Nadal wieder bester Dinge. "Das Knie ist in Ordnung", sagte er. Aber für ihn noch viel wichtiger: "Ich werde bereit sein", fügte er an. Das dürfte die Konkurrenz als überaus ernste Warnung verstehen.

Roger Federer: Mit Lockerheit ans Ziel

Der Schweizer Roger Federer bei der Vorbereitung auf die Australian Open

Der Schweizer Roger Federer bei der Vorbereitung auf die Australian Open

Als Titelverteidiger gehört Roger Federer selbstredend zum Kreis der Favoriten. Der 36-Jährige kommt ausgeruht, voller Tatendrang und als Nummer zwei der Welt auf die Tour zurück, nachdem er Mitte November, nach seinem Halbfinal-Aus bei der ATP-WM gegen David Goffin, die offizielle Saison beendet hatte. Zuletzt zeigte Federer beim gemeinsamen Sieg mit Belinda Bencic beim Hopman-Cup, wie viel Spaß er immer noch am Tennis hat und wie sehr er auch aufstrebende Gegner wie Alexander Zverev (6:7; 6:0; 6:2) dominieren kann.

Das alles macht Federer mit dem Schuss Lockerheit und der langjährigen Erfahrung, die ihn auch in schwierigen Situationen nicht verkrampfen lässt und ihm zusätzliche Stärke verleiht. Der fünffache Titelträger von Melbourne scheint allerdings mit einer gewissen Skepsis in die Neuauflage zu gehen und will sich selbst nicht zu viel Druck auferlegen.

"Den Titel zu verteidigen ist vor allem beim allerersten Mal hart. Wenn du nicht gewinnst, ist es dramatisch. Aber mit zunehmender Erfahrung nimmst du die Dinge, wie sie kommen. Wenn es gelingt, ist es großartig, wenn nicht, dann ist es eben so", sagte Federer unmittelbar vor Turnierbeginn. Im vergangenen Jahr hatte sich Federer nach einer sechsmonatigen Verletzungspause zum Titel gespielt. Seine Motivation ist auch jetzt nicht kleiner.

Grigor Dimitrov: "Kleiner Federer" greift an

Der Bulgare Grigor Dimitrov beim Turnier in Sydney

Der Bulgare Grigor Dimitrov beim Turnier in Sydney

Der "kleine Federer" wird Grigor Dimitrov schon seit langer Zeit genannt. Die Eleganz bei seinen Schlägen, sein besonderes Ballgefühl und auch sein Spielverständnis ähneln dem des großen Schweizers. Nur mit den Erfolgen, die der "große Federer" vorzuweisen hat, kann der bulgarische Tennisprofi noch lange nicht mithalten.

Und doch hat Dimitrov zuletzt untermauert, dass er tatsächlich über dieses besondere Potenzial verfügt, das ihm seit längerer Zeit nachgesagt wird. Der 26-Jährige triumphierte bei den ATP-Finals in London und krönte eine für ihn erfolgreiche Saison mit Weltranglistenplatz drei.

Nicht zuletzt deshalb wird Dimitrov mit viel Selbstvertrauen in das neue Jahr gehen. Im vergangenen Jahr erreichte er in Melbourne das Halbfinale und scheiterte knapp in einem Fünf-Satz-Krimi an Nadal. Dimitrov ist in diesem Jahr wieder einmal ein Geheimfavorit - dieses Mal allerdings mit einem wichtigen und großen Erfolg im Rücken.

Novak Djokovic: Der Ästhet beendet Erholungsmodus

Der Serbe Novak Djokovic bei der Vorbereitung auf die Australian Open

Der Serbe Novak Djokovic bei der Vorbereitung auf die Australian Open

Noch zierte ein Ellenbogenverband seinen Arm. Allerdings handelte es sich bei diesem Armschutz vor allem um eine Vorsichtsmaßnahme. Schließlich hatte ihn sein zuletzt lädiertes Gelenk eine sechsmonatige Pause eingehandelt. Nun ist der Serbe wieder zurück - und scheinbar motivierter als je zuvor. "Ich fühle mich großartig", sagte Djokovic jüngst nach seinem Auftritt beim Einladungsturnier Kooyong Classic in Melbourne, nachdem er den jungen Österreicher Dominik Thiem beim 6:1 und 6:4 in seine Einzelteile zerlegte.

Djokovic wirkt austrainiert und voller Tatendrang. Sein Trainerteam um André Agassi wurde nun noch um Ex-Profi Radek Stepanek ergänzt, der im vergangenen Jahr selbst noch auf der ATP-Tour aktiv war. Djokovic hat die erzwungene Auszeit derweil auf unterschiedlichen Feldern für sich genutzt. "Mental, physisch und emotional" habe er sich erstmals in seiner Karriere entspannen können. Diesen Erholungsmodus wird der Tennisästhet nun beenden. Das lässt für ihn - den sechsfachen Rekord-Titelträger - bei den Australian Open einiges hoffen.

Alexander Zverev: Warten auf den ganz großen Wurf

Alexander Zverev

Alexander Zverev

Geduld ist nicht die Sache von Alexander Zverev. Es soll vorangehen. Vor allem bei Grand-Slam-Turnieren will das Ausnahmetalent endlich zeigen, dass er ein ernsthafter Titelkandidat sein kann. Fünf ATP-Turniere konnte der 20-jährige im vergangenen Jahr gewinnen, darunter mit Montreal und Rom zwei Turniere der 1000er Kategorie, der höchsten hinter den Major-Turnieren .

Doch bei aller Zverev'schen Freude über diese eigentlich großen Erfolge: Der Deutsche wartet auf den ganz großen Wurf. Ein Major-Sieg soll endlich her. Dafür versucht er alles. Zverev ist bereits die Nummer vier der Welt und auch auf dieser Position im Teilnehmerfeld gesetzt. Und doch lässt sich eine eher unterschwellige Unzufriedenheit erkennen und auch vernehmen.

"Bei jedem Match, dass ich verliere, reden wir davon, dass ich noch lerne. Das mache ich schon seit drei Jahren. Aber irgendwann habe ich keine Lust mehr zu lernen", sagt Zverev. Bei Grand-Slam-Turnieren konnte der junge Deutsche sein Potenzial bei allem Talent noch nie ausschöpfen. Dieses Phänomen will er in diesem Jahr ändern. Den Druck dafür macht er sich vor allem selbst.

Zverev ist bereit für die Australian Open

Sportschau | 13.01.2018 | 02:04 Min.

Stand: 12.01.2018, 13:25

ATP | Weltrangliste

Name P
1. Rafael Nadal 10600
2. Roger Federer 9605
3. Grigor Dimitrow 4990
4. Alexander Zverev 4610
5. Dominic Thiem 4060
6. Marin Cilic 3805
7. David Goffin 3775
8. Stanislas Wawrinka 3060
9. Jack Sock 2960
10. Juan Martin Del Potro 2725
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