Kerbers Angst vor der Niederlage ist verschwunden

Angelique Kerber

Aufwärtstrend bei ehemaliger Nummer eins der Welt

Kerbers Angst vor der Niederlage ist verschwunden

Von Jörg Strohschein

Angelique Kerber ist erfolgreich ins Jahr 2018 gestartet und ungeschlagen. Die 29-Jährige versucht nach einem desaströsen Tennis-Jahr wieder den Anschluss zu finden - und scheint auf einem guten Weg zu sein.

Normalerweise ist Angelique Kerber darum bemüht, möglichst verbindliche Aussagen zu treffen. Umso verwunderlicher war die forsche Herangehensweise der 29-Jährigen, als sie nach ihrem Sieg beim WTA-Turnier in Sydney Venus Williams (5:7; 6:3; 6:1) vorausblicken sollte. "Ich schaue jetzt nur noch in die Zukunft und bin voller Vertrauen, dass es wieder aufwärts geht", sagte die ehemalige Nummer eins der Welt, die nach einem für sie desaströsen Jahr 2017 tief abgestürzt war. "Mein Herz ist wieder auf dem Court. Ich schaue nicht mehr zurück."

Auf der augenblicklichen Weltrangliste wird Kerber auf Rang 22 geführt. Ihre traurige Bilanz des Vorjahres: Das jeweilige Aus in Runde eins bei den French Open und den US Open. Nicht einen Turniergewinn hatte sie für sich verbuchen können. Und dies, obwohl sie 2016 die Australian Open und die US Open gewinnen konnte und sich auch noch die Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen von Rio de Janeiro erkämpft hatte.

Mehr Offensive wagen

Es war ein äußerst radikaler Absturz Kerbers, den es in der Tennisszene in dieser auspeprägten Form noch nicht so oft gegeben hatte. Und von dem sich die Deutsche nun wieder vollständig erholen will. Dafür hat sie sich von ihrem langjährigen Trainer Torben Beltz getrennt und den 37 Jahre alten Wim Fisette verpflichtet. Die Herangehensweise des neuen Duos ist klar umrissen. "Das Ziel ist, offensiver zu spielen als vergangenes Jahr", sagt Fisette. Eine veränderte Herangehensweise, andere Impulse und Gedanken sollen für Veränderungen und Verbesserungen sorgen.

Den Aufschlag, seit jeher eine der größten Schwächen Kerbers, spielt sie nun schnörkelloser und gradliniger. Auch wenn sie kein Service-Spezialist mehr werden wird, hatte Williams beim Match in Sydney bereits größere Probleme mit den Returns. Kerber versucht zudem aus dem Spiel heraus wieder zunehmend die Initiative auf dem Platz zu übernehmen. Eine starke Defensivspielerin war sie schon immer. Nun hat sich auch wieder das Selbstvertrauen erlangt, in Bedrängnis riskante Schläge anzusetzen und Winner-Schläge zu probieren.

Der Spaß am Spiel ist zurück

Ihre Passivität versucht sie zusehends in Aktivität zu verwandeln. Dieses Vorhaben gelingt zwar noch nicht durchgehend. Sie ist in ihren Partien in diesem noch jungen Jahr weiterhin Schwankungen unterlegen - allerdings sind die Ausschläge deutlich geringer. Gegen die Tschechin Lucie Safarova gelang es Kerber, Matchbälle abzuwehren. im vergangenen Jahr wären so eine Willens- und Nervenleistung kaum noch vorstellbar gewesen.

Dass sie in ihren Begegnungen in 2018 noch ungeschlagen ist, sagt viel aus über das Selbstvertrauen, dass sie sich durch viele harte Trainingseinheiten seit Ende November zurück erkämpft hat. Kerber scheint wieder Spaß am Tennis gefunden zu haben, die starken Verkrampfungen der Vergangenheit lösen sich nach und nach auf. Am Ende des Jahres soll die Teilnahme an der WM in Singapur stehen, zu der sich die besten acht Spielerinnen der Saison qualifizieren.

Viele knappe Spiele

Doch bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg. Nun muss sie erst einmal am Donnerstag im Viertelfinale von Sydney die Slowakin Dominika Cibulkova schlagen. "Es ist gut, dass ich viele Spiele vor Melbourne habe. Auch knappe Spiele", sagte Kerber. Die Angst vor der Niederlage scheint sich verflüchtigt zu haben. Das ist wohl die wichtigste Botschaft, die Angelique Kerber vor den Australian Open - und vor der neuen Saison - aussendet.

Stand: 10.01.2018, 09:52

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