Tim Ole Naske - mit Plan B auf Hackers Spuren

Tim Ole Naske

Ruder-WM

Tim Ole Naske - mit Plan B auf Hackers Spuren

Von Frank van der Velden

Der 21-jährige Tim Ole Naske geht bei der Ruder-WM in den USA für Deutschland im Einer an den Start. Er hat das Zeug dazu, in die Fußstapfen von Marcel Hacker zu treten - auch wenn seine Karriere nicht immer ganz nach Plan verläuft.

Wenn Tim Ole Naske über Marcel Hacker spricht, tut er das fast ein wenig ehrfürchtig. Hacker war über viele Jahre der beste deutsche Einer-Ruderer. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney holte er eine Bronzemedaille, zwei Jahre später wurde er in Sevilla Weltmeister. "Er ist eine Koryphäe und mein Vorbild", sagt Naske.

Der 21-jährige Hamburger schickt sich nun an, in die Fußstapfen seines großen Vorbildes zu treten. Bei den Ruder-Weltmeisterschaften in Sarasota im US-Bundesstaat Florida wird er im Einer an den Start gehen. Und mit Naske hat wieder ein deutscher Ruderer das Zeug, den Sprung in die Einer-Weltspitze zu schaffen.

Ziel: A-Finale

Weltmeister wird er auf der Regattastrecke im Nathan Benderson Park aber wahrscheinlich nicht werden. "Mein Minimalziel ist es, unter die ersten Zehn zu kommen. Aber natürlich würde ich gerne ins A-Finale", erklärt Naske. Damit wäre er dann unter den besten sechs Ruderern.

Marcel Hacker

Marcel Hacker

Es ist seine erste WM im Erwachsenenbereich, Titel fuhr er bisher nur bei den Junioren und beim Nachwuchs ein.  2014 wurde er in Hamburg im Einer Junioren-Weltmeister und holte bei den Olympischen Jugendspielen in China Gold. 2016 fuhr er bei den U23-Weltmeisterschaften in Rotterdam auf Platz eins. Im Alter von zehn Jahren saß er zum ersten Mal in einem Ruderboot. Seine damalige Grundschullehrerin, eine ehemalige Ruderin, hatte eine Ruder-AG gegründet.

Gutes EM-Debüt

Dass er das Zeug hat, auch "bei den Großen" vorne mit dabei zu sein, hat er in diesem Jahr schon bewiesen. Bei den Europameisterschaften im tschechischen Racice trumpfte Naske bei seinem EM-Debüt groß auf und wurde am Ende Fünfter. Beim Weltcup in Posen fuhr er als Vierter nur knapp am Podium vorbei. Es waren seine beiden ersten großen Auftritte auf der internationalen Bühne.

Für die WM in Florida hat Naske den Sommer über geschuftet. Oft standen drei Trainingseinheiten auf dem Programm. Sein Tag ist komplett durchgeplant, denn nebenbei studiert er Jura, und die Doppelbelastung schlaucht. "Ich habe Unterstützung von der Universität, was die Belegung von Kursen angeht. Deshalb passt es dann Ende doch gut unter einen Hut", sagt Naske. Das Lernen für das Studium ist ihm ein willkommener Ausgleich zum Sport: "Es ist gut, auch mal den Kopf anzustrengen."

Wettkampfhärte und Routine fehlen

Tim Ole Naske

Tim Ole Naske

Trotz der guten Vorbereitung ist Naske in Sachen WM bescheiden. 21 Jahre ist er alt - das ist jung für einen Einerfahrer. "Mir fehlt es an Wettkampfhärte und Routine" erklärt er: "Es geht darum, einen Wettkampf mit Vorlauf, Halbfinale und Finale mit möglichst geringem Aufwand zu bestehen." Doch weil das Niveau für ihn jetzt viel höher ist, muss Naske oft schon von Beginn an alles geben. "Im Finale fehlen manchmal dann einfach die Körner", sagt er.

Das macht aber nichts, das kommt alles noch. Hacker war 25 Jahre alt, als er 2002 in Sevilla Weltmeister wurde. Der Neuseeländer Mahe Drysdal, der wohl beste Einer-Fahrer der jüngsten Vergangenheit, war bei seinem ersten WM-Titel 2005 im japanischen Gifu noch ein Jahr älter. Naskes großes Ziel sind ohnehin die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dann ist er 24 und hat ganz andere Voraussetzungen.

Nicht nach Rio und nicht nach Berkeley

Schon bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro wäre Naske gerne dabei gewesen, wurde am Ende aber nicht nominiert. Kurz danach gab es den nächsten Rückschlag. An der University of California in Berkeley, wo die besten Nachwuchsruderer der Welt trainieren, hatte er eine Zusage für ein Vollstipendium.  Doch dann wurde er als Profisportler eingestuft, und das Stipendium war futsch.

Naske reagierte. Nach der Ausbootung für Rio holte er Gold bei der U23-WM, nach der Absage aus Berkeley schrieb er sich in Hamburg für Jura ein. "Ich habe immer einen Plan B parat, und damit bin ich bisher auch immer sehr gut gefahren", sagt Naske.

Mental stark

Tim Ole Naske

Einerfahrer sind "einsame Menschen".

Was er jetzt schon hat, ist mentale Stärke. "Einerfahrer sind schon irgendwie besondere Typen. Man ist immer auf sich alleine gestellt, im Training und auch im Wettkampf. Man kann die Nervosität mit keinem teilen, muss sich immer selbst motivieren und leidet alleine", sagt Naske.

Dabei kommt er weder introvertiert noch eigenbrötlerisch daher. Naske ist eher der offene und sympathische Typ, der auch gerne mal seine ganz persönliche Seite zeigt. So war er schon im Kino zu sehen. Die Macher des Dokumentarfilms "Die Norm - Ist dabei sein wirklich alles?"  begleiteten fünf Spitzensportler aus unterschiedlichen Sportarten 20 Monate lang bei ihrer Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Einer davon war Naske.

Auch Hacker fing "klein" an

Wenn er in Florida an den Start geht, wird vielleicht auch Marcel Hacker zuschauen. "Ich habe ihn zuletzt kennengelernt und durfte auch mit ihm trainieren", sagt Naske. Der Magdeburger kam  bei seiner ersten WM im Einer in Kanada nicht in den Endlauf und wurde im B-Finale Vierter. "TOle" kann also recht gelassen an den Start gehen. Und sollte er besser abschneiden als damals sein Vorbild Hacker, braucht er auch nicht mehr ganz so ehrfürchtig zu sein.

Stand: 21.09.2017, 10:00

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