"Überwältigende Beweise" gegen Armstrong

Lance Armstrong

1.000 Seiten starker Bericht der USADA

"Überwältigende Beweise" gegen Armstrong

Die Beweise für die Dopingpraktiken von Ex-Radprofi Lance Armstrong und seines früheren Teams US Postal sind nach Ansicht der US-Antidoping-Agentur USADA "überwältigend". Armstrong: "Ich bin ungerührt."

Ihre Einschätzung verkündete die USADA im Zuge der Aktenübergabe an den Radsport-Weltverband UCI am Mittwoch (10.10.2012). Demnach geht die Agentur "zweifellos von dem hochentwickeltsten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm" aus, das "die Sportwelt jemals gesehen hat".

"Was mache ich heute Abend? Ich verbringe Zeit mit meiner Familie, ungerührt", schrieb der einstige Radstar bei Twitter. Kein Wort aber über das, was auf mehr als 1.000 Seiten ein erschreckendes Bild von Armstrong und seinem ehemaligen Rennstall US Postal zeichnet. Der Bericht beinhaltet unter Eid geleistete Zeugenaussagen von 26 Personen, darunter 15 Radfahrer. Unter den elf ehemaligen Teamgefährten Armstrongs befinden sich laut USADA die zurückgetretenen Tyler Hamilton, George Hincapie oder Floyd Landis. In Levi Leipheimer, Christian Vande Velde, Tom Danielson und David Zabriskie sollen aber auch prominente, noch aktive Profis über das Dopingsystem gesprochen haben. "Es hat enormen Mut der Fahrer des Teams und anderer erfordert, hervorzutreten und die Wahrheit zu sagen", sagt USADA-Chef Travis Tygart.

Das Schreiben sollte zunächst der UCI, der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der World Triathlon Corporation (WTC), die unter anderem den Ironman auf Hawaii ausrichtet, übergeben werden. Danach wird das komplette Dossier auf der Internetseite der USADA veröffentlicht.

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Lance Armstrong - Schwere Vorwürfe aus Amerika | 01:34 min | 12.10.2012 | Morgenmagazin | Das Erste

Mehrere Teamkollegen Armstrongs gestehen öffentlich Doping

Nach ihren Aussagen wurden Leipheimer, Vande Velde, Danielson und Zabriskie gesperrt. Das teilte die USADA mit. Ebenfalls suspendiert sind die geständigen Michael Barry und George Hincapie, die allerdings beide bereits kürzlich ihre Karriere beendet hatten. Die genaue Dauer der Sperre war zunächst unklar. Sollte allerdings wie in ähnlichen Fällen die Kronzeugenregel greifen, wären die Fahrer nach einem halben Jahr im kommenden Frühjahr wieder startberechtigt.

George Hincapie, Weggefährte Armstrongs bei allen sieben Toursiegen, gab den Gebrauch von Dopingmitteln während seiner aktiven Zeit zu. "Wegen der Liebe zu meinem Sport, den Beiträgen, die ich geleistet habe und dem, was der Sport mir über die Jahre gegeben hat, ist es für mich sehr schwer, heute einzugestehen, dass ich während eines Teils meiner Karriere verbotene Substanzen genommen habe", schrieb er in einer Mitteilung auf seiner Internetseite.

Hincapie bemängelt das Dilemma vieler Radprofis

Hincapie sei schon früh klar geworden, dass man "wegen der weitverbreiten Anwendung leistungssteigernder Mittel" nicht ohne diese in der Spitze mithalten könne, beschrieb Hincapie sein Dilemma. Er hatte unter anderem 2005 eine Einzeletappe bei der Frankreichrundfahrt gewonnen und seine Laufbahn diesen August beendet.

Auch Barry, Zabriskie und Vande Velde entschuldigten sich öffentlich. Vande Velde schrieb auf seiner Internetseite: "Ich habe Rennen gewonnen, bevor ich gedopt habe und nachdem ich gedopt hatte. Ironischerweise hab ich nie gewonnen, während ich gedopt habe. Meine Fehler in der Vergangenheit tun mir sehr leid und ich weiß, dass es viel verlangt ist, um Vergebung zu bitten."

"Traurige Wahrheit"

Die Akte beinhalte nach USADA-Angaben zudem E-Mails, wissenschaftliche Daten, Labortests und Zahlungen, die Armstrong "den Besitz, den Gebrauch und die Weitergabe von leistungssteigernden Mitteln" nachweisen sollen. Gleichzeitig werde hierdurch die "traurige Wahrheit über die trügerischen Machenschaften eines Teams, das unzählige Millionen Dollar an Steuergeldern erhalten hat" offengelegt.

Gelbe Trikots könnten bald in der Post landen

Ende August hatte die USADA eine lebenslange Sperre für Armstrong ausgesprochen und beantragt, dass alle Ergebnisse des Texaners seit dem 1. August 1998 inklusive seiner sieben Siege bei der Tour de France gestrichen werden sollen. Die Titel kann allerdings nur die UCI offiziell aberkennen. Sollte die UCI dem zustimmen, würde Armstrong seine Toursiege von 1999 bis 2005 verlieren. Die Rückgabe sämtlicher Gelber Trikots hatte auch die französische Sportministerin Valerie Fourneyron gefordert. Das IOC will außerdem rechtliche Schritte prüfen, ob Armstrong die Bronzemedaille aus dem Zeitfahren in Sydney 2000 aberkannt werden kann. Der 41-Jährige hatte darauf verzichtet, der USADA-Verurteilung zu widersprechen. Sein Anwalt Tim Herman nannte die Mitteilung von Trygart in einer ersten Reaktion einen "einseitigen Verriss" und "unbestätigt".

UCI-Präsident Pat McQuaid deutete unlängst an, den vorgeschlagenen Sanktionen der USADA entsprechen zu wollen. "Solange die Dokumente keine erheblichen Mängel aufweisen, hat die UCI nicht die Absicht, vor den Internationalen Sportgerichtshof zu ziehen. Wir brauchen aber Zeit zur Überprüfung", hatte der Ire gesagt.

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USADA veröffentlicht Armstrong-Bericht | 02:22 min | 11.10.2012 | WDR 5 Morgenecho | WDR 5

sid/dpa | Stand: 11.10.2012, 09:08