Armstrongs Titel werden nicht neu vergeben
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UCI entscheidet
Armstrongs Titel werden nicht neu vergeben
Nach der Disqualifikation von Lance Armstrong (USA) gibt es in den Jahren 1999 bis 2005 nachträglich keine neuen Sieger bei der Tour de France. Dies beschloss der Radsport-Weltverband UCI unter dem umstrittenen Präsidenten Pat McQuaid (Irland) am Freitag (26.10.12) in seinem Hauptquartier am Genfer See.
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McQuaid erklärte in Genf: "Heute ist der Radsport ein völlig anderer Sport als noch in der Zeit von 1998 bis 2005. Die Fahrer unterliegen nun den innovativsten und effektivsten Anti-Doping-Maßnahmen und -Regularien im Sport", so McQuaid: "Dennoch haben wir die weltweiten Reaktionen auf die Armstrong-Affäre wahrgenommen und diese zusätzlichen Schritte unternommen, um auf die schwerwiegenden Bedenken zu reagieren."
Die UCI setzt eine unabhängige Kommission ein, um die Verstrickungen des Verbandes in die Affäre zu untersuchen. Zudem fordert die UCI von Armstrong und allen anderen betroffenen Fahrern die Rückzahlung der Prämien. Der Verband beschwor allerdings ein neues Problem herauf. Denn die UCI, die unter Führung von McQuaids Vorgänger Hein Verbruggen Armstrongs Machenschaften lange geduldet und gedeckt haben soll, hob damit quasi die Unschuldsvermutung gegen mögliche Nachrücker auf. "Ich bin gespannt, wie man nun erklärt, dass gegen diese Fahrer keine Schritte eingeleitet werden", sagt Sylvia Schenk, Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International.
ASO begrüßt Entscheidung
Die Organisatoren der Tour de France begrüßten hingegen die UCI-Entscheidung. Diese "entspricht exakt unserem Wunsch, den wir schon vor zehn Tagen geäußert haben", teilte der Veranstalter ASO mit. Rennchef Christian Prudhomme hatte sich für eine leere Siegerliste als Mahnmal eines "verlorenen Jahrzehnts" ausgesprochen.
Nahezu alle, die hinter Armstrong unter den Top Ten das Tour-Ziel erreichten, sind oder waren belastet wie Jan Ullrich als Zweitplatzierter 2000, 2001 und 2003 oder 2004 Armstrongs Teamkollege Andreas Klöden (ebenfalls Zweiter). Über sämtlichen Toursiegern der Epoche, ob Armstrong, Ullrich, Bjarne Riis, Marco Pantani, Floyd Landis oder Alberto Contador liegt der Schatten des Betrugs.
McQuaid im Kreuzfeuer
Schuld daran trägt auch McQuaid, der wie 2006 Verbruggen ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Aktuelle und frühere Fahrer wie der dreimalige Tour-Sieger Greg LeMond, Tyler Hamilton (beide USA) und der deutsche Ex-Profi Jörg Jaksche fordern seinen Rücktrittt, auch John Fahey, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA: "Niemand, der in Armstrongs Jahren bei der UCI an verantwortlicher Stelle tätig war, kann noch rechtfertigen, weiterhin an der gleichen oder einer ähnlichen Position zu sein."
Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA, die den Fall Armstrong gegen den Widerstand der UCI klärte, hat bereits deutlich gemacht: "Der Radsport ist keineswegs gesäubert. Dies sollte nun Aufgabe einer unabhängigen 'Wahrheits- und Schlichtungskommission' sein."
Hohe Rückforderungen
Armstrong muss zudem um sein auf rund 100 Millionen US-Dollar (76 Mio. Euro) geschätztes Vermögen bangen. Auf ihn wartet eine Prozesslawine durch getäuschte Sponsoren und Renn-Veranstalter, die Schadenersatz und Prämienrückzahlungen in zweistelliger Millionen-Höhe fordern. Zugleich sind seine Werbepartner Nike, Trek, Oakley und Anheuser-Busch abgesprungen. Tour-Chef Christian Prudhomme kündigte bereits an, Prämien von drei Millionen Euro allein für seine sieben Siege zurückzufordern.
Die texanische Versicherungsgesellschaft SCA Promotions will 7,5 Millionen Dollar (5,76 Millionen Euro), die Armstrong eingeklagt hatte, nachdem die Assekuranz die Prämien für die Siege 2002-04 wegen Dopinggerüchten auf Eis gelegt hatte. Auch die Londoner Sunday Times will 1,2 Millionen Euro zurück, die Armstrong gegen sie erstritten hatte. Das US-Justizministerium ermittelt wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder beim staatlich unterstützten US-Postal-Team.
sid/dpa | Stand: 26.10.2012, 17:07