Radsport-Team Sunweb investiert in die Zukunft

Felix Gall und Micheal Mathews sind Teil des Teams Sunweb

World-Tour-Equipe präsentiert sich in Münster

Radsport-Team Sunweb investiert in die Zukunft

Von Michael Ostermann (Münster)

Das Team Sunweb fährt unter deutscher Lizenz in der World Tour, doch die Aushängeschilder des hiesigen Radsports sind abhanden gekommen. Darum besinnt man sich jetzt auf die Nachwuchsarbeit.

Da stehen sie nun alle vereint auf der Bühne in einem Hangar am Flughafen Münster/Osnabrück. Das Team Sunweb - Männer, Frauen, Nachwuchsfahrer. Sie alle lächeln in die Kameras. Der neue Sponsor ist ein Reiseveranstalter, darum der Ort für die Präsentation. Im Mittelpunkt steht vor allem das World-Tour-Team der Männer. Anderthalb Stunden dauert das Brimborium, und es ist in dieser Zeit viel vom deutschen Radsport die Rede, dessen Gegenwart und Zukunft.

Ohne Kittel und Degenkolb

Das Team Sunweb, im vergangenen Jahr noch als Team Giant-Alpecin unterwegs, fährt unter deutscher Lizenz. Doch der Mannschaft sind die Aushängeschilder für den hiesigen Markt abhanden gekommen. Nach Marcel Kittel, der schon 2016 für einen anderen Arbeitgeber sprintete, ist 2017 auch John Degenkolb bei einer anderen Equipe untergekommen. Da wird es schwieriger werden, die deutsche Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen.

Anders als in Radsportnationen wie etwa in Belgien oder Frankreich, wo auch Fahrer aus anderen Nationen begeistert gefeiert werden, vermittelt sich der Radsport hierzulande eher über einheimische Profis. "Die Wahrnehmung wird ohne Marcel und John sicherlich eine andere sein", glaubt auch Simon Geschke.

Ein Australier, zwei Niederländer, ein Franzose

Der 30-Jährige, der 2015 eine Etappe der Tour de France in den Alpen gewann, ist seit den Anfängen des Teams 2009 dabei, das damals noch als niederländische Mannschaft startete. Die Struktur des Teams ist seitdem immer die gleiche geblieben, auch als man zur Saison 2015 erstmals die Lizenz in Deutschland löste. "Wir waren auch mit Marcel und John immer ein internationales Team", sagt Geschke.

Nur sind nun eben die Teamkapitäne keine deutschen Profis mehr. Der Australier Michael Matthews soll Degenkolb bei den Frühjahrsklassikern ersetzen. Die Niederländer Tom Dumoulin und Wilco Kelderman sollen die Mannschaft beim Giro d'Italia anführen. Und der Franzose Warren Barguil ist Sunwebs Mann für die Gesamtwertung bei der Tour de France. "Wir sind jetzt breiter aufgestellt. Gerade im Hinblick auf die großen Rundfahrten", findet Geschke.

Eigenes Nachwuchsteam

Teamchef Iwan Spekenbrink, ein Niederländer, glaubt dennoch, dass der deutsche Radsport von seinem Team profitieren kann. "Unsere Verpflichtung für den deutschen Radsport hängt nicht von einzelnen Fahrern ab", sagt Spekenbrink. "Wir wollen in die Zukunft des deutschen Radsports investieren."

Dafür hat er nun ein Development Team gegründet, in dem zwölf Nachwuchsfahrer unter professionellen Rahmenbedingungen an den Profisport herangeführt werden sollen. Darunter sind fünf Talente aus Deutschland. Spätestens in fünf Jahren will Spekenbrink die Früchte dieser Arbeit in seinem World-Tour-Team ernten. "Damit kommt nicht nur ein kontinuierlicher Strom neuer deutscher Fahrer in die World Tour, sondern hoffentlich die nächste Generation deutscher Stars."

Zeit zur Entwicklung

Die Radprofis Wilco Kelderman , Lennard Kämna, Simon Geschke und Tom Dumoulin (v.l.)  vom Team Sunweb

Die Radprofis Wilco Kelderman , Lennard Kämna, Simon Geschke und Tom Dumoulin (v.l.) vom Team Sunweb

Das Spekenbrink Talente in die Weltspitze führen kann, hat er bereits bewiesen. In seinem Team sind auch Kittel und Degenkolb zu Stars gereift. Und auch im aktuellen World-Tour-Kader stehen einige deutsche Nachwuchshoffnungen. Dazu gehören neben den beiden Sprintern Phil Bauhaus,22, und Max Walscheid, 23, auch der erst 20 Jahre alte Lennard Kämna, U23-Europameister im Zeitfahren, den einige schon als den kommenden deutschen Rundfahrer sehen.

"Sie kümmern sich um junge Talente und sehen die Fahrer nicht nur als Produkt, das Ergebnisse bringen soll, sondern als Menschen", sagt Kämna. Spekenbrink will ihn behutsam aufbauen. "Was er vor allem braucht, ist Zeit", sagt der Teamchef. Man dürfe die Erwartungen nicht zu hochschrauben. "Wir müssen ihn schützen." Vielleicht entpuppt sich das als der richtige Weg in die Zukunft des deutschen Radsports - unabhängig von der öffentlichen Wahrnehmung.

Stand: 05.01.2017, 14:26

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