John Degenkolb zwischen Glück und Unglück

Nach schwerem Unfall

John Degenkolb zwischen Glück und Unglück

Radprofi John Degenkolb wird nach seinem schweren Unfall wohl erst in drei Monaten wieder Rennen bestreiten können. Dafür darf er auf den Erhalt eines Fingers hoffen.

"Die Heilung dauert ein wenig länger, weil er nicht nur ein normales Leben führen will, sondern auch Leistungssport auf einem sehr hohen Niveau betreiben möchte", sagte der spanische Mediziners Pedro Cavadas, der Degenkolb behandelt. Damit würde der 27-Jährige für die Frühjahrsklassiker ausfallen.

John Degenkolb

John Degenkolb

"Es ist zu früh, um zu spekulieren. Wir müssen aber auch mit dem Szenario rechnen, dass es nicht klappt", hatte zuvor auch Iwan Spekenbrink, Teamchef des deutschen Radrennstall Giant-Alpecin, erklärt. Die Saison startet am 19. März mit dem Rennen Mailand-Sanremo. Dort wollte Degenkolb seinen Titel eigentlich verteidigen. Im vergangenen Jahr hatte er auch den Klassiker  Paris-Roubaix gewonnen. Die Rückkehr ins Renngeschehen hat aber nicht höchste Priorität. "Es zählt im Moment einfach nur, dass John wieder gesund wird", sagte Manager Jörg Werner. Degenkolbs erster Gedanke sei gleichwohl gewesen: "Was ist mit der Saison?"

"Riesenschock für uns alle"

Degenkolb und fünf weitere Fahrer waren am Samstag (23.01.16) im spanischen Calp frontal von einem Auto erfasst worden. "Das war ein Riesenschock für uns alle. Es wird uns einige Monate zurückwerfen, aber wichtig ist jetzt nur, dass die Fahrer gut betreut werden", betonte Spekenbrink. Eine britische Touristin saß am Steuer des Unglückswagens, sie fuhr angeblich auf der falschen Seite.

Weitere Behandlung in Hamburg

Degenkolb hatte sich bei dem Unfall die Kuppe des Zeigefingers fast komplett abgerissen. Sie wurde zwar wieder angenäht, bleibende Funktionsschäden sind aber nicht ausgeschlossen. Außerdem erlitt er einen Unterarmbruch, der mit einer Platte fixiert wurde, und mehrere Schnittwunden.

Nachdem er in Valencia mehrmals operiert wurde, wartet der 27-Jährige nun auf den Rückflug nach Deutschland. Die Ärzte müssen dazu ihr O.K. geben. In einem Krankenhaus in Hamburg soll er weiter behandelt werden. Er werde "in den kommenden Tagen verlegt", hieß es am Sonntag.

"Haben Glück gehabt, dass sie leben"

Der Profi hatte Glück im Unglück. Ein Verlust seines linken Zeigefingers sei "aktuell kein Thema", sagt Spekenbrink. Degenkolb selbst hatte nach dem Unfall erklärt, es gehe ihm „den Umständen entsprechend gut“. Er fand sogar Zeit, sich für die zahlreichen Genesungswünsche zu bedanken. Sein Zeigefinger habe "nur noch am letzten Zipfel meiner Hand" gehangen. "Sie haben Glück gehabt, dass sie leben", sagt Manager Werner. Der erklärte zudem, Degenkolb sei nach dem Crash "emotional angegriffen" gewesen. Das gilt auch für Spekenbrink. Alle im Team würden nun Zeit brauchen, das Geschehen zu verarbeiten, sagt er.

Neben Degenkolb befindet sich auch der Amerikaner Chad Haga in Spanien im Krankenhaus, wo er wegen einer Augenhöhlenfraktur noch operiert werden soll. Max Walscheid aus Neuwied (Schienbein- und Daumenbruch), der Franzose Warren Barguil (Kahnbeinbruch), der Schwede Fredrik Ludvigsson (Prellungen am ganzen Körper) und der Niederländer Ramon Sinkeldam (Schnitt- und Schürfwunden) haben bereits die Heimreise angetreten.

"Jedes Jahr einen neuen Frühling"

Manager Werner schaut schon wieder nach vorne. Mit Blick auf die Frühjahrsklassiker sagte er: "Aber es ist das Schöne, dass es jedes Jahr einen neuen Frühling gibt und jedes Jahr aufs Neue diese Rennen."

red/dpa/sid | Stand: 26.01.2016, 11:12

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