Lance Armstrong verliert alle Tour-Titel

Lance Armstrong

Entscheidung der UCI

Lance Armstrong verliert alle Tour-Titel

Jetzt ist offiziell, was die meisten erwartet hatten: Der Weltradsportverband UCI hat Lance Armstrong alle sieben Titel bei der Tour de France aberkannt.

"Lance Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport, er muss vergessen werden", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid am Montag (22.10.12) in Genf. Der Weltverband folgte damit der Beweisführung der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, die Armstrong in einem mehr als 1.000 Seiten starken Bericht systematisches Doping nachgewiesen hatte.

"Mir wurde schlecht"

In beispielloser Weise hatte der heute 41 Jahre alte Texaner demnach selbst manipuliert und ein ganzes Doping-Netzwerk aufgezogen. "Der Fall Armstrong ist die größte Krise, der sich der Radsport jemals entgegenstellen musste. Die Bewältigung dieser Krise kann uns Möglichkeiten für die Zukunft bringen", sagte der umstrittene UCI-Präsident: "Mir wurde schlecht, als ich den Bericht der USADA gelesen habe."

Persönliche Konsequenzen schloss er aus: "Ich werde nicht zurücktreten." Die UCI, die unter McQuaids Vorgänger Hein Verbruggen Armstrongs Machenschaften lange geduldet und gedeckt haben soll, will am Freitag weitere Maßnahmen beschließen. Neben der lebenslangen Sperre und der Streichung aller Resultate seit dem 1. Januar 1998 droht Armstrong nun die Rückzahlung sämtlicher Preisgelder aus dieser Zeit.

Schwarze Ära

"Heute nehmen wir Armstrong die sieben Siege weg, am Freitag werden wir Weiteres besprechen. Dazu müssen wir die UCI-Regeln ändern", sagte McQuaid. Ebenso will der Weltverband am Freitag darüber entscheiden, ob die Tour-Zweitplatzierten der Jahre 1999 bis 2005 nachträglich zu Siegern erklärt werden. Der seinerseits gesperrte Jan Ullrich wäre dann viermaliger Sieger der Frankreich-Rundfahrt, Andreas Klöden erhielte den Titel von 2004.

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Tygart: "Heute ist ein historischer Tag" | 02:50 min | 23.10.2012 | Morgenecho | WDR 5

Ohnehin muss die Tour-Historie wieder geändert werden. Nach dem Bannspruch gegen Armstrong kehren Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain mit jeweils fünf Gesamtsiegen als Rekordsieger in die Geschichtsbücher zurück. Die Radsport-Jahre 1996 bis 2008 hingegen werden nach dem Urteil gegen Armstrong endgültig als schwärzeste Ära in die Geschichte eingehen: Bjarne Riis, Ullrich, Marco Pantani, Armstrong, Floyd Landis, Alberto Contador - über sämtlichen sportlichen Toursieger jener Epoche, ob offiziell noch als Sieger geführt oder nicht, liegt der Schatten des Betrugs.

Tour-Chef Prudhomme will Prämien zurückfordern

Tour-Chef Christian Prudhomme forderte unterdessen, dass Armstrong seine Siegprämien zurückzahlen solle: "Das Reglement der UCI in diesem Fall ist sehr eindeutig - wer einen Sieg aberkannt bekommt, muss auch die Prämie zurückgeben", sagte Prudhomme am Montag. Allein für seine sieben Gesamtsiege zwischen 1999 und 2005 hatte Armstrong rund drei Millionen Euro kassiert. Vom Urteil gegen den Texaner zeigte sich Prudhomme nicht überrascht: "Das ist genau das, was wir erwartet haben." Nach dem Willen des Generaldirektors sollen die Titel nicht an andere Fahrer vergeben werden: "Wir hoffen, dass die Siegerliste jener Jahre weiß bleibt."

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Armstrong: Vom Held zum Doping-Sünder | 01:26 min | 22.10.2012 | Tagesschau24 | Tagesschau24

WM-Titel bleibt

Armstrong, dem als einziger Erfolg der Weltmeister-Titel von 1993 bleiben dürfte, hatte sich am Wochenende noch betont gelassen gezeigt. "Es ging mir schon einmal besser, aber auch schon bedeutend schlechter", sagte Armstrong bei der Gala zum 15-jährigen Bestehen seiner von ihm 1997 gegründeten Krebsstiftung Livestrong, als dessen Chairman er kurz zuvor zurückgetreten war.

Dem Kampf gegen den Krebs will sich der in den USA nach wie vor höchst populäre Sportler weiter widmen. "Wir werden uns nicht abschrecken lassen. Wir werden weitermachen. Die Mission muss weitergehen."

sid | Stand: 22.10.2012, 13:10