Armstrong gesteht offenbar Doping
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Interview mit Oprah Winfrey
Armstrong gesteht offenbar Doping
Das Interview wird zwar erst am Donnerstag ausgestrahlt, aber schon jetzt berichten Medien: Lance Armstrong hat bei Oprah Winfrey erstmals Doping gestanden.
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In dem Interview mit Oprah Winfrey räumte der ehemalige US-Radprofi am Montag (14.01.13, Ortszeit) ein, bei seinen Tour-de-France-Siegen leistungssteigernde Mittel genommen zu haben. Das berichteten die Nachrichtenagentur AP und die Zeitung "USA Today" unter Berufung auf mit der Sendung vertraute Quellen. Das Interview wird an diesem Donnerstag und wegen der Länge in einem zweiten Teil am Freitag (Ortszeit) im US-Fernsehkanal OWN ausgestrahlt.
Weder Armstrong noch Winfrey gaben über den Inhalt des Gesprächs Auskunft. Die 58-Jährige ließ lediglich über den Kurznachrichtendienst Twitter wissen: "Habe gerade zweieinhalb Stunden mit @lancearmstrong unter Dach und Fach gebracht. Er war VORBEREITET". Später ließ sie mehr Informationen über das Interview an die Öffentlichkeit: "Ich würde sagen, er hat nicht so ausgepackt, wie ich es erwartet hatte", sagte Winfrey nach der Aufzeichnung des Interviews am Dienstag im Sender CBS. Ein Geständnis bestätigte Winfrey jedoch erwartungsgemäß noch nicht - schließlich will sie die Spannung bis zuletzt hoch halten. Sie sagte lediglich: "Die wichtigsten Fragen wurde alle beantwortet."
Armstrong will UCI belasten, andere Fahrer jedoch nicht
Armstrong soll angeblich bezeugen wollen, dass Funktionäre des Radsport-Weltverbands UCI über seinen Gebrauch leistungssteigernder Mittel wussten und diesen möglicherweise unterstützten. Dies schrieb die "New York Times" auf ihrer Internetseite unter Berufung auf mehrere Quellen. Damit würde dem ohnehin krisengeschüttelten Profi-Radsport endgültig der Kollaps drohen. Armstrong wolle allerdings nicht gegen andere Fahrer aussagen, hieß es weiter. Der 41-Jährige sei zudem in Diskussionen mit dem amerikanischen Justizministerium, in einem Gerichtsverfahren als Zeuge gegen verschiedene Besitzer von Rennställen zu agieren.
Armstrong war mit einer Gruppe von etwa zehn Begleitern zur TV-Aufzeichnung erschienen. An seiner Seite waren unter anderem seine Anwälte Tim Herman und Sean Breen sowie sein langjähriger Berater, Manager und Geschäftspartner Bob Stapleton. Ursprünglich sollte das Gespräch in seinem Haus in Austin (Texas) stattfinden. Da das Grundstück jedoch von etlichen Journalisten umlagert war, entschied man sich, in ein örtliches Hotel auszuweichen.
Justiz könnte aktiv werden
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge erwägt nun das US-Justizministerium, einen Prozess gegen Armstrong zu unterstützen. Dies berichten unter anderem "USA Today" und das "Wall Street Journal". Armstrongs früherer Teamkollege Floyd Landis hatte 2010 eine offiziell noch nicht bestätigte Klage eingereicht, auch deshalb prüft das Ministerium die rechtlichen Schritte. In der Anklage soll Landis seinem einstigen Weggefährten Armstrong und Teammanagern des früheren Radrennstalls US Postal vorgeworfen haben, dass Sponsorengelder für die Dopingpraktiken verwendet worden seien.
Vor dem Gespräch mit Winfrey hatte sich Armstrong bereits bei den Mitarbeitern der von ihm gegründeten Krebsstiftung entschuldigt. Der Texaner besuchte die Büros der "Livestrong"-Stiftung in seiner Heimatstadt Austin, wo er bei den Mitarbeitern um Verzeihung bat. Armstrong, dem seine sieben Siege bei der Tour de France aberkannt worden waren, habe mehrmals um Fassung gerungen, einige Mitarbeiter hätten geweint, berichtete AP. Auf die Vorwürfe des jahrelangen Dopings als Radprofi sei er jedoch nicht eingegangen, hieß es.
Im Anschluss an das Interview meldete sich auch Armstrongs langjähriger deutscher Konkurrente Jan Ullrich zu Wort. "Das ist alles für mich nichts Neues. Ich nehme es zur Kenntnis. Aber die Zeit von Lance und mir im Radsport liegt schon so lange zurück, dass das auf mein Leben keinen Einfluss hat", sagte Ullrich der Bild-Zeitung.
Armstrong bestritt früher alle Vorwürfe
Armstrong hatte in der Vergangenheit vehement die Einnahme verbotener Mittel bestritten. Die amerikanische Anti Doping-Agentur USADA hatte ihm jedoch in einem mehr als 1000 Seiten starken Dossier unter anderem dank der Zeugenaussagen ehemaliger Teamkollegen das Gegenteil beweisen können. Armstrong soll jahrelang gedopt haben, unter anderem mit EPO, Testosteron und Kortison. Außerdem soll er andere Fahrer bei den Rennställen US Postal und Discovery Channel zum Dopen genötigt haben. USADA-Chef Travis Tygart sprach vom "ausgeklügelsten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm, das die Welt jemals gesehen hat."
Der Radsport-Weltverband UCI hatte im Oktober alle Armstrong-Ergebnisse von August 1998 an im Nachhinein gestrichen und ihn lebenslang gesperrt. Ihm drohen nun Schadensersatzklagen und wegen Meineids sogar eine Gefängnisstrafe.
dpa | Stand: 15.01.2013, 16:12