"Purito" verdirbt Contadors Rückkehr

Joaquim Rodriguez

Joaquim Rodriguez vor Gesamtsieg bei der Vuelta a España

"Purito" verdirbt Contadors Rückkehr

Von Marc Rehbock

Die Vuelta a España sollte die Bühne für das große Comeback von Alberto Contador sein. Der Madrilene kommt an einem Gegner jedoch nicht vorbei: Dem Katalanen Joaquim "Purito" Rodriguez.

Es war ein Zweikampf, wie ihn die spanischen Radsportfans lieben: Alberto Contador startete Angriff um Angriff, ging wieder und wieder am Mann im roten Trikot vorbei, doch der Gesamtführende blieb am Hinterrad des Madrilenen: Der Katalane Joaquim Rodriguez, in Spanien nur "Purito" - die "kleine Zigarre" - genannt, lieferte dem ehemaligen Tour-de-France-Sieger zum wiederholten Male einen großen Kampf bei der diesjährigen Vuelta und ließ sich auch am bis zu 22 Prozent steilen Schlussanstieg am Montag (04.09.2012) hinauf zum Cuitu Negra in den Bergen Asturiens nicht abschütteln.

Vuelta-Sieg als Krönung?

Seit Rodriguez auf der vierten Etappe das rote Trikot des Gesamtführenden übernommen hat, sieht er sich den verbissenen Attacken Contadors ausgesetzt, konnte diese jedoch nicht nur parieren, sondern Spaniens Radsportstar selbst immer wieder ein paar Meter abnehmen. Mittlerweile beträgt der Vorsprung von Rodriguez auf Contador 28 Sekunden und es fehlen nur noch fünf Etappen bis zum Gesamtsieg.

Hans-Michael Holczer

Hans-Michael Holczer

Joaquim Rodriguez ist, obwohl mittlerweile 33 Jahre alt, nur Radsportkennern ein Begriff: Bronzemedaille bei der Strassen-WM im Jahr 2007, der Sieg einer Tour-de-France-Etappe und der Gewinn des Bergtrikots bei der Vuelta 2005 standen bis zu dieser Saison als größte Erfolge auf seiner Vita. Doch seit Beginn des Jahres steht der nur 1,70 Meter große und 55 Kilogramm schwere Athlet auf den Siegerlisten zunehmend vorne: Im April gewann der Kapitän des russischen Katjuscha-Teams um den ehemaligen Gerolsteiner-Manager Hans-Michael Holczer den prestigeträchtigen Klassiker Flèche Wallone. Es folgte ein zweiter Platz beim Giro d'Italia und jetzt steht er vor dem größten Triumph seiner Karriere, dem Gewinn der Vuelta a Espana.

Radsportvergangenheit in schwierigem Umfeld

Joaquim Rodriguez

Joaquim Rodriguez

Joaquim Rodriguez kommt aus einer Radsportfamilie. Auch Bruder Alberto brachte es zum Radsportprofi, wenn auch mit weniger Erfolg. Obwohl in der Nähe von Barcelona groß geworden, ist Rodriguez auch bei kastilischen Radsportfans in Madrid beliebt und wird in der Öffentlichkeit nur "Purito", die "kleine Zigarre" genannt. Den Spitznamen verpassten ihm seine Teamkollegen seines damaligen Radsportstalls "Once" bereits zu Beginn seiner Karriere. Bei einer harten Trainingseinheit wurde der damals 21-Jährige von seinen älteren Teamkollegen über den Aspahalt getrieben und pfiff bereits aus dem letzten Loch, als Rodriguez diese überholte und mit einer Geste das Qualmen einer Zigarre andeutete. Abends im Hotel musste er die Zigarre dann wirklich rauchen, seinen Spitznamen "Purito" hatte er danach weg.

Welche Praktiken darüber hinaus in Teams des umstrittenen Teammanagers Manolo Sainz teilweise praktiziert wurden, ist hinlänglich bekannt. Sainz stand im Zentrum der Ermittlungen der "Operación Puerto" und wurde festgenommen als er dem Dopingarzt Eufemiano Fuentes Geld übergeben wollte. Rodriguez stand jedoch nicht auf Fuentes berüchtigter Liste, hat Doping stets bestritten und eine positive Probe von ihm gibt es nicht.

Steht der Katalane in Madrid ganz oben?

Joaquim Rodriguez

Joaquim Rodriguez

Das unterscheidet ihn von Contador. Der spanische Radsportstar war für zwei Jahre gesperrt. Im ersten Etappenrennen nach Ablauf der Sperre will der ehemalige Überflieger bis zum Schluss um den Sieg kämpfen. "Purito" Rodriguez wird wahrscheinlich noch zwei Angriffe von Contador abwehren müssen: Nach dem Ruhetag folgt am Mittwoch (05.09.2012) ein Schlussanstieg der 2. Kategorie. Endgültig entschieden wird die Vuelta vor den Toren Madrids: Auf der vorletzten Etappe müssen die Fahrer zur "Bola del Mundo" - vor dem Zielstrich liegt ein Anstieg der höchsten Kategorie. In seinem Blog schreibt Rodriguez, dass er "ein gutes Gefühl" habe, "wenig aber gleichzeitig auch noch viel" zum Vueltasieg fehle. Gut möglich, dass der Katalane Rodriguez dem Druck standhält und als designierter Gewinner der 67.Spanien-Rundfahrt am Sonntag (09.09.2012) in die spanische Hauptstadt einrollt. Und sich am Abend ein dicke Sieger-Zigarre anzündet.

Stand: 04.09.2012, 12:00