Erster Dopingbefund mit Blutmittel Molidustat

Radfahrer und ihre Schatten

Doping im Radsport

Erster Dopingbefund mit Blutmittel Molidustat

Von Thilo Neumann und Hajo Seppelt

Ende Mai feierte der Radprofi Matija Kvasina noch den Sieg eines Etappenrennens in Luxemburg. Der Kroate wurde vorläufig suspendiert, nach zwei positiven Dopingtests. Das Besondere dabei: Man fand eine Substanz, die klinisch noch gar nicht zugelassen ist.

Die Nachricht fand wenig Beachtung - dabei stellt sie ein Novum im Anti-Doping-Kampf dar: Anfang Juli wurde bekannt, dass der kroatische Radprofi Matija Kvasina nach zwei positiven Dopingtests vorläufig suspendiert wurde. Als erster Profisportler wurde Kvasina dabei positiv auf das Mittel Molidustat getestet - eine Substanz, die klinisch noch gar nicht zugelassen ist.

Die Wirkweise des Stoffes ist typisch für viele im Radsport missbrauchten Dopingmittel: Molidustat hat auf den menschlichen Organismus einen ähnlichen Effekt wie Höhentraining in sauerstoffarmer Luft: Die Substanz regt die körpereigene Produktion von Erythropoetin an, kurz EPO, das zum besseren Sauerstofftransport im Blut beiträgt und so die Ausdauerleistung der Sportler steigert. Gleichzeitig hemmt Molidustat die Bildung des Enzyms HIF-PH, das die EPO-Ausschüttung reguliert. Eigentlich soll das Mittel zur Behandlung nierenkranker Menschen eingesetzt werden, die unter Blutarmut leiden - noch befindet es sich aber in der Testphase, ist nicht auf dem Markt erhältlich.

Präventive Dopingforschung greift

Dass nun mit Kvasina bereits ein erster Radprofi mit dem Mittel erwischt wurde, ist ein Verdienst präventiver Dopingforschung. Das Testverfahren für Molidustat wurde 2016 von den Dopingkontrolllaboren in Köln und Paris gemeinsam entwickelt. Der jetzige Fund zeigt, dass sich die zeitliche Lücke zwischen dem Einsatz neuer Substanzen durch Betrüger und der Nachweisbarkeit durch die Dopinganalytik verkleinert. Schon Anfang des Jahres konnten die Dopingfahnder einen ähnlichen Erfolg vermelden: Bei Nachtests von Urinproben der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking wurde drei chinesischen Gewichtheberinnen die Einnahme des Peptidhormons GHRP-2 nachgewiesen – auch dies eine Substanz, die zum Zeitpunkt des Missbrauchs durch die Sportlerinnen noch nicht klinisch geprüft war. Alle drei hatten in ihrer Gewichtsklasse Gold gewonnen; Siege, die nun nachträglich annulliert wurden.

Auch Radprofi Matija Kvasina drohen nun Konsequenzen: Der Weltradsportverband UCI kann den siebenmaligen kroatischen Meister bis zu vier Jahre sperren. Kvasinas Arbeitgeber, das österreichische Team Felbermayr Simplon Wels, hat ihn bereits suspendiert. Ende Mai hatte er das Etappenrennen Flèche du Sud in Luxemburg gewonnen – bei diesem Wettbewerb wurden auch die beiden Urinproben genommen, in denen später Molidustat gefunden wurde. Kvasina selbst hat sich zu den Testergebnissen bislang nicht geäußert.

Stand: 21.07.2017, 11:56

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