Deutschland Tour 2018 - der Radsport kehrt zurück

Radsport-Rundfahrt

Deutschland Tour 2018 - der Radsport kehrt zurück

Von Olaf Jansen

2008 fand die vorerst letzte Auflage der Deutschland Tour statt. Zehn Jahre später wird es eine Neuauflage der Rundfahrt geben. Ist der Radsport schon rehabilitiert im Land?

Marcel Kittel in Dubai 2018

Im August dieses Jahres ist es soweit: Dann werden die Radprofis wieder deutschen Asphalt auf einer Rundfahrt unter die Räder nehmen. Vom 23. bis 26. August wird die Deutschland Tour 2018 stattfinden. In Koblenz wird gestartet, das große Ziel wird vier Tage später Stuttgart sein, nachdem zwischenzeitlich die Etappenorte Trier und Merzig angefahren wurden. Nach dem vorläufigen Ende der Deutschland Tour 2008 findet also genau zehn Jahre später eine Renaissance statt - wenn auch in abgespeckter Version.

Übernommen hat die Organisation des Rennens die Amaury Sport Organisation (A.S.O.), ein französisches Unternehmen, das unter anderem auch die Tour de France veranstaltet. Als Vermarkter haben die Franzosen die US-amerikanische Anschutz Entertainment Group (AEG) mit ins Boot genommen - beide kümmern sich seit vergangenem Jahr im Übrigen auch um den Klassiker Eschborn-Frankfurt.

Radsport in Deutschland soll wiederbelebt werden

Das Ziel: Der Radsport soll nach seiner Krise in Folge der Dopingproblematik auf dem wichtigen deutschen Markt wiederbelebt werden. Yann Le Moënner, Geschäftsführer der A.S.O., fasst das so zusammen: "Der Grand Départ der Tour de France 2017 in Düsseldorf, die erneuerte Partnerschaft mit der ARD zur Live-Übertragung der Tour de France, die Aufnahme des Radklassikers Eschborn-Frankfurt in die Familie der A.S.O.-Rennen und die neue Deutschland Tour sind wichtige Meilensteine, die zum Wachstum des Radfahrens in Deutschland beitragen sollen."

Natürlich wissen auch die neuen Macher um die wackeligen Füße, auf denen der Profi-Radsport nach wie vor im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung steht. Das Misstrauen in die Profis ist nach wie vor groß, wenngleich der Zuschauerzuspruch bei den jüngsten Veranstaltungen schon wieder erstaunlich war und vor allem ein Trend durchaus Mut macht: In Deutschland hat die Breitensport-Szene der Radfahrer großes Wachstum zu verzeichnen. Einfach ausgedrückt: Die Deutschen haben sich zuletzt lieber selbst aufs Rad gesetzt, anstatt den Profis bei ihrem Sport zuzuschauen.

Große Bühne für Hobbyradler

Linus Gerdemann bei der Deutschland Tour 2008

Diesen Trend wollen A.S.O. und AEG ausnutzen, indem sie in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) den Hobbyradlern eine große Bühne geben. Neben dem Profirennen wird großer Wert auf eine parallel laufende Jedermann-Veranstaltung gelegt, in den Ziel- und Startorten sollen rund um das Sportevent regelrechte Fahrradmessen stattfinden.

Also bemüht sich auch BDR-Präsident Rudolf Scharping in seiner Einordnung um eine Fokussierung auf den Breitensport: "27 Millionen Deutsche fahren bereits regelmäßig Rad und viele deutsche Städte erkennen den Wert des Fahrrads in ihren Mobilitätsstrategien. Deshalb wird die Deutschland Tour nicht nur ein reines Sport-Event sondern ein großes Fahrrad-Fest."

Abgespeckte Rundfahrt über vier Etappen

Herz des Events wird aber natürlich dennoch die Profi-Rundfahrt sein, die über vier Etappen führt. Als Startort wurde am Dienstag (06.02.2018) Koblenz vorgestellt, das große Ziel ist am 26. August Stuttgart. Insgesamt führt das Rennen nur über vier Etappen - ist also erst einmal eine ganz kleine Nummer im Kalender der internationalen Rundfahrten. Zur Erinnerung: Als die Deutschland Tour 2008 ihre vorerst letzte Auflage erfuhr, hatte sie insgesamt neun Etappen und war auf dem Sprung, in die Wertigkeit der ganz großen Rundfahrten vorzupreschen. Die Doping-Krise bereitete dem Radsport-Boom in Deutschland dann aber ein abruptes Ende.

Nun also der Neustart mit einer abgespeckten Version, deren genauer Streckenverlauf am 2. März bekannt gegeben werden soll. Auf größere Bergetappen werden Fans und Fahrer noch verzichten müssen, dafür versprechen die Organisatoren schon einmal vorab gute Ergebnisse deutscher Fahrer: "Die Tour wird den Stärken der neuen deutschen Fahrergeneration entgegenkommen. Sprints und Streckenführungen wie bei großen Klassikern sollten den jungen deutschen Fahrern liegen", so die Veranstalter.

Stand: 07.02.2018, 11:31

Darstellung: