Dakar - Relikt aus dem motorsportlichen Mittelalter

Unfall der Chinesin Meiling bei der Rallye Dakar

Nach dem Start-Unfall bei der Rallye Dakar 2016

Dakar - Relikt aus dem motorsportlichen Mittelalter

Von Jo Herold

38 Jahre "Dakar", 66 Tote, allein der Unfall der Chinesin Guo Meiling auf dem Prolog der 2016er Austragung der Rallye verletzte 13 Menschen zum Teil schwer. Die nun folgende Sicherheitsdebatte greift zu kurz. Ein Kommentar.

Reflexartig kommt - wie bei fast allen derartigen Nachrichten in den Jahren zuvor - eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen. Dabei hat die Dakar mit Vernunft nichts zu tun, geht es doch einzig darum, die äußersten Grenzen menschlicher und technischer Leistungsfähigkeit auszuloten und zu überwinden.

Folglich wird es immer Teilnehmer wie die unerfahrene Chinesin Guo Meiling geben, die Geld und Ressourcen übrig haben, um sich einem solchen Zeitvertreib hinzugeben. Und diese Extreme werden immer auch Zuschauer in ihren Bann ziehen, die sich diese "Sensation" nicht entgehen lassen.

Beim nur elf Kilometer langen Prolog hatte die chinesische Geschäftsfrau Meiling auf gerader Strecke an einer Bodenwelle die Kontrolle über ihren fast zwei Tonnen schweren Mini verloren und war mit hohem Tempo in die Zuschauermenge gerast. Dabei erlitten drei Personen schwere Verletzungen.

Ist die Dakar zeitgemäß?

Staubwolke und flüchtende Zuschauer beim Unfall der Chinesin Meiling

Staubwolke und flüchtende Zuschauer beim Unfall der Chinesin Meiling.

Doch ist ein solcher Motorsport überhaupt noch zeitgemäß? Motorsportveranstaltungen haben es ohnehin immer schwerer in Zeiten, in denen das Thema Mobilität neu definiert werden muss. Die Formel 1 kämpft darum, sich in der Gunst der Zuschauer zu behaupten, Deutschland könnte als Austragungsort für Grand Prix langfristig entfallen. Auch die DTM ringt um Akzeptanz, der Rallye-Sport der 1980er Jahre ist längst aus dem Bewusstsein der Sportfans verschwunden.

Motorsport muss sich entwickeln

Dabei wurde in den hohen Motorsportklassen in den vergangenen Jahrzehnten erkannt, dass Themen wie Sicherheit wichtig sind und dass Rennstrecken, Motoren und Material an den Fortschritt von Wissen und Technik angepasst und weiterentwickelt werden müssen. Nichts anderes lässt diesen Sport weiterleben.

In Formel 1, DTM und auch in der Motorrad-WM sind schwere Unfälle so die absolute Ausnahme geworden, weil hier aus der nicht selten tödlichen Vergangenheit gelernt wurde. Doch was kann aus 38 Jahren Dakar gelernt werden?

Die Veranstaltung musste - um zu überleben - vor Jahren von Europa und Afrika nach Südamerika ausweichen. Dort, in der Einöde und Kargheit Argentiniens und Boliviens, sorgt die Dakar für ein mittelalterliches Spektakel, bei dem es - unterm Strich - nur wenige Sieger gibt. Die technisch hochgezüchteten Maschinen kommen bis auf die wenigen Tage der Rallye anderswo so gut wie nie zum Einsatz.

Dakar erzeugt nur noch Negativ-Schlagzeilen

Und so taucht die Dakar seit Jahren in der Öffentlichkeit nur dann auf, wenn Todesfälle und Verletzte zu vermelden sind. Von den Randnotizen zum Thema Umweltverschmutzung und -zerstörung ganz zu schweigen.

Es muss angezweifelt werden, ob dieses Relikt aus früheren Zeiten dem Motorsport zuträglich ist. Oder ob es nicht vielmehr das kriselnde Sport-Segment insgesamt in Frage stellt.

Stand: 04.01.2016, 11:20

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