Meldonium - viele Sportler unschuldig?

Maria Scharapowa

Doping

Meldonium - viele Sportler unschuldig?

Der Welt-Anti-Doping-Agentur droht Ärger. Möglicherweise hat sie die Nachweisbarkeit von Meldonium im Körper falsch eingeschätzt. Vermeintlich überführte Sportler könnten unschuldig sein - eine Chronik der Ereignisse.

+++ 14. April: Die ukrainische Leichtathletin Anastasia Mochnjuk ist positiv auf die seit dem 1. Januar verbotene Substanz Meldonium getestet worden. Mochnuk gab am Donnerstag an, die gewöhnlich bei Herzproblemen verschriebene Substanz aus medizinischen Gründen genommen zu haben. Deshalb hoffe sie auf ein "objektives Urteil". Mochnjuk hatte Silber im Fünfkampf bei der Hallen-WM vor einem Monat in Portland gewonnen. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF bestätigte, dass Mochnjuk bis zur Klärung des Falls vorübergehend suspendiert sei.

+++ 14. April: Eine noch nicht veröffentlichte Pilotstudie zeigt, dass die seit dem 1. Januar verbotene Substanz Meldonium nach deren Absetzung wesentlich länger im Körper nachweisbar sein könnte als zunächst angenommen. Professor Mario Thevis vom Institut für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln, der dem Sport-Informations-Dienst (SID) den Sachverhalt bestätigt hat, spricht von "mehreren Monaten".

+++ 13. April: Nach den zahlreichen Dopingfällen auf die verbotene Substanz Meldonium öffnet die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) den positiv getesteten Sportlern wie Tennis-Star Maria Scharapowa eine Hintertür. Demnach akzeptiert die WADA in Proben vor dem 1. März 2016 eine Konzentration von bis zu einem Mikrogramm pro Milliliter. Hintergrund ist die Tatsache, dass bislang ungeklärt ist, wie schnell Meldonium im Körper abgebaut wird. So gebe es die Möglichkeit, dass vorläufige Suspendierungen unter diesen Voraussetzungen aufgehoben werden könnten, teilte die WADA weiter mit. Die WADA hatte das Präparat zum 1. Januar 2016 auf die Dopingliste gesetzt. Daraufhin war es bei bis zu 140 Athleten, speziell aus dem russischen Raum, zu Positivtests gekommen. Tennisstar Scharapowa war bei den Australian Open im Januar aufgeflogen.

+++ 12. April: Die rumänische 400-Meter-Läuferin Mirela Lavric ist positiv auf das verbotene Medikament Meldonium getestet worden. Wie der rumänische Leichtathletik-Verband am Dienstag (12.04.16) bestätigte, wurde die Dopingprobe bei der Hallen-WM bereits im März 2016 in Portland vorgenommen. Jedoch habe der Verband erst am 7. März dieses Jahres erfahren, dass Meldonium zu den verbotenen Medikamenten gehöre, hieß es in einer Mitteilung. Lavric gehörte zur rumänischen Staffel, die in den USA die Bronzemedaille gewann. Ihr droht nun eine Sperre von vier Jahren.

+++ 12. April: Auch die rumänische Biathletin Eva Tofalvi ist des Dopings mit Meldonium überführt worden. Wie der Weltverband IBU am Dienstag mitteilte, hat die 37-Jährige nach positiver A-Probe auf die Öffnung der B-Probe verzichtet. Tofalvi, die im Dezember 2008 nach der Doping-Disqualifikation der Russin Albina Achatowa in Hochfilzen ihren einzigen Weltcup-Sieg gefeiert hatte, drohen damit zwei Jahre Sperre und angesichts ihres Alters das Karriereende. Die IBU hatte am 30. März verkündet, dass bei zwei Athleten A-Proben positiv ausgefallen seien, gemäß ihrer üblichen Vorgehensweise aber keine Angabe zu Name, Geschlecht und Herkunft sowie der Art der festgestellten Substanz gemacht. Wer der zweite auffällige Biathlet neben Tofalvi ist, bleibt vorerst offen.

+++ 12. April: Mit dem Ringer Petr Novak ist der erste tschechische Spitzensportler positiv auf Meldonium getestet worden. Die Probe sei im Januar während der Vorbereitungsphase für die Olympia-Qualifikation entnommen worden, sagte Petr Vurbs vom tschechischen Ringerverband. Im Griechisch-Römischen Ringen in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm war Novak bei den Weltmeisterschaften im usbekischen Taschkent 2014 Elfter geworden.

+++ 7. April: Eine Woche vor Beginn der U18-Eishockey-WM in den USA hat Russland überraschend seine Mannschaft ausgetauscht. Statt der U18-Junioren würden die U17-Spieler zur Weltmeisterschaft in Grand Forks fliegen, teilte der Verband in Moskau mit. Ein Grund für den Tausch vor dem Turnier wurde nicht mitgeteilt. Ein namentlich nicht genannter Informant sagte der russischen Agentur Interfax, in Proben vieler U18-Spieler sei die seit Jahresbeginn verbotene Substanz Meldonium festgestellt worden. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Meldonium

Beliebt, aber verboten: Medikament Meldonium

+++ 6. April: Die norwegische Gewichtheberin Ruth Kasirye hat eingeräumt, im Januar positiv auf den verbotenen Stoff Meldonium getestet worden zu sein. In einem Schreiben, das sie über ein Anwaltsbüro verbreiten ließ, teilte sie mit, bei einem Aufenthalt in Uganda mit entsprechenden Medikamenten behandelt worden zu sein. Sie war über Neujahr bei einem Familienbesuch an Malaria erkrankt und dort ins Krankenhaus gekommen, wo man ihr Medizin mit Meldonium verabreicht hatte.

+++ 4. April: Vier Judoka haben offenbar für die nächsten Meldonium-Dopingfälle in Russland gesorgt. Wie die russische Nachrichtenagentur TASS mit Verweis auf eine anonyme Quelle berichtet, wurden der Ex-Weltmeister Michail Puljajew, Denis Jarzew, Natalija Kondratijewa und Jekaterina Walkowa positiv auf die Substanz getestet. Russlands Judo-Verband verweigerte bislang eine Bestätigung.

+++ 3. April: Kunstturner Nikolai Kuksenkow, Olympia-Vierter im Mehrkampf 2012 in London, ist positiv auf das verbotene Dopingmittel Meldonium getestet worden. Dies bestätigte die russische Cheftrainerin Walentina Rodionenko am Sonntag in Moskau. Der Team-Europameister von 2014 war bis einschließlich 2012 für die Ukraine an die Geräte gegangen und startete seither für Russland.

+++ 30. März: Der russische Wasserball-Nationalspieler Alexej Bugajtschuk ist positiv auf Meldonium getestet worden. Er sei geschockt, er habe sich immer für Fairness im Sport ausgesprochen, sagte Bugajtschuk der Agentur Interfax in Moskau. Der 27-jährige Wasserballer von Dynamo Moskau ist damit in Triest bei der Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele gesperrt.

Gabriela Petrova

Gabriela Petrova

+++ 28. März: Die bulgarische Dreispringerin Gabriela Petrowa (Foto) erklärte, bis September 2015 Meldonium genommen zu haben. Sie habe dann aber aufgehört, sagte die 23-Jährige in Sofia. "Ich habe die Anti-Doping-Regeln in keiner Weise verletzt", erklärte sie. Bulgariens "Leichtathletin des Jahres 2015" war positiv auf die verbotene Substanz getestet worden. "Ich wusste, dass Meldonium verboten sein wird und habe deswegen seine Einnahme noch im September (2015) eingestellt", betonte Petrowa. 

+++ 26. März: Der russische Sportminister Witali Mutko hat ein "Übergewicht" des Themas Doping in der Sportberichterstattung kritisiert. Russlands Erfolge seien mit zielgerichteter Arbeit und richtigen politischen Weichenstellungen und nicht mit Doping erzielt worden, sagte er. Der Vertraute von Präsident Wladimir Putin beklagte zudem eine Skandalisierung durch Medien. "Die Presse berichtet oft reißerisch über eine positive A-Probe, aber wenn die B-Probe negativ ist, ist das schon vergessen", meinte Mutko.

+++ 25. März: Nach Angaben von Witali Mutko sind seit dem 1. Januar 2016 bislang 27 Sportler des Landes positiv auf Meldonium getestet worden. "Diese Zahl kann sich jedoch noch ändern", wurde Mutko von der Nachrichtenagentur R-Sport zititert. Weltweit gebe es laut Mutko 127 positive Fälle, die Welt-Anti-Doping-Agentur hatte zuvor von 123 Fällen gesprochen.

+++ 22. März: Michail Mamiaschwili, Verbandsboss der russischen Ringer, kündigte an, dass seine Olympia-Mannschaft aufgrund von positiven Dopingfällen weit im zweistelligen Bereich möglicherweise nicht bei den Spielen in Rio de Janeiro antreten wird. Ob es sich bei den Dopingmitteln um die seit Jahresbeginn verbotene Substanz Meldonium handelt, wollte Mamiaschwili nicht bestätigen. Allerdings berichtet die Nachrichtenagentur TASS, dass zwei Ringer mit Meldonium erwischt worden sind.

+++ 21. März: In neue Fälle in Verbindung mit dem verbotenen Präparat Meldonium sind nach Informationen der Agentur Tass die russischen Leichtathletinnen Olga Wowk und Gulschat Fasletdinowa sowie der Läufer Andrej Minschulin verwickelt. Auch die Ringer Jewgeni Salejew und Sergej Semjonow wurden positiv getestet. +++

Nadezhda Kotlyarova

+++ 21. März: 400-m-Läuferin Nadeschda Kotljarowa wird positiv auf Meldonium getestet. Kotljarowa wurde bei den russischen Leichtathletik-Meisterschaften Ende Februar mit dem Dopingmittel erwischt, wie ihr Trainer der Nachrichtenagentur Tass sagte.

+++ 18. März: Die russischen Eisschnelläufer Pawel Kulischnikow, Semjon Jelistratow und Jekaterina Konstantinowa werden auch in der B-Probe positiv auf Meldonium getestet. Kulischnikow ist fünffacher Weltmeister. +++

+++ 17. März: Die russische Bobfahrerin Nadeschda Sergejewa wird Berichten zufolge positiv auf das verbotene Präparat Meldonium getestet. Die 28-Jährige war 2014 bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi für Russland gestartet. +++

+++ 16. März: Russlands Schwimm-Weltmeisterin Julija Jefimowa wird der Missbrauch von Meldonium nachgewiesen, bestätigt eine Quelle im Schwimmverband Russlands einer russischen Nachrichtenagentur. +++

+++ 15. März: Kurz vor Beginn der Hallen-WM in Portland wird die ukrainische 800-m-Läuferin Natalija Lupu wegen des Gebrauchs von Meldonium von ihrem nationalen Verband FLAU vom Wettkampf zurückgezogen. +++

+++ 10. März Der Biathlon-Weltverband IBU sperrt  den russischen Sportler Eduard Latypow. Auch bei Latypow, Junioren-Weltmeister von 2015 in Minsk, wurde Meldonium nachgewiesen. +++

+++ 9. März: Auch der früheren 1500-Meter-Weltmeisterin Abeba Aregawi wird die Einnahme der verbotenen Substanz Meldonium nachgewiesen. Dies berichten die Nachrichtenagentur AFP und schwedische Medien übereinstimmend. +++

+++ 9. März: Auch der georgische Griechisch-Römisch-Ringer Davit Modzmanaschwili wird wegen des Verdachts auf Meldonium-Gebrauch auffällig. Dies teilt der Verband seines Landes mit. Zudem sollen weitere fünf Teammitglieder eine positive A-Probe auf Meldonium abgegeben haben. +++

+++ 9. März: Auch Russlands Volleyball-Nationalspieler Alexander Markin hat sich mit Meldonium gedopt. Der Außenangreifer von Dynamo Moskau sei bei einem Urintest im Dezember aufgefallen, habe aber noch die Olympia-Qualifikation im Januar in Berlin gespielt, berichtet der Branchendienst volleyrussia.com. +++

+++ 8. März Der fünffache Sprint-Weltmeister im Eisschnelllauf, Pawel Kulischnikow, sowie der Olympiasieger im Shorttrack, Semjon Jelistratow, werden vorläufig suspendiert. +++

+++ 7. März: Tennis-Superstar Maria Scharapowa wird bei den Australian Open im Januar positiv auf die verbotene Substanz Meldonium getestet. Das gibt die 28 Jahre alte Russin in Los Angeles auf einer extra einberufenen Pressekonferenz bekannt. Sie könne niemand anderes als sich selbst für den positiven Test verantwortlich machen, sie habe die neue Liste der WADA nicht gelesen, so Scharapowa. +++

+++ 7. März: Die ehemalige Eistanz-Europameisterin Jekaterina Bobrowa aus Russland bestätigt ein positives Testergebnis auf Meldonium. +++

+++ 25. Februar Die Nationale-Anti-Doping-Agentur (NADA) sorgt mit einer Anzeige für ein Ermittlungsverfahren gegen Athleten und Verantwortliche des deutschen Mannschaftsmeisters im Ringen, den ASV Nendingen für Aufsehen. Die Staatsanwaltschaft Freiburg teilt mit, es gehe um das Mittel Meldonium. +++

+++ 25. Februar: Der Biathlon-Weltverband IBU teilt am 25. Februar mit, bei einer im Januar genommenen Probe des ukrainischen Biathleten Artem Tyschtschenko wurde Meldonium festgestellt. Der Sportler habe daraufhin auf die Öffnung der B-Probe verzichtet. +++

+++ 9. Februar: Der Biathlon-Verband der Ukraine macht am 9. Februar einen positiven Dopingtest seiner Athletin Olga Abramowa öffentlich. Die Sportlerin sei einen Monat zuvor positiv auf Meldonium getestet worden. +++

+++ 5. Februar: Der russische Radprofi Eduard Worganow wird am 5. Februar vom Radsport-Weltverband UCI nach einem positiven Dopingtest vorläufig gesperrt. Bei dem Profi vom Team Katusha war bei einer Trainingskontrolle das Mittel Meldonium nachgewiesen worden. +++

dpa/sid | Stand: 12.04.2016, 16:45

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