Handballer siegen mit Geist von Spanien

Wichtiger Erfolg der DHB-Auswahl gegen Tschechien

Handballer siegen mit Geist von Spanien

Von Jens Mickler

Der Druck war groß gegen Tschechien. Doch die deutschen Handballer hielten ihm stand und knüpften mit einem starken Teamspirit an die guten Leistungen bei der WM in Spanien an.

Nach dem Abpfiff musste Trainer Martin Heuberger seinem Ärger erst einmal Luft machen. Es sei respektlos gewesen, wie mit seiner "jungen Truppe" im Vorfeld der so bedeutungsvollen Partie gegen die tschechische Mannschaft umgegangen worden sei, fauchte der Nationalcoach. Sein Team hatte sich selbst mit der 22:24-Niederlage im Hinspiel am vergangenen Donnerstag (04.04.2013) schwer in die Bredouille gebracht.

Heuberger verärgert über Schlagzeile

Daraufhin war in einer Zeitung in großen Lettern von den deutschen "Schlaffis" zu lesen gewesen. "So helfen wir diesem Team nicht weiter. Diese Mannschaft braucht Zeit, und sie braucht Unterstützung", machte Heuberger nun deutlich, nachdem seine Schützlinge mit einer konzentrierten Leistung den 28:23(15:12)-Sieg im Rückspiel dieser EM-Qualifikation davongetragen hatten. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft kann nun wieder aus eigener Kraft das Ticket für die Europameisterschaft im Januar des nächsten Jahres in Dänemark schaffen.

In Halle/Westfalen bekam sie die Unterstützung, von der Heuberger sprach. Zumindest standen die 9.500 Besucher in der gut gefüllten Arena geschlossen hinter dem DHB-Team, auch wenn es zunächst nach einem neuerlichen Debakel aussah. Deutschland lief anfangs einem 1:5-Rückstand hinterher, ließ sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen. Ein Zeichen dafür, dass dieses Team bereits einen Entwicklungsschritt nach vorne gemacht hat. "Es hat sich ausgezahlt, dass wir unseren Kopf dabei hatten", meinte Heuberger bezogen auf den Fehlstart in diese Partie.

Heinevetter in Hochform

Die deutsche Auswahl konnte sich in der brenzligen Anfangsphase einmal mehr auf einen starken Silvio Heinevetter im Tor verlassen. Der Berliner Keeper hielt mit tollen Paraden sein Team im Spiel und zeigte auch im weiteren Verlauf, warum er ein Keeper von Weltklasseformat ist. Aber es war an diesem Tag nicht Heinevetter allein, der überzeugte. In der Abwehr stand ein zuverlässiger Innenblock mit Michael Haas und Patrick Wienczek, der den verletzt ausgefallenen Kapitän Oliver Roggisch vertrat. "Patrick spielt auf sehr, sehr gutem Niveau und hat Oliver Roggisch mehr als ersetzt", lobte Heuberger den blonden Mann des THW Kiel.

Vor allem aber im Angriff lief es diesmal viel besser als noch vier Tage zuvor in Tschechien. Steffen Weinhold lieferte wieder eine bärenstarke Partie im rechten Rückraum ab. Diesmal war er nicht der einzige, denn auch Sven-Sören Christophersen auf der linken Seite sorgte aus der zweiten Reihe für wichtige Treffer. Weinhold und Christophersen waren mit jeweils sechs Toren die besten Schützen der deutschen Mannschaft. "Wir haben die Auslösehandlungen viel besser auf den Punkt gespielt als noch in Tschechien. Jeder hat diesmal Druck gemacht", analysierte ein erleichterter Sven-Sören Christophersen von den Füchsen Berlin.

Zittern bis zum Ende

Wenn es etwas zu kritisieren gab, dann die Tatsache, dass die Deutschen den diesmal allenfalls durchschnittlichen Tschechen nicht eher den Garaus machten. Beim 21:15 in der 41. Minute schien man schon auf der ganz sicheren Seite, sorgte aber nochmal für Spannung, weil im Angriff auch sehr gute Chancen zur Mitte der zweiten Halbzeit nicht genutzt wurden.

Unter'm Strich war es aber eine geschlossene Teamleistung, die den Sieg brachte. Und so knüpfte das DHB-Team in Halle an die starken Auftritte bei der der Weltmeisterschaft in Spanien vor knapp drei Monaten an, als immerhin ein fünfter Platz heraussprang. "Wir haben ja damals einiges bewegt und eine gewisse Euphorie entfacht für den Sport und diese Mannschaft. Die Gefahr besteht, dass man so etwas im Keim erstickt. Das galt es unbedingt zu verhindern. Wer heute hier war, hat es glaube ich, nicht bereut", meinte der Berliner Christophersen.

Weiter Weg bis Dänemark

Noch ist mit dem Sieg gegen die Tschechen allerdings nur ein Etappe gewonnen und das Ziel noch längst nicht erreicht. Das wäre es erst im Juni, kurz nach Ende der strapaziösen Bundesligasaison, wenn das schwere Match in Montenegro gewonnen wird und im Anschluss das vermeintlich leichtere Heimduell gegen Israel. Trainer Martin Heuberger wird bis dahin erst einmal wieder in Ruhe arbeiten können und weitere Attacken der Medien wohl nicht kontern müssen. Das Thema deutsche "Schlaffis" dürfte sich aber wohl erst gänzlich erledigt haben, wenn Heubergers Team sicher dabei ist bei der Europameisterschaft 2014 in Dänemark.

Stand: 08.04.2013, 08:30