Handball-Supercup - das Ende der "Mini-WM"

Der deutsche Torwart Manfred Hofmann bejubelt den Supercup-Sieg 1979

Letzte Auflage des Turniers

Handball-Supercup - das Ende der "Mini-WM"

Abschied vom Handball-Supercup: Die diesjährige Auflage des traditionsreichen Vier-Nationen-Turniers wird die letzte sein. Der Grund: eine zu geringe Ticketnachfrage. Das war früher ganz anders.

Wenn Deutschland am Freitag (06.11.15) zum ersten Spiel um den Supercup gegen Brasilien antritt, wird nicht allzu viel los sein in der Flensburger Arena. "Wir rechnen mit 3000 bis 4000 Zuschauern", sagt DHB-Präsident Andreas Michelmann. Auch in Hamburg und Kiel, wo das deutsche Team noch gegen Serbien und Slowenien antritt, werden nicht mehr Fans erwartet.

Wegen der geringen Ticketnachfrage wird es deshalb im kommenden Jahr keinen Supercup mehr geben. Die diesjährige Auflage des traditionsreichen Vier-Nationen-Turniers wird die letzte sein. Auch schon vor zwei Jahren waren die Zuschauerzahlen enttäuschend. "Überholt und nicht mehr zeitgemäß ist", nennt DHB-Vizepräsident Bob Hanning den Supercup. "Dieses Format lockt in den großen Städten keinen mehr hinterm Ofen hervor", sagt er. Nach dem Turnier werde man sich "in Ruhe Gedanken machen" und über die Zukunft entscheiden. Ein mögliches zukunftsfähiges Modell wäre ein Länderkampf, an dem auch Jugend-Mannschaften teilnehmen.

11.000 Fans in Dortmund

Andreas Thiel, Petre Ivanescu, Wolfgang Kubitzki und Andreas Kulas (v.l.) machen Werbung für den Supercup

Früher spielten Weltmeister und Olympia-Sieger beim Supercup

Dabei war der Supercup früher eine große Nummer. Seit 1979 lädt der DHB alle zwei Jahre zum Turnier ein. Bei der Premiere kamen kurz vor Weihnachten 11.000 Zuschauer zum Finale zwischen Deutschland und Rumänien in die Dortmunder Westfalenhalle. Deutschland war damals amtierender Weltmeister, Rumänien hatte 1976 bei den Olympischen Spielen in Montreal die Silbermedaille gewonnen. Das Team von Trainer Vlado Stenzel, der übrigens die Idee zum Supercup hatte, gewann mit 15:13, und die deutschen Spieler um Heiner Brand trugen am Ende den überragenden Torwart Manfred Hofmann auf den Schultern.

Beim zweiten Turnier 1981 kam es im Finale zur Neuauflage des WM-Endspiels von 1978 zwischen Deutschland und der UdSSR. Mit 13:15 ging die Partie aus deutscher Sicht verloren, wieder war die Dortmunder Westfalenhalle ausverkauft. Deutschland gewann das Turnier sechsmal, zuletzt 2013, und ist damit Titelverteidiger. Den Cup  holten auch Russland, beziehungsweise die Sowjetunion (5), Spanien (3), Schweden (2), Rumänien und Polen.

"Mini-WM" mit Hochkarätern

Viele leere Plätze beim Supercup 2013

Viele leere Plätze beim Supercup 2013

Weil früher vor allem Olympiasieger, Welt- und Europameister und andere Hochkaräter am Start waren, wurde der Supercup lange "Mini-WM" genannt und die Turniere waren echte Gradmesser für die Teilnehmer. Heute kommen Brasilien, Serbien und Slowenien.

Früher wurde auch teilweise in zwei Gruppen gespielt, weil acht Teams mit dabei waren. Danach waren es viele Jahre sechs Mannschaften und es gab sogar Halbfinals. Seit 2009 spielen nur noch vier Mannschaften. Wer am Ende in der Tabelle die Nase vorne hat, ist Supercupsieger.

Als das B-Team das A-Team schlug

Duell der Brüder Roth im Nationaltrikot: Michael (r.) schlägt mit dem B-Team das A-Team mit Uli

Duell der Brüder Roth im Nationaltrikot: Michael (r.) schlägt mit dem B-Team das A-Team mit Uli

Und früher gab es nette Anekdoten. So trat der DHB 1983 bis 1989 sowie 1998 mit zwei Teams an. 1983 verlor die A-Nationalmannschaft mit 14:16 gegen die eigene B-Auswahl. In der spielten überwiegend Junioren.

Sportlich gesehen startet das deutsche Team mit dem Supercup die Vorbereitung auf die EM in Polen im kommenden Januar. Erklärtes ist der Turniersieg. Bundestrainer Sigurdsson will noch einmal neues Personal testen. "Wir werden auf Sieg spielen", sagt der Isländer. Es wäre ein netter Abschluss für den Supercup. Dann hätte Deutschland die Premiere und den letzten Akt gewonnen. Nur dass jetzt im Gegensatz zu 1979 wohl niemand mehr auf Händen getragen wird.

red/sid/dpa | Stand: 05.11.2015, 10:57

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