Handball - die ungeliebte Königsklasse

Champions League

Handball - die ungeliebte Königsklasse

Vor dem Start der Handball-Champions-League hält sich die Freude bei den deutschen Klubs in Grenzen. Schuld ist die Terminhatz. Doch es könnte noch schlimmer werden.

Der FC Barcelona ist ein großer Klub im europäischen Handball. Das Team des mehrmaligen Europapokalsiegers und spanischen Rekordmeisters ist gespickt mit Stars und Nationalspielern. Eigentlich müsste die Vorfreude bei den Rhein-Neckar Löwen groß sein. Denn die Mannheimer spielen gleich zum Start der Handball-Champions-League am Sonntag (17.09.17) daheim gegen die Katalanen.

Die Freude hält sich aber in Grenzen. Das liegt daran, dass das Team in der Bundesliga zwei Tage vorher beim VfL Gummersbach antreten muss. Auch die SG Flensburg-Handewitt spielt gegen den dänischen Vertreter Aalborg nur drei Tage nach dem Bundesligaspiel gegen Erlangen. Der THW Kiel trifft dann auf Leipzig, bevor es wenig später gegen Paris St. Germain geht.

Klubs im 48-Stunden-Rhythmus

Seit die Europäische Handball-Föderation 2015 die Champions League reformiert und damit aufgebläht hat, sind die deutschen Klubs im Stress. Der Frust ist groß. "Im Moment haben wir drei Fälle, in denen wir mit einem 48-Stunden-Rhythmus leben müssen, obwohl wir einen Abstand von zumindest drei Tagen als notwendig erachten", schimpfte Flensburgs Manager Dierk Schmäschke in der Fachzeitschrift "Handballwoche".

"Wünschenswert wäre es, dass die EHF zukünftig im Sinne einer besseren Planbarkeit feste Spieltagstermine definiert", forderte auch Bundesliga-Geschäftsführer Frank Bohmann in einem Interview mit dem "Mannheimer Morgen". Dass die Bundesliga in dieser Saison wegen eines neuen TV-Vertrages vornehmlich donnerstags und sonntags spielt,  bringt die drei Topklubs zusätzlich in die Bredouille.

Nun kann man behaupten, dass die Liga wegen dieser starren Festlegung an den Terminschwierigkeiten deshalb nicht ganz unschuldig ist. Bohmann will das nicht gelten lassen und verweist auf "die drastische Erhöhung der Anzahl der Spiele."

Gislason will "NBA des Handballs"

Schon werden die Rufe nach einer neuen Reform laut. So spricht sich Kiels Trainer Alfred Gislason für eine europäische Topliga ohne K.o.-Phase aus. "Ich war immer ein Befürworter einer Elite-Liga. Meiner Meinung nach ist es für die Vereine überlebenswichtig, so eine Art NBA des Handballs zu machen", sagt der Isländer.

Die EHF hat aber offenbar andere Pläne. Der Verband will die Königsklasse ab 2018 noch weiter ausdehnen. "Ich kann schon jetzt sagen, dass wir dann kein Donnerstag-Samstag, sondern mindestens ein Dienstag-Donnerstag-Samstag-Problem haben werden", warnte Bohmann. Gislason sieht da ebenfalls schwarz. "Die Belastung würde dadurch weiter zunehmen", sagte der Kieler.

Verwirrender Modus

Dabei ist der Modus jetzt schon verwirrend. Wie schon in der Vorsaison sind 28 Mannschaften dabei. Die 16 Topklubs spielen in den Gruppen A und B. Die Sieger dieser beiden Gruppen qualifizieren sich nach 14 Spieltagen für das Viertelfinale. Die Mannschaften auf den Plätzen zwei bis sechs stehen in einer Art Zwischenrunde. Für die Siebt- und Achtplatzierten ist die Saison beendet.

In den Gruppen C und D trifft sich Europas zweite Garnitur mit je sechs Teams. Nach zehn Gruppenspieltagen stehen zwei Überkreuz-Vergleiche der beiden Bestplazierten an. Die Sieger komplettieren die 12er-Zwischenrunde, die als K.o.-Duell mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird.

Langer Weg zum Titel

Die Sieger der Viertelfinal-Spiele ziehen ins Final Four ein. Insgesamt gibt es 208 Spiele. Die deutschen Teams müssen, sofern sie nicht Gruppen-Erster werden, 20 Partien zum Gewinn der Champions League bestreiten.

Schon in der vergangenen Saison waren die Bundesligisten der Terminhatz am Ende sportlich nicht gewachsen. Zum ersten Mal ging das Final Four in Köln ohne deutsche Beteiligung über die Bühne.

sid/dpa/red | Stand: 13.09.2017, 11:27

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