Handball-Bundesliga

Ungeschlagen - Füchse Berlin auf Rekordjagd

Tim Beyer

Sechs Spiele, sechs Siege - die Füchse Berlin haben als einziges Team der Handball-Bundesliga noch keinen Punkt abgegeben. Noch ein Sieg fehlt, dann hätten die Füchse ihren eigenen Rekord eingestellt. Es interessiert bloß niemanden.

Die Handball-Bundesliga schaut auf die Füchse Berlin. Die sind nach dem knappen 31:30-Erfolg beim SC DHfK Leipzig am Donnerstagabend (05.10.2017) als einziger Verein noch verlustpunktfrei, sie haben alle ihre sechs Spiele gewonnen. Mit einem Sieg gegen den TBV Lemgo könnten die Füchse am Sonntag ihren eigenen Startrekord aus der Saison 2010/11 einstellen. In Euphorie bricht deshalb aber niemand aus, schon gar nicht Trainer Velimir Petkovic.

Bloß keine Euphorie

Wer Petkovic nach dem Sieg gegen Leipzig beobachtete, konnte durchaus den Eindruck gewinnen, es sei ihm ganz recht, dass seine Füchse noch nicht Platz eins belegen, sondern hinter den Rhein-Neckar Löwen Zweiter sind. Die haben allerdings zwei Spiele mehr auf dem Konto, ein Wechsel an der Spitze scheint möglich. Petkovic jedenfalls wich Fragen nach einer vermeintlichen Rekordjagd aus, solange es ging. Nur irgendwann kam er nicht mehr drumherum, er musste sich äußern. Und das tat er mit aller Vorsicht. "Was nützt uns ein Rekord, wenn wir danach verlieren", sagte Petkovic. "Ich will gegen Lemgo einfach zwei Punkte. Das wird schwer genug."

Sollen doch die anderen angesichts des Saisonstarts Jubelarien anstimmen, im Berliner Stadtteil Reinickendorf bleibt man vorerst ruhig. Während des Spiels war von Ruhe allerdings nicht allzu viel zu sehen. Petkovic jubelte über gelungene Aktionen und Treffer, er beschwerte sich immer wieder beim Schiedsrichter und sah in der hektischen Schlussphase sogar noch die Rote Karte.

Wenn der Trainer tanzt

Da stand es noch 30:30, ehe Rückraumspieler Steffen Fäth mit der letzten Aktion des Spiels das 31:30 erzielte und dafür sorgte, dass Petkovic nach Spielende ausgelassen im Kreis seiner Spieler tanzte. "Ich wollte meine Freude mit den Spielern teilen. Es war der schönste Sieg, seitdem ich bei den Füchsen bin", sagte Petkovic.

4.132 erstaunte Zuschauer sahen den Auftritt des 61-Jährigen als Vortänzer, sein direkter Vorgesetzter war nicht darunter. Bob Hanning, der Manager der Berliner, konnte das Spiel nur auf der Autobahn verfolgen. Das Unwetter und etliche umgestürzte Bäume hinderten Hanning daran, in Leipzig Zeuge des sechsten Berliner Saisonsieges zu werden. Er wird es verschmerzen können.

Nenadic nach Veszprem?

Während die Füchse-Spieler am Freitagmorgen zur Belohnung trainingsfrei bekamen, dürften Petkovic und Hanning die Köpfe zusammengesteckt haben. Denn offenbar steht der Abschied von Schlüsselspieler Petar Nenadic kurz bevor. Wie der TV-Sender "Sky" vermeldet, wird der 31-jährige Serbe seinen im Sommer 2018 auslaufenden Vertrag nicht verlängern und stattdessen zum ungarischen Rekordmeister Telekom Veszprem wechseln. "Das ist im Bereich des Möglichen. Wir hatten Anfragen von Veszprem", sagte Hanning dazu. Es wäre ein herber Verlust für das Team der Stunde.