Hannings Hausaufgaben für die Handball-Bundesliga

Hanning (l.) mit Torwart Wolff

Vor dem Bundesliga-Neustart

Hannings Hausaufgaben für die Handball-Bundesliga

Für DHB-Vize-Präsident und Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning beginnt nach dem EM-Triumph der Bundesliga-Alltag. Mit sportschau.de sprach er über Chancen auf Aufgaben für die Bundesliga nach dem EM-Titel.

Vor dem Topspiel seiner Füchse Berlin am Sonntag (14.02.16) gegen MT Melsungen erwartet Berlins Geschäftsführer Bob Hanning zwar kurzfristige Effekte, sieht aber generell den Handball erst am Beginn einer Entwicklungsstufe.

sportschau.de: Kurz vor dem Bundesliga-Neustart, was ist als Nachhall vom EM-Triumph noch da?

Bob Hanning: Ganz klar: Die Begeisterung in der Stadt. Man kann auf der Straße noch richtig spüren, was die Jungs für unsere Sportart da bewegt haben. Man merkt schon, dass die Strahlkraft dieses Sieges auch auf den Verein überschwappt.

Wie kann man das kurzfristig in der Bundesliga aufrecht halten?

Hanning: Generell ist die Bundesliga ja auf einem guten Weg. Die Zertifizierung der Jugendzentren war ein wichtiger Schritt. Da müssen wir versuchen, mit dem Erfolg im Rücken, noch mehr Vereine mitzunehmen. Was den aktuellen Spielbetrieb angeht, da wird sich der EM-Titel sicher auch positiv bemerkbar machen. Viele werden jetzt gucken wollen und neugierig sein. Die Vereine müssen das aufnehmen und auf Verbandsseite müssen wir natürlich unsere Konzepte zur Mitgliedergewinnung weiter voran treiben.

Welche Ansätze gibt es da?

Hanning: Das ist im Präsidium in der Zuständigkeit von Georg Clarke und er wird da demnächst etwas vorstellen. Allerdings sind wir dabei auch stark auf die Mithilfe der Landesverbände angewiesen.

Max-Schmeling-Halle bei einem Spiel der Füchse Berlin

Volles Haus: Heimspiel der Füchse in der Max-Schmeling-Halle

In puncto Medien-Präsenz und Sponsoren tritt der Handball in den Vergleich mit Sportarten wie Basketball oder Eishockey. Wo ordnen Sie Ihre Sportart da ein?

Hanning: Wir sind ganz klar die stärkste Ballsportart nach dem Fußball. Wenn man weiß, dass Handball auch im Fernsehen funktioniert, dass 17 Millionen Zuschauer dabei sein wollen und dass immer noch drei Millionen sich angucken, wie spätpubertierende Jugendliche in Berlin für den EM-Titel gefeiert werden, dann müssen wir darüber nicht diskutieren.

Das betrifft die Nationalmannschaft. Aber sehen Sie das in puncto Bundesliga auch so?

Hanning: Sportlich ganz klar. Von den 300 besten Handballern der Welt spielen 250 in der Bundesliga. Im Basketball spielen die in der NBA und dann irgendwo in Europa.

Und wie sieht es medial und wirtschaftlich aus?

Hanning: Die Handball-Bundesliga ist gesund. Wir haben es geschafft, große Städte und kleine Vereine, sprich Moderne und Tradition miteinander in einer Liga zu verbinden. Klar ist es im Bereich Hospitality, VIP-Bereich, Vermarktung immer schwierig. Und was die Medien angeht: Wenn man eine Ballsportart in Deutschland haben möchte, muss man sie halt auch einmal wertschätzen. Das findet aber zu wenig statt.

Wie könnte man diese Wertschätzung denn erreichen?

Hanning: Das geht nur über die Medien selbst und die Politik. Wir können uns noch zwölf Strukturänderungen geben und noch professioneller werden. Aber da muss was passieren.

Bob Hanning (r.) mit Paul Drux

Geschäftsführer Hanning (r.) mit Füchse-Spieler Paul Drux

Muss nicht auch mehr von der Bundesliga kommen?

Hanning: Die Bundesliga tut doch schon viel. Wir haben wie gesagt die Nachwuchszentren. Die Bundesliga hat sich medial deutlich weiter entwickelt.

Und wie sieht es mit dem Wettbewerb an sich aus, spannenderen, engeren Entscheidungen?

Hanning: Wenn Sie auf so etwas wie Playoffs anspielen, da bin ich überhaupt kein Fan von. Unser Ziel muss es sein, in der Breite mehr Spitze zu produzieren. Das muss sich aber rechnen und dafür brauche ich die Fernseh-Präsenz. Die EM hat es doch gezeigt. Wenn man eine Sportart mit Herz verkauft, dann funktioniert das auch. So würde auch Handball-Bundesliga im Fernsehen funktionieren. Man kann Sportarten aufbauen, siehe Biathlon. Aber dazu braucht es mehr Mut von allen Seiten.

Was stimmt sie positiv, dass da der EM-Gewinn 2016 mehr auslöst der WM-Gewinn 2007?

Hanning: Ich glaube, dass wir grundsätzlich jetzt besser aufgestellt sind, dass wir eine größere Masse an Menschen haben, die etwas bewegen wollen. Aber wir wissen: Wir sind immer noch am Anfang. Der Titel gibt uns die Möglichkeit, schneller in den Fokus zu kommen, als wir geplant hatten. Wir müssen jetzt dranbleiben, jeden Tag aus der Komfortzone raus und da ist jetzt jeder Beteiligten gefordert.

Das Gespräch führte Dirk Burkhardt.

Stand: 12.02.2016, 12:22

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