Füchse Berlin - Die Könige der 2. Halbzeit

Die Spieler der Füchse Berlin feiern

7. Spieltag in der Handball-Bundesliga

Füchse Berlin - Die Könige der 2. Halbzeit

Von Robin Tillenburg

Die Tabelle der Handball-Bundesliga ist wegen sehr "zersplitterter" Spieltage immer nur begrenzt aussagekräftig. Die Füchse Berlin sind jedoch nach fünf Partien weiterhin ohne Punktverlust, das ist eindrucksvoll.

Zunächst einmal muss natürlich aber dennoch ein klein wenig relativiert werden. Die Mannschaft von Trainer-Routinier Velimir Petkovic, der im Dezember vergangenen Jahres das Amt übernahm, hat in Ludwigshafen, Hüttenberg, Stuttgart und Gummersbach vier ihrer fünf Spiele gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte absolviert und bisher im SC Magdeburg den einzigen größeren Prüfstein gehabt - auch wenn Stuttgart eine sehr ordentliche Saison spielt.

Nenadic und Fäth trumpfen auf

Da hatte der aktuelle Tabellenführer Hannover-Burgdorf, der schon sieben Spiele absolviert hat und dabei nur eine Partie verlor, mit Kiel, Flensburg, Wetzlar, Magdeburg und Leipzig schon etwas klangvollere Kontrahenten. Zurecht stehen die Hannoveraner auch aktuell mehr im Fokus, doch nichtsdestotrotz ist die Leistung der Füchse eindrucksvoll. Eine Siegesserie von fünf Partien in dieser ausgeglichenen Liga von einem Team, das nicht Kiel, Flensburg oder Löwen heißt, gab es in den vergangenen Jahren gerade zum Start nicht wirklich oft.

Interessant: Das Team der Berliner ist in kaum einer relevanten Statistik ganz oben. Immerhin stellen sie gemessen an der Quote den drittbesten Angriff der Liga und haben in Steffen Fäth und Petar Nenadic zwei der, wenn man die Tore pro Spiel berechnet, Top-Torjäger der Liga in ihrem Rückraum. Und sie spielen auch noch viel besser zusammen als in der vergangenen Saison. Hier hat Petkovic offenbar die richtigen Knöpfe gedrückt. Aber sonst? Die Abwehr ist ganz ordentlich, aber die Berliner laufen aus ihrer relativ soliden Deckung relativ wenige Gegenstöße. Die Wurfquote ist in Ordnung, richtig viele Strafwürfe holen sie aber auch nicht heraus. Was ist also, neben dem herausragenden Rückraum, das Erfolgsrezept?

"Crunch-Time-Player"

Gegen den VfL Gummersbach lagen die Berliner, die bisher drei ihrer fünf Partien auswärts bestreiten mussten, zur Halbzeit zurück. Paul Drux und Marko Kopljar fehlten verletzt - doch die Füchse verfielen nicht in Panik. Die Lage war schließlich nicht wirklich neu, nur beim 31:24 über Ludwigshafen hatten die Hauptstädter nämlich bisher überhaupt zum Seitenwechsel geführt. In allen anderen Partien hatte es noch unentschieden gestanden - nun eben ein Rückstand.

Petkovic rüttelte seine Mannschaft wach und auch Nenadic erklärte nachher, einige Worte gesagt zu haben. Der Regisseur setzte sie dann auch gleich selbst um - Gummersbach fand gegen ihn kein Mittel mehr, am Ende brachte der 31-Jährige es auf neun Treffer, Fäth auf sechs. Weil auch die Abwehr gegen tapfer kämpfende Gummersbacher besser stand, Petr Stochl im Tor ein paar Paraden zeigte und Hans Lindberg auch in den wichtigen Momenten vom Siebenmeterpunkt traf, drehten die Füchse also das 12:15 noch in ein 31:29.

Der Spielverlauf lässt sich ziemlich exakt auf die drei vorherigen Partien ummünzen - abgesehen davon, dass es dort eben zur Pause remis stand. Gerade gegen Magdeburg waren die zweiten 30 Minuten beeindruckend. Die Berliner haben Spieler, die in den wichtigen Momenten eiskalt agieren und nie die Nerven verlieren. Nenadic, Fäth oder Lindberg aber auch beispielsweise die Keeper Stochl und Silvio Heinevetter sind international erfahrene Haudegen, die die jungen Spieler der Berliner anleiten. Dazu kommt eben die große Erfahrung auf der Trainerbank.

Steht ein Umbruch bevor?

Petar Nenadic (Fuechse Berlin /13) beim Sprungwurf gegen Gummersbach

Sieggarant: Petar Nenadic

Ob es dafür reicht, im Titelkampf am Ende einer langen Saison tatsächlich entscheidend mitzureden, wird sich wohl bis Ende Oktober zeigen. Leipzig, Hannover, Flensburg (im Pokal) und Kiel sind die namhafte Konkurrenz, gegen die es für die Füchse in den nächsten Wochen geht. Zeigen die Berliner da ihre Qualitäten in der "Crunch-Time", der entscheidenden Phase gegen Ende eines Spiels, erneut, ist möglicherweise mehr drin als der vierte Rang in der vergangenen Saison.

Sollte das nichts werden, ist das wohl aber auch kein Beinbruch. Mit Kevin Struck, Paul Drux und Fabian Wiede, allesamt Eigengewächse der Füchse, steht hochtalentierter "Nachwuchs" bereit, auch wenn Drux und Wiede bereits gestandene Nationalspieler sind. Alles angerichtet also für eine glorreiche Zukunft? Nicht ganz.

Denn Fäth wechselt in der kommenden Saison zu den Rhein-Neckar Löwen, auch Nenadic wird mit einem Wechsel, beispielsweise nach Veszprem, in Verbindung gebracht. Stochl, der seit 2006 in Berlin spielt, ist außerdem bereits 41 Jahre alt. Gut möglich also, dass die Berliner dann einen kleinen Umbruch verkraften müssen. Der Abgang ihrer beiden besten Werfer und der Torwart-Ikone würde definitiv schmerzen. Die Verantwortung von Drux, Wiede, Struck und Co. würde noch weiter wachsen. Dass sie die aber schultern können, daran zweifelt im "Fuchsbau" eigentlich keiner. Schließlich bekommen sie gerade selbst hautnah mit, wie man enge Partien in Siege verwandelt.

Statistik

Handball · 1. Bundesliga · 2017/2018

Donnerstag, 28.09.2017 | 19.00 Uhr

VfL Gummersbach

Hasenforther, Lichtlein – Timm, Zhukuv (7), Pujol (2), Schöneseiffen, Köpp (2), Matic (2) – Schröter (2), Xhafolli, von Gruchalla (4/4), Jaeger, Sommer (7) – A. Becker (2), Preuss (1)

29

Füchse Berlin

Heinevetter, Stochl – Reissky, Wiede (3), P. Nenadic (9), Schauer, Fäth (6), Gojun, Simak, Vukovic (1) – Lindberg (6/6), Zachrisson, Elisson, Struck (3) – Jiménez (3), E. Schmidt

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Fakten und Zahlen zum Spiel

VfL GummersbachFüchse Berlin
Siebenmeter4 Würfe, 4 Treffer8 Würfe, 6 Treffer
Strafminuten8 Min.6 Min.

Zuschauer:

  • 2559

Schiedsrichter:

  • Schulze (Magdeburg), Tönnies (Stendal)

Stand: Donnerstag, 28.09.2017, 20:58 Uhr

Stand: 29.09.2017, 13:32

Darstellung: