Handball - Spitzenklubs bejubeln umstrittene Reform

Jubel bei den Rhein-Neckar-Löwen

Pro Partie 16 Spieler

Handball - Spitzenklubs bejubeln umstrittene Reform

Durchbruch für die Spitzenklubs der Handball-Bundesliga: Ab kommender Saison dürfen pro Partie 16 Spieler eingesetzt werden. Auch die Abstiegsregelung wurde überarbeitet.

Mehr Spieler, weniger Belastung - die Mitgliederversammlung der Handball-Bundesliga hat sich nach jahrelangen Diskussionen zu einer umstrittenen Reform durchgerungen. Die Vertreter der insgesamt 38 Profiklubs stimmten am Donnerstag (06.07.2017) in Köln für die Zulassung des 15. und 16. Spielers pro Partie. Dies hatten besonders die Spitzenklubs seit Jahren gefordert, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

"Ein Meilenstein"

"Das ist ein Meilenstein", sagte Geschäftsführer Thorsten Storm vom deutschen Rekordmeister THW Kiel: "Vielen Dank an die Liga, die Solidarität funktioniert." Auch sein Amtskollege Dierk Schmäschke vom Vizemeister SG Flensburg-Handewitt sprach von einem "wichtigen Schritt, von dem alle Klubs profitieren können". Deutlich reservierter reagierte Bob Hanning. "Das war der Wunsch der drei Champions-League-Klubs, dem die Liga Rechnung getragen hat", sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin und Vizepräsident des DHB: "Ich bin kein großer Freund der Entscheidung." Die Zukunft werde zeigen, ob die Reform die Liga voranbringe.

Mehr Pausen für die Spitzenspieler

Bislang waren nur 14 Spieler pro Bundesliga-Partie einsatzberechtigt. Nun können zwei U23-Spieler zusätzlich aufgestellt werden. Seit sechs Jahren hatte Schmäschke mit Mitstreitern immer wieder den Antrag für den 16er Kader gestellt, der in den europäischen Konkurrenzligen und der Königsklasse schon länger verbreitet ist. Hauptargument war die Überlastung der Spitzenspieler, die künftig mehr Pausen erhalten könnten. Auf bis zu 80 Einsätze jährlich kommen Profis, die in Bundesliga, DHB-Pokal, Champions League und Nationalmannschaft im Einsatz sind. Verletzungen sind oftmals die Folge.

Kleine Klubs fürchten höhere Kosten

Dennoch ist die nun verabschiedete Reform umstritten. Vor allem die kleineren Klubs hatten sich lange gewehrt, weil mit den vergrößerten Mannschaften höhere Kosten verbunden sein dürften. Zudem wird es für Zweitligisten wohl schwieriger werden, Nachwuchskräfte zu gewinnen, da in der Bundesliga jetzt 36 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Vertreter der Champions-League-Teilnehmer betonten jedoch die Vorteile. "Die Belastung kann anders verteilt werden", sagte Storm: "Die Bundesliga profitiert auch davon, wenn ein Klub erfolgreich in Europa spielt, das sind die Zugpferde." Auch im europäischen Wettbewerb herrsche künftig ein Stück mehr Chancengleichheit. Zuletzt hatten die deutschen Topklubs in der Königsklasse das Nachsehen. In der vergangenen Saison schaffte erstmals kein Klub aus der erfolgsverwöhnten Bundesliga den Sprung in das seit 2010 stattfindende Final Four in Köln. Womöglich auch ein Fakt, der zum Umdenken beitrug.

Neue Auf- und Abstiegsregelung

Die Versammlung einigte sich auch auf eine neue Auf- und Abstiegsregelung. Nur noch die beiden letztplatzierten Vereine steigen ab der kommenden Spielzeit aus der 1. Bundesliga ab, bisher erwischte es drei Klubs. Das Handball-Unterhaus wird zudem ab der Saison 2019/20 von 20 auf 18 Teams reduziert. Um dies zu erreichen, steigen in den kommenden beiden Spielzeiten vier beziehungsweise fünf Teams aus der zweiten Liga ab.

sid | Stand: 06.07.2017, 13:34

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