Die Favoriten für den Super Bowl 2016

Vor dem Conference-Finale der NFL

Die Favoriten für den Super Bowl 2016

Von Erik Gläsel

Vier Mannschaften kämpfen in der Nacht von Sonntag auf Montag (24. und 25. Januar) um die Teilnahme am 50. Super Bowl, der dieses Jahr in Santa Clara in Kalifornien ausgetragen wird. sportschau.de zeigt, wer die besseren Chancen hat.

Das Conference-Finale der NFC:
Carolina Panthers - Arizona Cardinals

Cam Newton mit Carolina auf dem Weg in Richtung Super Bowl 50

Cam Newton mit Carolina auf dem Weg in Richtung Super Bowl 50.

Was für die Carolina Panthers spricht:
Das auf dem Papier beste Team dieser Saison ist das spielstärkste. Quarterback Cam Newton, dem wohl jetzt schon der Titel als wertvollster Spieler sicher ist, stehen fähige Passempfänger wie Tight End Greg Olsen und die Wide Receiver Devin Funchess und Ted Ginn zur Verfügung. Beim Laufspiel übergibt Newton gerne an Jonathan Steward, falls er es nicht selbst in die Hand nimmt. Carolina ist stets in der Lage zu punkten. Mit ihrer nachgewiesenen Durchschlagskraft und der Euphorie im Team haben die Panthers gute Chancen, Champion 2016 zu werden.

Was gegen die Carolina Panthers spricht:
Die zweite Hälfte des Spiels der Divisional-Runde gegen die Seattle Seahawks (31:24) offenbarte den wohl größten Schwachpunkt der Mannschaft. Trotz der 31-Punkte-Führung zur Halbzeit wurde es gegen Ende noch sehr spannend. Die Defensive agierte zu passiv, die Offensive zu fahrig. Zu früh wähnte sich Carolina als Sieger. Dazu kommt: Wenn man das Laufspiel unterbinden kann und Cam Newton permanent unter Druck setzt, kann man die Panthers ins Wanken bringen. In der 16. Woche haben die Atlanta Falcons mit ihrem 20:13-Sieg gezeigt, dass auch Carolina verwundbar ist.

Larry Fitzgerald (r.) freut sich mit John Brown über dessen Touchdown

Larry Fitzgerald (r.) freut sich mit John Brown über dessen Touchdown.

Was für die Arizona Cardinals spricht:
Auch bei den Cardinals steht der Quarterback im Mittelpunkt. Carson Palmer blieb in der Regular Season endlich einmal ohne Verletzung und spielte in der Form seines Lebens. Auch Wide Receiver Larry Fitzgerald durchlebt mit 33 Jahren einen zweiten Frühling und zieht den jungen John Brown mit, der sich viel abschaut. Bei den Cardinals stimmt in diesem Jahr die Chemie im Team. Sowohl die Offensive als auch die Defensive gehören zu den Top 5 der Liga, die Balance stimmt. In Arizona wartet man seit 1947 auf den ganz großen Erfolg, und selten waren die Voraussetzungen so gut wie heute.

Was gegen die Arizona Cardinals spricht:
Carson Palmer wirkte gegen die Packers streckenweise nervös und hätte auch mit vier oder fünf Picks (Fehlpässe, die zum Turnover führen) als Verlierer vom Feld gehen können. Grund: Palmer hatte bis dahin noch kein Playoff-Spiel gewonnen. Er muss alson noch seine Nerven in den Griff bekommen. Ein nicht unbeträchtlicher Faktor ist zudem die lange Reise (etwa 3000 Kilometer) zum Auswärtsspiel nach Charlotte.

Sportschau.de-Tipp: Cam Newton strahlt enorm viel Souveränität aus und hat schon zahlreiche Titel gewonnen. Den Cardinals hilft nur eine geschlossene Mannschaftsleistung. Unmöglich ist die nicht, wir glauben aber dennoch an die Panthers.

Das Conference-Finale der AFC:
Denver Broncos - New England Patriots

Antonio Smiths Freudentanz, nachdem er im letzten Spiel Ben Rothlisberger niederringen konnte

Antonio Smiths Freudentanz, nachdem er im letzten Spiel Ben Rothlisberger niederringen konnte.

Was für die Denver Broncos spricht:
Denvers Defensiv Tackle Antonio Smith hat Quarterback Tom Brady von den New England Patriots in dieser Woche als weinerlich bezeichnet. Sein Kollege Von Miller beschreibt die eigene Defense-Line gleichzeitig als "kampferprobt und stark, wenn es darauf ankommt“. Mit solchen Aussagen lässt man in Denver den stärksten Muskel spielen - die Abwehr. Drei Viertel aller Spiele wurden mit sieben oder weniger Punkten Unterschied entschieden und meist gewonnen. Ausschlaggebend waren die zahlreichen vereitelten dritte Versuche der Gegner und provozierte Turnover in den letzten Minuten. In Denver kann man sich auf die Abwehrarbeit verlassen. Der Teamgeist ist enorm ausgeprägt, das Lauf- und Passspiel ausgewogen. Über Erfolg und Scheitern wird aber wohl eine andere Person entscheiden, die Punkte liefern muss.

Was gegen die Denver Broncos spricht:
Peyton Manning. Zwar hat der Quarterback im Viertelfinale gegen die Pittsburgh Steelers gezeigt, dass er fit ist und wie so oft in den Playoffs seine Qualitäten abrufen kann, dennoch bleibt ein dickes Fragezeichen hinter der Beständigkeit des jetzt schon legendären Spielmachers. Seine Verletzungsanfälligkeit kann Denver jederzeit das Genick brechen. Ersatzmann Brock Osweiler ist dem Playoff-Druck noch nicht gewachsen. Trumpft Manning aber auf, können die Broncos die New England Patriots zum zweiten Mal in dieser Saison schlagen.

Offensive wieder komplett: (v.l.) Rob Gronkowski, Danny Amendola, Tom Brady und Julian Edelman

Offensive wieder komplett: (v.l.) Rob Gronkowski, Danny Amendola, Tom Brady und Julian Edelman.

Was für die New England Patriots spricht: Das Lazarett lichtet sich, die Offensive ist fast vollständig genesen. Bei kurzen Pässen über 15 bis 20 Yards sind die Patriots von keiner Defensive zu stoppen. Was die Amerikaner „Spread and Shred“ nennen, sinngemäß ausschwärmen und zerfetzen, beschreibt genau, was auf dem Feld vor sich geht, wenn Tom Brady, Rob Gronkowski, Julian Edelman und Co. an die Arbeit gehen. Und sogar auf der Position des Running Backs ist man in Boston nun bestens besetzt, nachdem zum Ende der Regular Season Routinier Steven Jackson (32 Jahre, 68 Touchdowns in seiner Karriere) verpflichtet wurde. Dazu kommt die Abgeklärtheit von Quarterback Brady, der mit mittlerweile vier Super-Bowl-Ringen oft genug unter Beweis gestellt hat, dass er es kann. Rechtzeitig zum Saisonfinale befindet der Titelverteidiger endgültig auf Augenhöhe mit dem Favoriten aus Carolina.

Was gegen die New England Patriots spricht: Erst die spielfreie Bye-Week in der Wild-Card-Woche, dann das vermeintlich einfache Heimspiel gegen die Kansas City Chiefs im Viertelfinale. Es ist schwer einzuschätzen, ob die Patriots wirklich so stark sind, wie es nach der Divisional Round scheint. Die Chiefs sind nun mal keine Broncos oder Panthers. Ob alle ehemaligen Langzeitverletzten gegen die enorm starke Bronco-Defensive wirkungsvolle Trümpfe sind, ist wahrscheinlich, aber nicht garantiert. Zudem ist die Saison für den wichtigen Linebacker Jerod Mayo verletzungsbedingt schon zu Ende. Damit fehlt ein wichtiger Baustein in der Abwehr der Patriots, die ohnehin die schwächste Verteidigung aller verbleibenden Teams haben. Hier sind die Patriots verwundbar. Und sie müssen auch mit dem Wind und Wetter im hochgelegenen Denver zurechtkommen.

Sportschau.de-Tipp: Es wird ein Duell auf des Messers Schneide: Denver-Defensive oder die Patriots-Offensive? Das 17. Quarterback-Duell zwischen Brady und Manning wird unserer Meinung nach Brady knapp zu seinen Gunsten entscheiden und die Patriots in den Super Bowl bringen.

Stand: 22.01.2016, 08:48

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