NFL-Spieler protestieren erneut gegen Trump

3. Spieltag

NFL-Spieler protestieren erneut gegen Trump

Mehr als 150 Spieler aus der National Football League (NFL) sind während der US-Nationalhymne erneut auf die Knie gegangen oder sitzen geblieben - aus Protest gegen den Präsidenten.

Sie reagierten damit am Sonntag (24.09.2017) auf Donald Trumps Aussage vom Freitag, dass Spieler, die keinen Respekt vor der amerikanischen Flagge zeigen und während der Nationalhymne nicht stehen, entlassen werden sollten.

Spieler halten einander an den Händen

Tampa Bay Buccaneers Wide Receiver Mike Evans (13) and DeSean Jackson

Mike Evans und DeSean Jackson (Tampa Bay Buccaneers)

Einer der größten Proteste fand in Washington beim Spiel der Redskins gegen die Oakland Raiders statt, als fast die gesamte Mannschaft der Raiders sich hinkniete. In Foxborough knieten 15 Spieler der New England Patriots am Boden; andere, darunter Superstar Tom Brady, schlossen sich Arm in Arm stehend zusammen.

In anderen Stadien reckten mehrere afroamerikanische Spieler die Faust hoch wie beim berühmten Black-Power-Gruß der US-Sprinter Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968. In Detroit kniete der Sänger der Nationalhymne, Rico LaVelle, zum Ende der Darbietung, ebenso mindestens acht Spieler der Detroit Lions.

Pittsburgh und Seattle bleiben aus Protest in der Kabine

Die Profis der Pittsburgh Steelers entschieden sich dafür, während der Nationalhymne geschlossen in der Umkleidekabine zu bleiben. Trainer Mike Tomlin erklärte, dass seine Spieler diese Entscheidung nicht trafen, "um Respektlosigkeit gegenüber der Nationalhymne zu zeigen, sondern um uns von dem ganzen Sachverhalt zu distanzieren. Leute sollten nicht vor die Wahl gestellt werden." Auch die Seattle Seahawks blieben vor der Partie bei den Tennessee Titans in der Kabine. Anschließend betrat man in Vierergruppen das Stadion, um Zusammenhalt zu zeigen.

Solidarität auch von Vereinseignern

Auch Vereinspräsidenten zeigten sich solidarisch. Der Chef der New England Patriots, Robert Kraft, äußerte sich "tief enttäuscht" vom Ton Trumps. Der Eigentümer der Miami Dolphins, Stephen Ross, sagte, er kenne seine Spieler als "junge intelligente Männer mit Charakter", die "einen Dialog beginnen wollten".

"Erfinder" der Protest-Geste ist der einstige Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, der im vergangenen Jahr während der US-Hymne auf die Knie ging, um gegen die Polizeigewalt gegen Minderheiten in den USA zu protestieren. Aktuell ist Kaepernick vereinslos.

Auch Basketball-Legende Michael Jordan stellt sich gegen Trump

Der Protest hat längst andere Sportarten erreicht. Auch Basketball-Legende Michael Jordan stellte sich gegen Trump. "Eines der Grundrechte, auf die sich dieses Land stützt, ist die Redefreiheit. Wir haben eine lange Tradition des gewaltlosen, friedlichen Protests", sagte er der Zeitung "Charlotte Observer". "Wer das Recht nutzt, sich friedlich auszudrücken, darf nicht dämonisiert oder geächtet werden", so Jordan weiter. Trump hatte die Golden State Warriors vom traditionellen Besuch des Meisters im Weißen Haus ausgeladen, nachdem deren Superstar Stephen Curry ihn kritisiert hatte.

Baseballspieler kniet, Eishockey-Champion will ins Weiße Haus

Als erster Spieler der Baseball-Profiliga MLB hatte Bruce Maxwell von den Oakland Athletics am Samstag während der Hymne gekniet. Es wird damit gerechnet, dass weitere Profis dem Vorbild folgen dürften.

Bruce Maxwell kneit aus Protest gegen Donald Trump und Gewalt gegenüber Schwarzen

Bruce Maxwell von den Oakland Athletics

Das Eishockey-Team Pittsburgh Penguins will die Einladung ins Weiße Haus trotz der Proteste annehmen. "Die Pittsburgh Penguins respektieren das Amt des Präsidenten", teilte der Stanley-Cup-Gewinner in einer Stellungnahme mit. "Jede Zustimmung oder Ablehnung in Zusammenhang mit der Politik des Präsidenten kann auf anderem Weg gezeigt werden", hieß es weiter. In der NHL sind kaum Afro-Amerikaner beschäftigt.

Kansas City Chiefs und und Atlanta Falcons mit makelloser Bilanz

Football gespielt wurde übrigens auch. Die Kansas City Chiefs setzten sich mit 24:10 gegen die Los Angeles Chargers durch und haben nach drei Spielen drei Siege auf dem Konto. Auch die Atlanta Falcons fuhren beim 30:26 gegen die Detroit Lions den dritten Sieg ein. Die Denver Broncos haben derweil ihre erste Niederlage kassiert. Das Team des deutschen Linebackers Kasim Edebali verlor bei den Buffalo Bills 16:26.

Zweiter Sieg für die Patriots

Spannender und spektakulärer ging es in Foxborough zu, wo Titelverteidiger New England Patriots den zweiten Sieg in Folge verbuchte. Das Team um Quarterback Tom Brady gewann gegen die Houston Texans 36:33. Den entscheidenden Touchdown erzielte Brandin Cooks 23 Sekunden vor Spielende nach einem 25-Yard-Pass von Brady, der insgesamt auf fünf Touchdown-Pässe kam.

sid/dpa | Stand: 25.09.2017, 10:47

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