Die Kansas City Chiefs auf der Überholspur

Cornerback Marcus Peters fängt im Spiel gegen die Houston Texans einen Ball ab

Vor dem Viertelfinale in der National Football League

Die Kansas City Chiefs auf der Überholspur

Von Benedikt Brinsa

Die Kansas City Chiefs sind das Überraschungsteam der NFL-Saison. Dank einer starken Defensive und einer beeindruckenden Siegesserie lebt der Traum vom Super Bowl. Ein Rookie kann dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Es ist das erste Spiel der NFL-Playoffs 2016. In der Wild-Card Round ist Kansas City zu Gast bei den Houston Texans. Nach dem Eröffnungs-Kick fängt KC´s Knile Davis das Ei und marschiert 106 Yards in die Endzone: Touchdown nach elf Sekunden! Der zweitlängste Lauf der Playoff-Geschichte und der Anfang eines unglaublichen 30:0-Erfolgs.

"Ich bin so glücklich, dass wir das endlich geschafft haben", freute sich Quarterback Alex Smith nach dem ersten Playoff-Erfolg der Chiefs seit 22 Jahren. "Offensive und Defensive haben heute richtig geliefert", fügte Trainer Andy Reid hinzu. Die Chiefs haben sich nicht erst seit diesem Spiel zu einem Geheimfavoriten für den 50. Super Bowl gemausert.

Schon die Hauptrunde verlief gleichermaßen kurios wie furios: Nach einem 1:5-Fehlstart gewann das Team die restlichen zehn Partien. Den Ausfall von Running Back Jamaal Charles, dem Star der Mannschaft, verkraftete man erstaunlich gut und schloss die AFC West hinter den Denver Broncos auf dem zweiten Platz ab.

Peters, der Interception-König

Der Schlüssel des Erfolgs liegt in der starken Defensive. Hinter Seattle und Cincinnati stellt KC die drittbeste Abwehr der Liga. Das besondere Geheimnis: die Umschaltbewegung. Acht Touchdowns gelangen aus der Verteidigung heraus. Zwei davon erzielte Rookie Marcus Peters. Der 23-jährige Cornerback führt mit acht Interceptions (abgefangene Würfe) die Bestenliste der NFL an und verriet nach dem Sieg in Houston das Geheimnis der Mannschaft: "Wir spielen eine ganz besondere Art von Team-Football, die uns der Coach beigebracht hat. Wir glauben an uns."

Peters ist geschaffen für die Position an der Außenlinie: Er ist physisch stark, kann das Spiel lesen und hat ein unglaubliches Gefühl für den Raum, ohne dabei Quarterback und Passempfänger aus den Augen zu verlieren. Und er hatte einen Traumstart in der NFL: Gleich bei seinem Debüt in dieser Saison fing er einen Pass von Houstons Quarterback Brian Hoyer ab. Vier Tage später unterband er ein Zuspiel des großen Peyton Manning (Denver Broncos) und trug den Ball zum Touchdown in die Endzone.

Peters, dessen Mentor Seattles Marshawn Lynch ist, wurde beim Draft vor der Saison in der ersten Runde ausgewählt. Eine Personalie mit Risiko, denn nach einem Trainingsstreit mit einem Coach flog er im November 2014 aus seinem College-Team. "Ich habe mich gebessert und aus meinen Fehlern gelernt", floskelte er und behielt bisher Recht. Das Risiko von KC hat sich gelohnt: Bei vielen Experten steht er nun ganz oben auf der Liste zum "Rookie of the Year".

Solider Quarterback

In der Offensive zieht Quarterback Alex Smith die Fäden. Der 31-Jährige spielt seit 2005 in der NFL: erst für die San Francisco 49ers, seit 2012 für Kansas City. Smith ist keiner für die spektakulären Momente, sondern hat ein gutes Gefühl für die Situation: Er läuft, wenn es sich anbietet, und passt, wenn er eine gute Anspielmöglichkeit sieht. Für ihn steht Sicherheit an erster Stelle. So warf er in dieser Spielzeit zwar nur 20 Touchdown-Pässe, aber eben auch nur sieben Interceptions.

Quarterback Alex Smith im Spiel gegen die Houston Texans

Quarterback Alex Smith im Spiel gegen die Houston Texans

Dazu stellte er mit 312 Pässen ohne Ballverlust in Folge fast einen neuen NFL-Rekord auf. Smith sucht meist Jeremy Maclin, der gegen Houston verletzt ausgewechselt werden musste und dessen Einsatz im weiteren Saisonverlauf fraglich ist, und Tight End Travis Kelce, der mit acht gefangenen Pässen und 128 gelaufenen Yards der beste Offensiv-Spieler der Chiefs am vergangenen Wochenende war.

Nichts ist unmöglich

Gegner in der Runde der letzten Acht (Divisional Round) am Samstag ist nun Titelverteidiger New England mit Superstar Tom Brady. Mit der elf Siege andauernden Erfolgsserie im Rücken ist für die Chiefs aber ebenso der Durchmarsch in den Super Bowl nach Santa Clara (Kalifornien) denkbar und möglich. Auch weil sie wissen, wie man die Patriots schlägt: Angeführt von einem überragenden Smith wiesen sie Brady und Co. in der vergangenen Saison mit 41:14 in die Schranken.

"Das war damals", dämpfte der erfahrene Reid, der 2004 mit Philadelphia im Super Bowl den Patriots unterlag, aufgrund der mangelnden Erfahrung vorsorglich die Erwartungen. "Diesmal sind ein paar Spieler dabei, die damals noch vor dem Fernseher saßen." Einer von ihnen ist aber auch Marcus Peters. Tom Brady fehlt ihm noch in seiner Interception-Sammlung. Aber auch ein Touchdown nach elf Sekunden würde den Chiefs sicherlich ganz gut gefallen.

Stand: 15.01.2016, 08:30

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