Warum Manning besser aufhören sollte

Superbowl-Champion Peyton Manning

Broncos-Quarterback hat mit dem Super Bowl ein Happy End

Warum Manning besser aufhören sollte

Von Christian Hornung

Die Karriere des Peyton Manning galt trotz vieler NFL-Rekorde bis zuletzt als "Unvollendete" - weil nur ein Titel für die Riege der Allergrößten eben doch nicht reicht. Jetzt könnte der Broncos-Quarterback als Champion abtreten. Und das wäre auch gut so, nicht nur für den Familienfrieden.

Die TV-Regisseure in den USA haben ja ein Händchen für diese persönlichen Storys, die ein Sportereignis wie den Super Bowl 50 erst zu einem echten Drama machen. Also zoomten sie immer wieder "close" an Cam Newton heran, den forschen und aufstrebenden Spielmacher der favorisierten Panthers, der von der gnadenlosen Denver-Defense derart zermürbt wurde, dass er am Ende der Partie Tränen in den Augen hatte.

Hoher Kraftaufwand der Defense

Die Kameras holten auch immer ganz dicht den weißhaarigen Wade Phillips ins Blickfeld, der Architekten dieser Abwehr, die zu den Besten der NFL-Historie gehört. Der Defensive Coordinator der Broncos musste eine Formation bilden, die neben der Konzentration und taktischen Disziplin die Kraft und Kondition hat, auch über enorme Zeitspannen Höchstleistung zu zeigen. Denn ihr eigener Quarterback schafft es nicht (mehr), seine Offense allzulange auf dem Feld zu halten.

Dann zoomten die Linsen auch immer wieder in die Loge der Familie Manning. Und sie hielten genau den Moment fest, in dem sich die Panthers am Ende quasi ergaben, in dem also feststand, dass Peyton Manning seinen zweiten Ring gewinnen - und damit mit seinem kleinen Bruder gleichziehen würde.

Eli Manning wie versteinert

Elisha Nelson Manning, genannt "Eli", mit 35 vier Jahre jünger als Peyton, hat nämlich schon zwei dieser fetten Ringe. Er gewann den Super Bowl XLII und XLVI jeweils mit den New York Giants und wurde in beiden Endspielen zum wertvollsten Spieler gekürt.

Die Internetgemeinde in der Football-Welt scherzt nun gerade über Eli Manning, weil er in der Sekunde von Peytons Triumph, in der die ganze Familie rund um ihn herum vor Freude aufflippt, ein ziemlich versteinertes Gesicht macht. So, als er hätte er dann doch ganz gern die 2:1-Führung in der Familie Manning behalten.

"Keine emotionale Entscheidung"

Dass Peyton Manning in der kommenden Saison nun sogar den Rückstand in eine Führung verwandeln könnte, ist eher nicht zu erwarten. "Ich will im Moment des Sieges keine emotionale Entscheidung treffen, ob ich weitermache oder nicht", sagte er mit der Vince-Lomardi-Trophäe in der Hand. Sein mit 19 Millionen Dollar dotierter Vertrag liefe noch ein Jahr, doch die meisten in den USA rechnen mit seinem Abschied.

Dass er nach der Saison 2015 überhaupt das große Finale erreichte, grenzte schon an ein Wunder. Mit nur neun Touchdowns (2014 waren es noch 39) und 17 Interceptions war seine Bilanz so schrecklich, dass er zwischenzeitlich sogar seinen Startplatz bei den Broncos verlor. In den Playoffs durfte er zwar wieder ran, schaffte aber insgesamt nur zwei Touchdowns.

Solide und klug gespielt

Im Finale spielte er immerhin solide, riskierte nach der frühen Führung wenig und verließ sich voll auf seine Defense. Das war klug und zeigte Größe. Er versuchte erst gar nicht, mit einem Spektakel abzutreten, mit Mega-Pässen oder sogar eigenen Läufen, die sein Kontrahent Cam Newton so gern zelebriert. Peyton Manning förderte die Stärke seiner Mannschaft. Der MVP-Titel ging dann auch nicht an ihn, sondern den Defense-Star Von Miller.

Vielleicht ist das ein Zeichen, das Peyton Manning aufnimmt: Noch so ein Jahr wird seine Abwehr kaum schaffen können. Und für den Familienfrieden wäre es vielleicht auch besser, wenn es beim 2:2 zwischen ihm und Bruder Eli bleibt.

Stand: 08.02.2016, 16:26

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