Das Problem der Haie mit Niklas Sundblad

Niklas Sundblad bei einer Ansprache vor seinen Spielern

DEL-Verein entlässt Trainer

Das Problem der Haie mit Niklas Sundblad

Von Florian Meißner

Die Kölner Haie haben ihren Trainer Niklas Sundblad entlassen. Die Haie-Legende Udo Kießling sieht verfehlte Personalpolitik und mangelnde Leidenschaft als Ursache der Krise beim KEC.

Das Auftreten der Führung der Kölner Haie wirkt derzeit ähnlich konfus wie die Leistungen der Mannschaft auf dem Eis. Nach zahlreichen mangelhaften Leistungen des KEC hieß es vor dem Derby-Wochenende mit Spielen gegen Düsseldorf und Krefeld zunächst, die Mannschaft müsse das Ruder herumreißen. Das Wort "Ultimatum" machte die Runde. Der Auswärtssieg in Düsseldorf (3:0) machte Hoffnung, doch beim 3:4 gegen die Krefelder Pinguine auf eigenem Eis enttäuschte die Mannschaft erneut.

Gesellschafter Frank Gotthardt sagte aber nach der Partie, man wolle in dieser Woche keine Diskussion über den Trainer führen - um selbigen drei Tage später zu entlassen. Haie-Geschäftsführer Peter Schönberger sagte im Gespräch mit WDR.de: "Das eine ist Stand Sonntag, das andere Stand Mittwoch." Er bezeichnet die Trainerentlassung als Ergebnis eines "ständigen Prozesses", in dessen Verlauf man viele Gespräche mit Spielern und dem Trainerteam geführt habe. Am Ende habe die Erkenntnis gestanden: "Die höchste Wahrscheinlichkeit, unsere Ziele zu erreichen, haben wir mit einem Wechsel des Trainerteams."

Kießling: "Die Kehrtwende wundert mich"

Diese erneute Kehrtwende erstaunt - auch Haie-Legende Udo Kießling: "Es verwundert mich, dass der Trainer erst eine neue Chance bekommt und plötzlich die Kabine räumen muss. Ich frage mich, was da vorgefallen ist." Der 60-Jährige räumt jedoch ein, dass die Auftritte des KEC am vergangenen Wochenende keinen echten Aufwärtstrend erkennen ließen.

"Mein Eindruck von außen ist: Die Mannschaft hat kein Leben. Eishockey ist ein Emotionssport. Wenn ich die Spielerbank beobachte, dann sehe ich da aber keine Emotion, kein Mitfiebern." Insbesondere am Körperspiel mangele es seit Saisonbeginn, kritisiert Kießling: "Die Kölner haben keine unangenehmen Spieler. Sie haben zwar große, starke Jungs, aber das sind alles Teddybären."

Der starke Start verpuffte

Dabei hatte alles so gut angefangen. Nach acht Siegen aus den ersten zehn Spielen sah es so aus, als hätte es sich gelohnt, dass sich die Kölner vor der Saison von älteren Akteuren getrennt und in zahlreiche neue Hochkaräter investiert hatten. Geschäftsführer Schönberger war überzeugt, dass sich das ausgiebige Scouting Sundblads ausgezahlt hatte: "Ich sehe keinen Neuzugang, hinter dem ein Fragezeichen steht. Alle sind bisher voll eingeschlagen", sagte er damals.

Doch dann begann ein Niedergang, der Trainer Sundblad letzlich zum Verhängnis wurde. Seit Mitte Oktober sammelten die Haie in 27 Spielen nur noch 31 Punkte - für eine Mannschaft mit Titelambitionen eine klägliche Bilanz.

"Sundblad hatte eine Luxussituation"

Die konnte auch die Fans nicht zufrieden stellen. Zuletzt gab es immer wieder Pfiffe bei den Heimspielen der Haie. Spricht man mit Anhängern des KEC, dann klingen ihre Interpretationen der zuletzt gesehenen Leistungen auffallend ähnlich. "Es fehlt an Teamgeist und an Kommunikation untereinander. Nicht alle Spieler scheinen mit dem Herzen dabei zu sein", so Marcus Petschke. Haie-Fan Gabriele Bärth: "Man weiß nicht, was intern los ist. Irgendwas läuft da quer!"

Eine der Ursachen für die aktuelle Situation ist für Rekordnationalspieler Kießling das Fehlen einer sportlichen Leitung: "Sundblad hatte vor Saisonbeginn die Möglichkeit, sich eine Mannschaft zusammenzustellen, ohne dass ihm einer hineinredet - eine Luxussituation für den Trainer. Es ist aber auch ein größeres Risiko, wenn eine einzige Person die ganze Verantwortung trägt." Es sei ein Nachteil, wenn niemand mit fachlicher Kompetenz von außen auf die Mannschaft blicken und bei Fehlentwicklungen Einfluss nehmen könne.

Die Entlassung Sundblads ist für Kießling nicht die Lösung aller Probleme. Er sieht nun vor allem die Spieler in der Bringschuld: "Das sind fast alles gestandene, komplette Akteure. Es kann nicht sein, dass man sie jetzt erst noch aufpeppeln muss, damit sie ihre Leistung bringen."  

Stand: 20.01.2016, 18:58

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