Eisbären unter Beobachtung

Luc Robitaille von den Los Angeles Kings

Neue Saison der DEL

Eisbären unter Beobachtung

Von Frank van der Velden

Die Eisbären Berlin profitieren in der neuen DEL-Saison stark von der Zusammenarbeit mit den Los Angeles Kings. Doch die Kooperation hat auch Nachteile.

Neun Abgänge, sieben Zugänge, zwei neue Co-Trainer, Veränderungen in der Führungsetage - und irgendwie plötzlich ganz viele neue Möglichkeiten: Bei keinem anderen Klub aus der deutschen Eishockeyliga war im Sommer so viel los wie bei den Eisbären Berlin. "So viele Wechsel hatten wir selten in der Mannschaft", sagt Kapitän André Rankel. Und der muss es wissen, denn er spielt seit 2003 beim Hauptstadtklub.

Das alles liegt an den Los Angeles Kings. Im Februar hatte der Klub aus der National Hockey League (NHL) die direkte Verantwortung für den sportlichen und wirtschaftlichen Bereich bei den Berlinern übernommen. Beide Vereine gehören dem Unterhaltungskonzern Anschutz Entertainment Group.

Vier Jahre ohne Titel

Und dort waren sie zuletzt nicht zufrieden mit den Eisbären. Der einstige Vorzeigeklub und DEL-Rekordmeister holte 2013 seinen letzten Titel. Die vergangenen vier Spielzeiten verliefen mehr oder weniger enttäuschend. Neuer starker Mann ist der frühere NHL-Star und Weltklassestürmer Luc Robitaille. Der leitet nun den Aufsichtsrat der Berliner.

Und er hat gleich mal die Führungsmannschaft neu sortiert. Der bisherige Co-Trainer Stéphane Richer ist neuer Sportdirektor. Sein Vorgänger Stefan Ustorf übernimmt das Scouting und die Spielerentwicklung. Peter John Lee bleibt Geschäftsführer. Er erklärt das alles so: "Wir haben die sportliche Situation in enger Zusammenarbeit mit den L.A. Kings analysiert. Durch die neue Struktur werden wir noch besser aufgestellt sein und setzen zudem die Stärken der beiden absoluten Eishockeykenner Richer und Ustorf optimal ein."

Vier Assistenten für Krupp

Berlins Trainer Uwe Krupp

Berlins Trainer Uwe Krupp

Die Kooperation mit den Kaliforniern hat zunächst mal jede Menge Vorteile. "Wir kümmern uns darum, alle Ressourcen, die zur Verfügung stehen, an die Eisbären weiterzugeben", erklärt  Robitaille. So können die Berliner jetzt beispielsweise auf die Scouting-Abteilung der Kings zurückgreifen, um neue Spieler zu finden. "In L.A. bekommen wir alle Informationen, die wir benötigen", sagt Ustdorf über die Suche nach Neuzugängen.

Und Chefcoach Uwe Krupp bekommt mit Clément Jodoin und Steffen Ziesche zwei neue Co-Trainer, dazu einen Torwarttrainer und einen Fitnesscoach zur Seite. Der kommt auf Empfehlung der Kings aus den Staaten und soll dafür sorgen, dass verletzte Akteure schneller wieder dabei sind. "Zu viele Spieler haben in den vergangenen Jahren zu viele Spiele verpasst", erklärt Stéphane Richer, der neuerdings auch verletzte Eisbären-Profis zur Behandlung in die Staaten schicken kann.

Gemeinsame Talentsichtung, Reise in die USA

Sean Backman (M.)

Sean Backman (M.) verstärkt die Eisbären

Das ist aber noch nicht alles. Im Sommer gab es gemeinsam mit den Coaches der Kings in Berlin ein "Development Camp", bei dem Talente intensiv trainiert wurden. Und die Eisbären gehen auf große Fahrt: Im Winter wird das Team in Kalifornien trainieren und dort dann auch ein Testspiel gegen Ontario Reign bestreiten, dem Farmteam der Kings. Für den Klub ist es die erste Partie in Nordamerika.

Mit Hilfe der Amerikaner haben die Eisbären auch schon einen neuen Spieler verpflichtet. Stürmer Sean Backman kommt vom Farmteam Ontario. Neu im Team sind auch Martin Buchwieser und Thomas Oppenheimer (beide ERC Ingolstadt), Danny Richmond (Adler Mannheim), Blake Parlett (Tampereen Tappara), Mark Olver (Tucson Roadrunners) und James Sheppard (EHC Kloten).

Große Erwartungen - "Jedes Jahr Meister"

Trainer Uwe Krupp muss bis zum Saisonstart am Freitag (08.09.17) gegen die Nürnberg Ice Tigers "aus der Gruppe eine Mannschaft formen. Es geht jetzt darum, die richtige Mischung zu finden. Ich glaube aber schon, dass wir jetzt mehr Möglichkeiten haben", sagt Krupp.

Die Erwartungen der Kings an das Team und an den gesamten Klub sind enorm groß. "Wir wollen Meister werden - jedes Jahr", sagt Luc Robitaille. Womit wir bei den Nachteilen wären. Denn um das zu schaffen werden die Bosse aus den USA den Verantwortlichen der Eisbären auf die Finger schauen. Die müssen nicht nur regelmäßig Bericht erstatten, sie haben auch an Macht verloren. Er werde letztendlich die Entscheidungen fällen, stellt Robitaille klar: "Es geht darum, Meisterschaften zu gewinnen."

"Keine Entschuldigungen mehr"

Geschäftsführer Peter John Lee

Geschäftsführer Peter John Lee

Und auch auf die Spieler wird das durchschlagen. "Die Spieler wissen, dass die L.A. Kings ein Auge auf uns haben", sagt Peter John Lee. Den größten Druck wird jedoch Trainer Uwe Krupp haben. "Er bekommt von uns viel Unterstützung, um die Mannschaft optimal auf die Spiele vorbereiten zu können", sagt Sportdirektor Richer. Das hört sich erstmal nett an. Streng genommen heißt es aber, dass es im Fall des Misserfolges keinerlei Ausreden gibt.  Wie es dann um die Geduld der Amerikaner bestellt ist, wird sich zeigen. "Entschuldigungen gibt es jetzt für uns alle keine mehr", weiß auch Lee.

Thema in: Deutschlandfunk, Sport aktuell, Freitag, 8. September, 22.50 Uhr

Stand: 07.09.2017, 08:00

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