NHL-Stars wollen nach Europa
Neuer Abschnitt
DFL profitiert vom Lockout in Nordamerika
NHL-Stars wollen nach Europa
Christian Ehrhoff ist bereits da, Dennis Seidenberg, Marcel Goc und Jochen Hecht könnten folgen. Jewgeni Malkin, Ilja Kowaltschuk, Joe Thornton und Jaromir Jagr haben ebenfalls die Flucht aus Nordamerika ergriffen.
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Nach dem Lockout in der NHL zieht es die Eishockey-Stars reihenweise vorübergehend nach Europa. Die Spieler wurden von ihren Arbeitgebern ausgesperrt, weil sich Klubbesitzer und Spieler-Gewerkschaft bislang nicht auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt haben. Die NHL-Saison wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht pünktlich am 11. Oktober beginnen. Wann und ob die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können, ist derzeit offen, obwohl die NHL sich nach 2004/05 eine erneute Absage der gesamten Saison kaum leisten kann.
Aushängeschild für die Liga
Ehrhoff nervt dieser Zustand. "Es ist ein frustrierendes Gefühl", sagte der 30-Jährige. "Wir sind arbeitslos, von der Kommunikation vom Verein abgeschnitten und dürfen das Vereinsgelände nicht mehr betreten." Die Konsequenz für den derzeit wohl besten deutschen Eishockey-Profi ist die Rückkehr in die Heimat gewesen. "Das ist der logische Schritt. Es kann uns niemand verbieten, uns woanders Arbeit zu suchen", sagte Ehrhoff, der bei den Buffalo Sabres in der letzten Saison der bestbezahlte Verteidiger der gesamten NHL war und einen Zehn-Jahres-Vertrag über 40 Millionen Dollar besitzt.
Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) profitiert vorerst. Ehrhoff, der am Dienstag (8.09.12) vorgestellt wurde, geht wohl schon am Freitag gegen die Hamburg Freezers für die Krefeld Pinguine auf das Eis. Mit denen war er 2003 deutscher Meister. Die Liga hat plötzlich ein deutsches Aushängeschild und gewinnt durch den spektakulären Wechsel an Attraktivität. In Verhandlungen mit Adler Mannheim stehen derweil Seidenberg (Boston Bruins), Goc (Florida Panthers) und Hecht, der momentan keinen Klub hat. "Je länger der Lockout dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ich in Mannheim spiele", sagte Seidenberg kürzlich. Er wäre der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger in der DEL.
Weitere Stars im Gespräch
Die Düsseldorfer EG prüft eine Verpflichtung von Ehrhoffs Teamkollegen Alexander Sulzer. Während die hohen Versicherungssummen für die deutschen Spieler, bei Ehrhoff wohl zwischen 30.000 und 35.000 Euro pro Monat, unter Anstrengungen und mit Hilfe von Sponsoren noch gestemmt werden, erscheint ein Wechsel eines großen internationalen Superstars in die DEL dann aber doch utopisch. Zumal die Klubs ungern eine Ausländerlizenz für einen möglicherweise kurzen Zeitraum verschwenden wollen. Seitens der Liga ist bislang auch nichts über eine Ausnahmeregelung bekannt geworden. Einzig Paul Stastny von der Colorado Avalanche, Bruder von DEL-Spieler Yan Stastny, gilt als Kandidat für ein Engagement bei den Nürnberg Ice Tigers.
Thornton (San Jose Sharks) läuft für den HC Davos aus der Schweiz auf, der auch Rick Nash (New York Rangers) holen möchte. Schon vor acht Jahren spielten beide dort zusammen. Malkin (Pittsburgh Penguins), Kowaltschuk (New Jersey Devils) und Verteidiger-Ikone Sergei Gontschar (Ottawa Senators) wechseln in die russische Liga. Weltstar Jagr (Dallas Stars) geht für seinen Heimatklub HC Kladno aufs Eis. Sollte der Tarifstreit nicht absehbar beendet werden, dürfte weitere klangvolle Namen folgen. Auch Pittsburghs Megastar Sidney Crosby verhandelt bereits mit europäischen Klubs.
sid | Stand: 18.09.2012, 13:03