Krupps Handschrift führt Eisbären wieder nach oben

Uwe Krupp (l.) und Eisbären-Spieler Spencer Machacek

Nach drei mageren Jahren der Eisbären Berlin

Krupps Handschrift führt Eisbären wieder nach oben

Jubelfotos dominieren derzeit den Internetauftritt des DEL-Tabellenführers Berliner Eisbären. Maßgeblich dafür verantwortlich ist Trainer Uwe Krupp. Gut ein Jahr nach dem Amtsantritt am 16. Dezember 2014 zählt der einstige Serienmeister wieder zum Kreis der Titelfavoriten.

Nach gut zwei Dritteln der regulären Saison führt der DEL-Rekordmeister mit 69 Punkten die Tabelle an. Zuletzt hatten die Berliner in der Meistersaison 2011/12 so erfolgreich gepunktet. Dann vollzog sich der sportliche Abstieg, der im Dezember 2014 in die Trennung von Coach Jeff Tomlinson mündete. Ein Glücksfall für den Hauptstadtklub, dass der ehemalige Bundestrainer Krupp im Oktober vom Ligakonkurrenten Kölner Haie entlassen worden war und zur Verfügung stand.

Krupps Handschrift ist unübersehbar

Inzwischen ist Krupps Handschrift unübersehbar. "Derzeit zeichnet uns aus, dass wir sehr verantwortlich spielen", erklärt Constantin Braun. Jeder wisse, was er zu tun habe. Seitdem die Stürmer einfacher spielen, treffen sie auch wieder häufiger das Tor. Stürmer Florian Busch hat erkannt, dass die Mannschaft "als Kollektiv zusammengewachsen ist". "Die Jungs halten zusammen, sie haben ein gemeinsames Ziel", drückt es der 50-jährige Krupp direkter aus.

"Die Mannschaft hat Uwes Weg verinnerlicht", lobt Berlins sportlicher Leiter Stefan Ustorf: "Er gibt eine klare Struktur vor." Die Trainingsintensität ist hoch, in der Vorbereitung bat Krupp seine Mannschaft mehrmals täglich aufs Eis. "Die Jungs sind in einer guten Verfassung", bestätigt Ustorf.

Und die Jungs sind selbstbewusster geworden. Denn Krupp versteht es, Teamgeist zu erzeugen. Nach der Deutschland-Cup-Pause Anfang November taten sich die Eisbären schwer, wieder in Tritt zu kommen. Anders als noch in den vergangenen zwei Jahren führten einige Niederlagen aber nicht gleich zur völligen Verunsicherung. „Es ist wieder Vertrauen in die eigene Mannschaft da“, erklärt Kapitän André Rankel den Unterschied, „in den letzten beiden Jahren war uns das irgendwie abhandengekommen.“

Spielerisch einen Riesenschritt gemacht

Auch spielerisch hat das Team einen Riesenschritt gemacht. Vor allem beim Powerplay und Defensivverhalten ist die Entwicklung erkennbar. Umso erstaunlicher, da die Eisbären ihrem Trainer wohl aus finanziellen Zwängen den ganz großen personellen Umbau verwehrten. Diejenigen aber, die neu zum Kader stießen, passen gut in Krupps System. Mit Bruno Gervais und Micki Dupont kamen zwei Routiniers, die die junge Abwehr deutlich stabilisieren. Und Mark Olver hat sich bei den Eisbären zu einem Schlüsselspieler entwickelt.

Der 28-Jährige sei als ein Profi verpflichtet worden, der entscheidende Impulse setzen kann, sagte Trainer Uwe Krupp: "Das ist er nun für uns." Olver gebe der Mannschaft "eine ganz andere Dynamik". Der jüngere Bruder des aktuellen Berliner Topscorers Darin Olver war Ende Oktober zu den Eisbären gewechselt. Sein Start war recht holprig. Doch am Wochenende hatte der Mittelstürmer entscheidenden Anteil daran, dass die Eisbären weiter die Deutsche Eishockey Liga anführen. Erst sorgte er am Freitag in Nürnberg mit dem Ausgleichstreffer dafür, dass die Berliner einen Punkt mit nach Hause nahmen. Am Sonntag beruhigte er mit seinem Tor zum 4:2 gegen Augsburg die Nerven, als den Eisbären ein sicher geglaubter Sieg zu entgleiten drohte.

Berlin ist unberechenbarer geworden

Mit Olver veränderte sich das Gefüge bei den Berlinern, die Reihen wurden umgebaut. Konsequenz: Das Team hat an Tiefe gewonnen, ist unberechenbarer geworden. Wenn sich Krupp jetzt über seine Jungs äußert, schwingt Stolz mit: "Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass diese Mannschaft gut ist."

Wie gut, wird sich vermutlich erst in den Playoffs zeigen. Die dürften die Hauptstädter ziemlich sicher erreichen, obwohl es in der Liga eng zugeht. Aber trotz Tabellenführung will Krupp jetzt keine Parolen ausgeben und als Spitzenreiter ins Play-off einziehen. "Platz sechs würde mir auch reichen", erklärt er. Wichtig sei die direkte Qualifikation für das Viertelfinale. In dem standen die Berliner in den vergangenen beiden Spielzeiten nicht. Wenn es perfekt läuft, könnte es sogar schon in diesem Jahr etwas werden mit dem, was Krupp in seiner Trainerkarriere noch fehlt: einem Titel.

Stand: 13.01.2016, 10:36

Darstellung: