Der Kampf um den DEL-Titel beginnt

Gerrit Fauser von den Grizzlys Wolfsburg

Playoffs in der deutschen Eishockey-Liga

Der Kampf um den DEL-Titel beginnt

Von Jörg Strohschein

Die Hauptrunde der deutschen Eishockey Liga ist Geschichte. Acht Mannschaften kämpfen ab Dienstag (15. März 2016) in den Viertelfinal-Playoff-Partien um den Einzug in die nächste Runde - am Ende winkt der DEL-Titel. sportschau.de stellt die Teams und ihre Chancen vor.

EHC München - Straubing Tigers

Uli Maurer (r.) vom EHC München

Uli Maurer (r.) vom EHC München

Zwei Saisonziele hat der EHC München bereits erreicht, nun soll der dritte Streich folgen. Nach der Qualifikation als Tabellenerster nach der Vorrunde sowie der umgesetzten Teilnahme an der Champions League soll nun die Krönung vollzogen werden: der Gewinn der Meisterschaft. Das ist der hohe Anspruch der Bajuwaren. Doch gegen die Straubing Tigers wird es nicht gerade einfach. "Wenn man sich in einer Serie alle zwei Tage gegenübersteht, zermürbt man sich gegenseitig. Der Cleverere und Coolere kommt weiter“, sagt Stürmer Uli Maurer. Der Klub mit dem größten Etat der DEL, geschätzt 12,5 Millionen Euro, ist sicher einer der größten Favoriten auf den Titel. Die Defensive steht nach anfänglichen Problemen in der Saison äußerst kompakt, im Angriff zählen die Münchner mittlerweile auch zu den effektivsten der Liga. "Diese Welle müssen wir reiten, solange sie rollt", sagt Nationalspieler Frank Maurer.

Rene Röthke (r.) von den Straubing Tigers

Rene Röthke (r.) von den Straubing Tigers

Es ist erst das dritte Mal nach 2012 und 2013, dass die Straubing Tigers überhaupt das Viertelfinale in der DEL erreichen. Mit einem souveränen 2:0 setzte sich das Team von Trainer Larry Mitchell gegen den ERC Ingolstadt durch. "Jeder hängt sich für den anderen rein. Wenn einer einen Fehler macht, versucht der Nebenmann, diesen wieder auszubessern. Viele haben uns heuer schon abgeschrieben, aber wir haben uns zurückgekämpft und uns die aktuelle Situation hart erarbeitet", sagt Stürmer René Röthke. Und unabhängig vom Gegner glaubt Röthke an die Chance des Außenseiters gegen die Münchner. Den die Straubinger wollen auch in diesen Spielen ihre Stärke ausnutzen und über die Geschlossenheit zum Ziel kommen. Darin sieht der Angreifer die Chance der Tigers. "Jetzt ist alles möglich", sagt er voraus.
Prognose: München zieht nicht nur aufgrund des besseren Kaders sicher ins Halbfinale ein.

Eisbären Berlin - Kölner Haie

Uwe Krupp von den Eisbären Berlin

Uwe Krupp von den Eisbären Berlin

Die Eisbären Berlin gehen selbstbewusst in die DEL-Playoffs. Stürmer TJ Mulock sagt: "Das können wir schaffen. Köln ist stark, aber wir sind tiefer besetzt." Gut sei, dass die Haie bis Sonntag hätten spielen müssen. "Ich hoffe, dass sie dementsprechend erschöpft sind." Uwe Krupp, den coolen Trainer der Berliner, dürfte ein Wiedersehen mit seinem Heimatklub emotional wenig anfassen. Statt auf Sentimentalitäten will sich der 50-Jährige vielmehr auf die Stärken seines Teams konzentrieren, das die Vorrunde immerhin als starker Tabellenzweiter beendet hat. Krupp spricht von "einem gewissen Optimismus“ und davon, "mit einem guten Gefühl“ in die Playoffs gehen zu können. Der Unterstützung ihrer Fans können sich die Berliner jedenfalls sicher sein. Mit einem Schnitt von 13.021 Zuschauern führen die Eisbären unangefochten vor den Kölnern, die im Schnitt 1.000 Fans weniger bei ihren Heimpartien hatten.

Cory Clouston von den Kölner Haien

Cory Clouston von den Kölner Haien

Für die Kölner Haie ist es fast ein kleines Wunder, dass sie sich für die Playoffs qualifizierten. Nach einem gruseligen Saisonstart und der Trennung von Trainer Niklas Sundblad haben die Rheinländer doch noch die Kehrtwende geschafft. Cory Clouston hat den Haien wieder neues Leben eingehaucht. Doch der kanadische Coach wollte auch nach dem Erfolg gegen die Adler Mannheim nicht euphorisch sein. Sein Augenmerk galt nach dem vielumjubelten Schlusspfiff in der Kölner Arena direkt dem nächsten Gegner Berlin. "Wir werden uns auf uns konzentrieren und wieder physisch spielen“, sagte der 46-Jährige. Clouston hat aus den Haien wieder eine Mannschaft geformt, die mit Leidenschaft und Siegeswillen spielt. "Es ist Wahnsinn, was er in der kurzen Zeit aus der Mannschaft gemacht hat", lobt Geschäftsführer Peter Schönberger den Coach. "Jetzt sind wir da, wo wir hinwollten."
Prognose: Die Eisbären bestätigen ihre starke Vorrunde und lassen den Kölnern keine Chance.

Iserlohn Roosters - Nürnberg Ice Tigers

Die Bank der Iserlohn Roosters

Die Bank der Iserlohn Roosters

Die Iserlohn Roosters starten erstmals in ihrer Geschichte im dritten Anlauf in Folge mit einem Heimspiel in die Playoffs. Entsprechend groß ist das Selbstvertrauen der Sauerländer, die wohl als größte Überraschung der Saison gelten dürften. "Wir wollen diese Serie gewinnen und haben auch keine Bedenken, dass es keine guten Spiele werden", sagt Trainer Jari Pasanen. Allerdings sind die Nünberger nicht gerade ein Lieblingsgegner. In dieser Saison gelang lediglich ein Sieg gegen die Franken. "Es steht zwar 1:3, aber das ist nur Schall und Rauch", sagt der Trainer. Auch wenn das Team als Außenseiter in die Partie geht, die Roosters sind immer für Überraschungen gut. Denn eine ihrer Stärken ist es, nie aufzugeben, auch wenn die Lage bereits aussichtslos erscheint. Gegen Ingolstadt, Berlin und Schwenningen drehten die Waldstädter jeweils ein 0:3 zum Sieg, gegen Mannheim wurde sogar ein 0:4 egalisiert. Und: Gänzlich unbeeindruckt steckten sie auch die 3:9-Pleite in Nürnberg weg. Das werden die Ice Tigers bei den anstehenden Partien in jedem Fall im Hinterkopf haben.

Patrick Reimer von den Icetigers Nürnberg

Patrick Reimer von den Nürnberg Ice Tigers

Die härteste Kritik kam aus den eigenen Reihen. Der sechste Platz nach der Vorrunde hat Spuren bei den Verantwortlichen der Nürnberg Ice Tigers hinterlassen. Klubchef Thomas Sabo ist jedenfalls überaus unzufrieden mit den bisherigen sportlichen Leistungen des Teams. "Meiner Meinung nach sind wir gegen die Iserlohn Roosters ein krasser Außenseiter. Das hängt vor allem damit zusammen, dass wir hier auf eine Mannschaft treffen, die die ganze Saison leidenschaftlich um ihre Position gekämpft hat. Das ist momentan auch der große Unterschied zu den Ice Tigers", sagt Sabo. Der Etat der Franken dürfte mit 9,5 Millionen Euro in etwa doppelt so hoch sein wie der der Iserlohner. Umso überraschender ist das bisherige Abschneiden der Franken. Immerhin spielt mit Patrick Reimer der frisch gekürte "Spieler und Stürmer des Jahres" bei den Nürnbergern. Mit 64 Scorerpunkten (davon 26 Tore) wurde der 33 Jahre alte Offensivspieler außerdem zum ersten Mal Top-Scorer der DEL. Seine 38 Vorlagen bedeuteten zudem eine neue Karriere-Bestmarke in einer Hauptrunde. Vielleicht kan Reimer seinem Team den entscheidenden Schub gegen Iserlohn verleihen.
Prognose: Die Iserlohner werden sich nach Kräften wehren, aber Reimer schießt die Ice Tigers in die Runde der letzten Vier.

Grizzlys Wolfsburg - Düsseldorfer EG

Gerrit Fauser von den Grizzlys Wolfsburg

Gerrit Fauser von den Grizzlys Wolfsburg

Es ist noch nicht lange her, da sind die Spieler der Grizzlys Wolfsburg gerade noch einmal mit dem Schrecken davongekommen. Ihr Fahrer Friedhelm Hruby erlitt während der Fahrt einen leichten Schlaganfall, woraufhin der Teambus kurzzeitig außer Kontrolle geriet. Die zweite Fahrerin, Marzena Szojda, verhinderte durch ihr blitzschnelles Eingreifen Schlimmeres. Weniger gefährlich soll es für die Niedersachsen gegen die DEG werden. Für Angreifer Gerrit Fauser gibt es einen eindeutigen Grund für seinen Optimismus. "Dass wir daheim anfangen. Es sind zuletzt viele Fans gekommen, das war geil, wir fühlen uns zuhause gut, haben da Sicherheit", sagt Fauser. Jüngst haben die Wolfsburger eine Serie von sieben Heimsiegen in Folge hingelegt.

Christof Kreutzer von der Düsseldorfer EG

Christof Kreutzer von der Düsseldorfer EG

Der Trend spricht derzeit nicht gerade für die Düsseldorfer EG. Nach der Länderspielpause hat die DEG sechs der acht Spiele verloren. Allerdings treffen die Rheinländer auf ein Team auf Augenhöhe. Beide Vereine haben punktgleich die Hauptrunde beendet, die Düsseldorfer haben ein Tor mehr geschossen, die Grizzlys 14 Gegentore weniger kassiert. Im direkten Vergleich steht es 2:2. Jede der beiden Mannschaften hat ein Heim- und ein Auswärtsspiel gewonnen. Dass die Düsseldorfer zuerst auswärts antreten müssen, sieht Christof Kreutzer, der gerade erst zum Trainer des Jahres gekürte DEG-Trainer, allerdings nicht als Nachteil an. "Wir haben auswärts eine gute Bilanz. In den Playoffs kannst du dich nicht darauf verlassen, dass du nur zuhause gewinnst. Ich glaube nicht, dass es für uns sportlich von Nachteil ist", sagt Kreutzer.
Prognose: Die Wolfsburger werden das Duell aufgrund ihrer Heimstärke für sich entscheiden.

Stand: 14.03.2016, 12:05

Straubing Tigers in der Tagespresse

Iserlohn Roosters in der Tagespresse

Nürnberg Ice Tigers in der Tagespresse

Grizzly Adams Wolfsburg in der Tagespresse

Darstellung: