Der Fitness-Boom auf dem Trampolin

Trampolinturner Ben Wilden

Springen zwischen Leistungssport und Freizeitspaß

Der Fitness-Boom auf dem Trampolin

Von Anita Horn

Während die Leistungssportler über fehlenden Nachwuchs klagen, boomt der Trampolinsport in den Fitness-Studios.

Ein Stahlrahmen, alte Gummischläuche und ein Segeltuch waren die Grundlage für das erste Trampolin. Der Amerikaner Goerge Nissen gilt als Erfinder des Trampolins und kam beim Besuch einer Zirkusvorstellung auf die zündende Idee. Er beobachtete Trapezkünstler, die am Ende ihrer Vorstellung noch ein paar Sprünge im Auffangnetz machten. Aus solch einem Netz entwickelte Nissen 1934 einen Prototypen. Nach einigen Auftritten in Mexiko benannte er das Gerät nach dem spanischen Wort "el trampolín" ("das Sprungbrett“). Kurz darauf nutzen Piloten und Fallschirmspringer das Trampolin bereits als Trainingsgerät, um Koordination, Kondition, Gleichgewicht und Orientierungssinn zu trainieren.

Je nachdem, ob man vom Trampolinturnen oder vom Trampolinspringen spricht, sind damit der Leistungssport oder Freizeitspaß gemeint, erklärt Professor Patrick Siegfried vom Deutschen Turnerbund. Als ehemaliger Trampolinturner ist er heute als Kampfrichter für Trampolin-Wettkämpfe im Einsatz.

Trampolinturnen ist eine dem Deutschen Turnerbund angehörige Sportart. Seit den 1960er Jahren gibt es Europa- und Weltmeisterschaften, seit 2000 gehört Trampolinturnen dem internationalen Turnverband an und ist eine der vier olympischen Turndisziplinen.

Wettbewerbe

Im Einzelwettbewerb turnen die Athleten zehn Elemente. Dabei gibt es einen Pflicht- und einen Kürdurchgang, der sich je nach Leistungsstand aus verschiedenen Salti und Sprüngen zusammensetzt. Die acht besten Athleten kommen ins Finale und turnen dann eine freie Kür. Der Einzelwettbewerb ist olympisch. Nicht olympisch ist das Synchron-Trampolinturnen, das jedoch im Rahmen der World Games als Wettbewerb der nicht-olympischen Sportarten ausgetragen wird. Die nächsten World Games finden 2017 in Polen statt.

Es gibt Deutsche Meisterschaften, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und eine Bundesliga, wobei die Mannschaftswettbewerbe mit rein weiblichen und männlichen Teams á vier Athleten ausgetragen werden. Zudem werden deutsche und internationale Hochschulmeisterschaften und seit 2015 auch die Europaspiele ausgetragen.

Als weiteren Wettbewerb – allerdings nicht in Deutschland – und Trainingsdisziplin gibt es das Tumbling. Hier turnen die Athleten auf einer 42 Meter langen Bahn fortlaufend eine ganze Serie von Überschlägen und Salti. Allerdings handelt es sich streng genommen um eine stark federnde Bodenbahn als um ein langes Trampolin.

Nachwuchsprobleme

Professioneller Turnnachwuchs für das Trampolin ist rar. Da die Geräte für Schulen und Vereine oft zu teuer sind, geschulte Betreuer dabei sein müssen und die Hallen oft nicht hoch genug gebaut sind, sinkt die Nachfrage stetig. Dadurch wird weniger in die Ausbildung von Trainer investiert - ein Teufelskreis.

Trampolins als Fitnessgerät im Kommen

Trampolinpark Jump House

Eine steigende Nachfrage gibt es hingegen nach Trampolinen im Freizeitbereich. Jump-Häuser und Fly-Center sprießen seit einiger Zeit regelrecht aus dem Boden. In vielen deutschen Großstädten gibt es bereits spezielle Turnhallen mit zahlreichen Spiel- und Springtrampolinen, Hindernisparcours und ganzen Wandseiten, die federn.

Die Freizeittrampoline unterscheiden sich jedoch deutlich von den Profi-Geräten. Wettkampftrampoline bestehen aus einem Netztuch und Federn, so dass der Athlet bis zu neun Meter hohe Sprünge darauf absolvieren kann. In Freizeitcentern sind die Tücher durchgängig. Man hüpft also auf einem großen, schwarzen Sprungtuch, das von starken Gummizügen auf Spannung gehalten wird und somit weniger stark federt. Ähnlich funktionieren die Trampoline für die immer beliebteren Jumping Fitness-Kurse.

Jumping Fitness

Seit gut 15 Jahren springen Fitnessfans in Jumping-Kursen gemeinsam um die Wette. Angefangen hat der Trend in Tschechien. Vor rund zwei Jahren ist das Training nach Deutschland gekommen und wird immer beliebter. Fitnessstudios rüsten auf, legen sich neue Trampoline zu und bilden Jumping Fitness-Trainer aus.

Pro Kurs finden bis zu 30 Teilnehmer auf je einem Ein-Mann-Trampolin Platz, das aufgebaut ist wie eine Honigwabe mit einem massiven Rahmen. An der Kopfseite ist ein Haltegriff auf Bauchhöhe, der bei der Stabilisierung der ersten Hüpfversuche und später bei der Fixierung und Intensivierung einiger Übungen hilft, erklärt Jumping-Trainer Christian Köhler. Die Geräte können bis zu 200 Kilogramm Körpergewicht tragen - die Belastung noch nicht mitgerechnet. Somit sind Fitnesstrampoline ganz klar kein reines Kinderspielzeug, sondern echter Sport für Erwachsene.

Für Koordination, Konzentration und Gleichgewicht

Der Kurs beginnt stets mit einem Aufwärmprogramm wie lockerem Hüpfen und einfachen Schrittfolgen, gefolgt von kurzen Choreographie-Blöcken. Je nachdem wie intensiv man mitspringt, kann man beim Workout zwischen 700 und 1000 Kalorien pro Stunde verbrauchen, erklärt Jumping Fitness-Trainerin Svenja Kaaf. Zum Abschluss gibt es noch ein Body Toning, also Bauchübungen und Kniebeugen auf dem Trampolin, um das letzte bisschen Energie aus den Muskeln zu kitzeln.

Die Wirkung auf den Körper ist schnell zu merken. Bis auf den Muskelkater nach den ersten paar Einheiten spürt man schnell eine Verbesserung der Kondition und eine Kräftigung der Tiefenmuskulatur, die sich in einer aufrechteren Haltung äußert. Jumping Fitness ist ein Ganzkörpertraining, das durch das nachgebende Sprungtuch schonend für die Gelenke ist. Koordination wird ebenso gefördert wie Konzentration und Gleichgewichtssinn, so Christian Köhler.

Stand: 01.02.2017, 08:45

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