Trailrunning - Rennen über Stock und Stein

Trailrunner

Boomende Sportart abseits aller Wege

Trailrunning - Rennen über Stock und Stein

Von Jürgen Bröker

Schmale Wege über Steine und Wurzeln - das ist das Laufrevier der Trailrunner. Laufen abseits des Asphalts findet in Deutschland immer mehr Anhänger.

Florian Reichert hat das gute Wetter noch schnell genutzt. Laufschuhe an und raus. Laufen. Ausnahmsweise auf Asphalt. Für eine Fahrt raus in den Harz vor den Toren seiner Heimatstadt Göttingen war keine Zeit. Denn eigentlich ist das niedersächsische Mittelgebirge mit seinen schmalen Wegen und steilen Anstiegen sein Laufrevier. Reichert ist passionierter Trailrunner. Und als solcher meidet er Asphalt, so weit es eben geht.

"Beim Trailrunning ist jeder Lauf ein Abenteuer", sagt Reichert. Ein Abenteuer, das ihm in seiner alten Sportart gefehlt hat. Der Lehrer kommt aus der Leichtathletik. In verschiedenen Disziplinen ist er jahrelang über glatte Tartanbahnen gelaufen. Irgendwann hatte er genug davon. "Ich wollte einfach mal etwas Neues ausprobieren", sagt er. Also lief er abseits der vorgegebenen Wege. Es zog ihn in den Wald, später ins Gebirge. Im vergangenen Jahr lief er auf den 13. Platz bei der Berglauf-Weltmeisterschaft.

Konzentration ist gefragt

Trailrunning ist seit einigen Jahren einer der angesagtesten Trends in der Laufszene. Vor allem in den Alpenregionen ist Trailrunning ein populärer Sport. In Österreich gibt es einen eigenen Verband, sogar spezielle Zeitschriften, die sich ganz diesem Thema widmen.

Aber auch in Deutschland gibt es immer mehr organisierte Läufe in Städten, so genannte City-Trails. Zugleich explodieren die Teilnehmerzahlen großer Events. Waren vor gut fünf Jahren beim Zugspitz-Lauf nur einige Hundert Läufer am Start, sind es inzwischen mehr als 2000. "Für den Einsteiger reicht aber auch schon der Wald vor der Haustür", sagt Reichert.

Der Boden ist meist uneben. Matsch, Steine und Wurzeln, Gestrüpp, umgekippte Baumstämme - das ist das Revier des Trailrunners. "Im Gelände ist viel mehr Aufmerksamkeit und Konzentration gefordert", sagt Reichert. Der Fuß landet jedesmal anders. Vor allem die Fußknöchel müssen das ausgleichen. Das beansprucht und stärkt die Muskulatur. Wer sich dann noch ins Gebirge wagt, wird am nächsten Tag die Oberschenkel spüren.

Der Berg ruft

Auch Stephan Repke erinnert sich noch an seine ersten Muskelkater. Der Buchautor und Organisator von Trailrunning-Workshops gilt als Ikone dieser Sportart. Dabei ist er selbst eher zufällig zum Trailrunner geworden. "Ich bin in die Alpen gezogen und da war dieser Berg vor meiner Haustür", sagt der ehemalige Radfahrer. Der Berg habe ihn gerufen. Zunächst ist er langsam hinauf und schnell hinunter marschiert. Anfangs noch mit klobigen Jogging-Schuhen. Erst später hat die Industrie eigenes Material für den neuen Sport entwickelt.

Dabei sind es vor allem auf Outdoor-Sport spezialisierte Firmen, die das Material verkaufen. Repke steht auf dem Standpunkt: Die richtige Ausrüstung ist kein Luxus, sondern notwendig. Im Zweifel sogar fürs Übeleben. Das fängt bei den Schuhen an. Trailrunning-Schuhe haben eine flachere Sohle mit stollenartigem Profil für den richtigen Griff.

Trailrunner

Trailrunner - im Laufschritt durchs Gebüsch

"Wer sich zum Training allein ins Gebirge aufmacht, sollte zudem einen Rucksack mitnehmen“, sagt Repke. Gepackt mit ausreichend Proviant und Wasser, einer Wärmeschutzdecke und natürlich einem aufgeladenen Handy, um im Falle des Falles einen Notruf absetzen zu können. "Da oben, wo wir uns bewegen, kommt am späteren Nachmittag oder Abend niemand mehr vorbei", sagt Repke.

Einstieg im Wald

Einsteiger sollte das nicht abschrecken. Man muss nicht auf Anhieb 1000 Höhenmeter schaffen. Auch Ultradistanzen sind anfangs nicht entscheidend. "Leider ist in vielen Köpfen: Trailrunning gleich Ultralauf. Das ist aber quatsch“, sagt Repke.

Für ihn beginnt der Trail dort, wo Autos nicht mehr fahren können. Sein Motto lautet daher: Geht raus, lauft eine Runde. Und zwar draußen im Wald. „Trailrunning ist die natürliche Art zu laufen“, ist er sich sicher. Schließlich sei der Asphalt für das Rad erfunden worden und nicht für die Füße des Menschen.

Stand: 08.03.2016, 08:00

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