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Sportunterricht - Wie entsteht eigentlich ein Lehrplan?

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Sportunterricht - Wie entsteht eigentlich ein Lehrplan?

Von Frank van der Velden

Was Kinder wann genau im Fach Sport in der Schule lernen, steht im Lernplan. Aber wie entstehen diese Lehrpläne? Und wer entscheidet, was drin steht?

Demnächst wird auf Dr. Heinz Aschebrock wieder viel Arbeit zukommen. "Wir werden in Nordrhein-Westfalen für alle 25 Fächer der Sekundarstufe I des Gymnasiums neue Kernlehrpläne erstellen. Das hat die Schulministerin zuletzt verkündet, einen Kabinettsbeschluss dazu gibt es auch", erklärt er.

Neue Lehrpläne wegen Rückkehr zu G9

Dahinter steckt, dass im bevölkerungsreichsten Bundesland das Abitur wieder nach neun statt nach acht Jahren gemacht wird. Die Umstellung beginnt am 1. August 2019. Bis dahin müssen neue Lehrpläne her. "Wir haben jetzt G8-Lehrpläne, die müssen überarbeitet werden", erklärt Aschebrock: "Das gilt natürlich auch für das Fach Sport."

Aschebrock arbeitet in der Qualitäts- und Unterstützungs-Agentur - Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS NRW). Das eigenständige Landesinstitut mit Sitz in Soest erstellt im Auftrag und in enger Zusammenarbeit mit dem Schulministerium alle Lehrpläne. Die schreibt Aschebrock nicht selbst, doch bei ihm laufen die Fäden zusammen.

"Gute und versierte Sportlehrer"

Doch wie funktioniert das? Wer entscheidet denn, was Schülerinnen und Schüler im Sportunterricht leisten müssen? "Die Lehrpläne werden von guten und versierten Sportlehrkräften geschrieben. Die bringen ihre Erfahrung und ihren sportdidaktischen Hintergrund mit ein", erklärt Aschebrock: "Drei bis fünf Lehrer bilden eine Kommission, der ein Schulaufsichtsbeamter vorsteht. Die entscheidenden Personen sind aber die Lehrkräfte", sagt der Arbeitsbereichsleiter. Diese müssten aus unterschiedlichen Teilen des Landes NRW kommen, und es sollten möglichst Männer und Frauen sein.

Auch Eltern und Schüler dürfen Stellung nehmen

Der erste Entwurf des Lehrplans geht ins Ministerium, wird dort von Fachexperten geprüft und eventuell noch einmal überarbeitet. Danach wird er den "Verbänden des Schulwesens" zugestellt. Das sind unter anderem der Landessportbund, Sportlehrerverbände, Gewerkschaften aber auch Eltern- und Schülerverbände. "Der Entwurf steht dabei öffentlich im Internet, und die Verbände des Schulwesens dürfen dann eine Stellungnahme abgeben", erklärt Aschebrock. Rund 70 solcher Verbände gibt es in Nordrhein-Westfalen.

Intensive Prüfung

Die Stellungnahmen landen dann wieder bei der Lehrplan-Kommission. "Die muss dann jede einzelne sehr intensiv prüfen", erklärt Aschebrock. Sind Stellungnahmen einleuchtend und nachvollziehbar, wird der Lehrplanentwurf geändert. Viel Arbeit also für die Kommission. "Sie muss auch begründen, warum sie einzelnen Vorschlägen nicht nachkommt", erklärt Aschebrock: "Bis zu 30 Stellungnahmen können durchaus eingehen."

Meist geht es dabei um die Inhalte. Dem einen kommt Turnen oder Schwimmen im Lehrplan-Entwurf zu kurz, die anderen vermissen ein bestimmtes Ballspiel oder halten ein anderes für überflüssig.

Rahmenvorgaben müssen eingehalten werden

Aschebrock und sein Team sind auch dafür zuständig, dass die sogenannten Rahmenvorgaben für den Schulsport eingehalten werden. In denen wird das Spektrum an pädagogischen Orientierungen und Bewegungsfeldern und Sportarten für das Fach Sport in NRW insgesamt von der Grundschule bis zur gymnasialen Oberstufe aufgezeigt.

Diese Vorgaben hat die QUA-LiS gemeinsam mit Sportwissenschaftlern erarbeitet. "Das ist die pädagogische Grundorientierung für den Schulsport in NRW. Wir haben also schon eine einvernehmliche Position zwischen Wissenschaft, dem Landessportbund und dem Sportlehrerverband", berichtet Aschebrock: "Wir müssen darauf achten, dass wir keine Lehrpläne machen, die fachdidaktisch nicht mehr zu den Rahmenvorgaben passen."

Zwei Jahre Arbeit

Sind alle Stellungnahmen abgearbeitet und ist alles nochmal geprüft, tritt der Lehrplan in Kraft. "Alles in allem dauert das in der Regel zwei Jahre", sagt Aschebrock. Ein "Haltbarkeitsdatum" hat so ein Lehrplan nicht. Der aktuelle ist von 2011 und damit noch recht jung. "Wenn es eine gesellschaftliche Entwicklung gibt, die einen Lehrplan als nicht mehr zeitgemäß erscheinen lässt, muss er überarbeitet werden", sagt Aschebrock. Beispiel Gesundheit. Steigt also das Bedürfnis der Gesellschaft nach Gesundheit, dann muss sich das auch in den Lehrplänen niederschlagen. Jetzt haben wir die politische Entscheidung zur Rückkehr zu G9, die eine Überarbeitung erforderlich macht.

Kinder nicht überfordern

Der Sport-Lehrplan in NRW ist in weiten Teilen, was zum Beispiel messbare sportliche Leistungen angeht, wenig konkret formuliert. Dahinter steckt, dass die Macher die individuellen Voraussetzungen der Schüler berücksichtigen wollen. "Offene Kompetenzerwartung" nennt sich das. "Im Lehrplan steht zum Beispiel, dass ein Schüler am Ende der Sekundarstufe I 30 Minuten ausdauernd laufen soll. Nicht darin steht, dass er dies in einer bestimmten Zeit schaffen soll", sagt Aschebrock: "Wir erwarten keine Normen, die ein Jugendlicher, der vielleicht ein wenig unsportlich ist, nicht erreichen kann."

Schulen haben großen Spielraum

Wichtig ist auch noch, dass die Schulen bei der konkreten Umsetzung des Sportlehrplans einen großen Handlungsspielraum haben, den sie mit einem sogenannten schulinternen Lehrplan füllen müssen. Dort fallen dann solche Entscheidungen, ob an der Schule eher Handball, Fußball oder Basketball vertieft behandelt werden oder ob auch Akrobatik oder Jonglage zum Thema des Unterrichts gemacht wird.

Stand: 26.11.2017, 22:30

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