Schwerpunkt: Schulsport

Sportvereine zieht es an die Schulen

Schwerpunkt Schulsport: Leichtathletik

Kooperationen im Ganztagsangebot

Sportvereine zieht es an die Schulen

Wenn Kinder den ganzen Tag in der Schule sind, wird die Zeit zum Sporttreiben knapp. Deshalb gehen immer mehr Vereine in die Schule.

Seit etwa drei Jahren gibt es einen leichten Rückgang der Kinder und Jugendlichen, die in Vereinen Sport treiben. Ein Rückgang, der deutlich niedriger ausgefallen ist als noch vor zehn Jahren befürchtet. Mit dem Ausbau des Angebots an Ganztagsschulen und der demografischen Entwicklung sahen einige Experten bereits das Ende des klassischen Sportvereins gekommen.

Doch während die Zahl der Ganztagsschulen von 5.723 im Jahr 2003 auf 17.714 (2015) stieg, ist die Vereinszugehörigkeit keineswegs entsprechend gefallen. Waren 2003 noch 46,9 Prozent aller Kinder und Jugendliche in einem Sportverein, waren es 2015 sogar 51,4 Prozent.

"Der Vereinssport hat es bisher überwiegend geschafft, demografische und infrastrukturelle Bevölkerungsrückgänge zu kompensieren", so Boris Rump, Referent für Bildung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Und auch die Befürchtungen in Bezug auf die Ganztagsschulen haben sich nicht bestätigt.

"Institutionalisierung des Kinder- und Jugendalters"

Mehr als die Hälfte aller Schüler in Deutschland wird mittlerweile in Schulen mit Ganztagsangebot unterrichtet. Der Erziehungswissenschaftler Thomas Rauschenbach spricht von einer "Institutionalisierung des Kinder- und Jugendalters".

Wo früher ein Dreiklang aus Zuhause, Schule und Verein geherrscht habe, würden die Kinder heute "in einem Ausmaß und einer Intensität durch pädagogische Institutionen geprägt, wie das in keiner Generation zuvor denkbar war." Die Folge: Der alte Dreiklang ist passé und die Kinder gehen nicht mehr wie selbstverständlich nach der Schule zum Sport im Verein.

Aus Sportverein wird "Sozialverein mit Sportangebot"

Für die Vereine heißt das, ihren potenziellen Mitgliedern einen Schritt entgegen zu gehen - am besten direkt in die Schule. Der Sport-Club Budokan Maintal in Hessen hat diesen Weg eingeschlagen. Am Anfang habe die Idee gestanden, mit Sport-Arbeitsgemeinschaften in den Schulen die Mitgliederbasis zu vergrößern, erinnert sich Vorstandsmitglied Andreas Toth. Das habe vereinzelt auch geklappt.

Doch viel stärker sei die Wirkung dieses Engagements auf den Verein gewesen. Wie früher nimmt der Sport-Club an Meisterschaften teil, richtet selbst Turniere aus und hat feste Trainingszeiten. Doch mittlerweile beschäftigt der Verein auch 30 Angestellte, hat die Trägerschaft für Kinderbetreuung an mehreren Ganztagsschulen übernommen und arbeitet eng mit der Kommune bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen zusammen. Aus dem Sportverein sei mittlerweile ein "sozial engagierter Verein mit Sportangebot" geworden, so Toth.


Kooperationen in allen Bundesländern

Das Beispiel aus Maintal ist außergewöhnlich, zeigt aber, wie weitgefächert die Möglichkeiten der Kooperation zwischen Schule und Verein sein können. Finanziell und organisatorisch werden die gemeinsamen Projekte in den Bundesländern mit einer Vielzahl von Landesprogrammen unterstützt. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass vor allem im Osten Deutschlands die Vereine stark in das Ganztagsangebot der Schulen eingebunden sind.

Aufseiten der Schulen sind diese Zahlen noch deutlicher - liegen aber nicht für alle Bundesländer vor. In Bayern kooperiert nach Angaben der Landesregierung fast jede dritte Schule mit einem Sportverein. In Sachsen bieten 93 Prozent aller Schulen mit Ganztagsangebot Sportkurse an. Und bei fast allen Schulen erfolgt dies durch externe Kooperationspartner, heißt es im Dresdner Kultusministerium.

Ballsportarten und Schwimmkurse

Die Kooperationen decken meist beliebte Ballsportarten ab - können aber auch Felder besetzen, in denen der klassische Schulsport Lücken aufweist. Etwa dem Schwimmunterricht. In Nordrhein-Westfalen wird das Programm "NRW kann schwimmen!" vom Land gefördert. In den Klassen 3 bis 6 werden dabei Schüler, die noch nicht schwimmen können, in zweiwöchigen Ferienkursen in Kleingruppen unterrichtet. Kooperationspartner des Landes sind dabei der Schwimmverband NRW, die DLRG und das Deutsche Rote Kreuz.

Probleme im Leistungssport

Bei allen positiven Beispielen hat der Ganztag aber auch Nachteile für den Vereinssport. Dies betrifft vor allen Dingen den intensiven Leistungssport, da die notwendigen Trainingsumfänge nur bedingt mit den zeitlichen Anforderungen im Ganztag vereinbar sind – so DOSB-Bildungsreferent Boris Rump.

Stand: 28.11.2017, 08:00

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