Ötztaler Ache - Wassersport als Wirtschaftszweig

Rafting und Canyoning im Ötztal

Ötztaler Ache - Wassersport als Wirtschaftszweig

Von Olaf Jansen

Für die Ötztaler war ihre Ache einst nur eines: ein gefährlicher Fluss. Mittlerweile ist er als Sportmöglichkeit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor - aber auch bedroht.

Erinnert sich Florian Amprosi an seine Kindheit, fällt ihm zum Fluss Ache, der durch seine Heimat im Ötztal fließt, erst einmal nur eines ein: Gefahr! Zahlreich die Fälle von Unglücken, zahlreich die Fälle, in denen vor allem Kinder im reißenden Gebirgsfluss ertrunken waren. "Für uns Kinder im Ötztal war der Fluss immer nur verbotenes Gebiet", erzählt Amprosi, der die Warnung eingetrichtert bekam: "Bleib weg vom Fluss, der ist gefährlich!"

Alpen-Tourismus hat sich gewandelt

Seit rund 30 Jahren allerdings hat die Ache für den Tiroler Geschäftsmann eine ganz andere Bedeutung bekommen: 1984 gründete Amprosis Vater Alois ein Wassersport-Unternehmen, mit dem er den Rafting-Sport nach Österreich brachte. Seither haben sich die Fluss-Events zu einer wichtigen Alternative zum lange etablierten Wandersport entwickelt: Rafting und später weitere Trendsportarten wie Canyoning haben den Sommer-Tourismus in der Region extrem belebt. Und sie haben dafür gesorgt, dass eine eklatante Verschiebung der Marktanteile stattgefunden hat.

Wo einst die Landwirtschaft die einzige Einkommensquelle war und ganze Landstriche von Abwanderungen geprägt waren, hat der Tourismus die Arbeits- und Lebensbedingungen nachhaltig gewandelt. In einer Vielzahl von Berggemeinden ist der Fremdenverkehr der wichtigste Wirtschaftszweig. In vielen Alpen-Gemeinden liegt der Anteil des Fremdenverkehrs an der wirtschaftlichen Gesamtwertschöpfung bei über 80 Prozent.

Gebirgsfluss als Rafting-Hotspot

Die Ache ist neben der ebenfalls in Österreich fließenden Sanna der letzte nicht gestaute Gebirgsfluss in Europa. Wenn ab Mai das schmelzende Wasser der Gletscher aus den Bergen abfließt, wird der - im Winter nur kleine - Bach zum reißenden Fluß. Und zu einer wichtigen Einnahmequelle.

20 Unternehmen im Tal

"Es gibt allein 20 Unternehmen im Tal, die Rafting und Canyoning anbieten", berichtet Amprosi. Ein enormer Wirtschaftsfaktor: Rund 800 der insgesamt etwa 12.000 Ötztaler Einwohner leben vom Sommer-Fluss-Tourismus. "Nach einem starken Boom in den 90er Jahren wurde es um die Jahrtausendwende etwas weniger. Aber seit zehn Jahren etwa haben sich Rafting und Canyoning wieder entwickelt", sagt Amprosi.

Pro Jahr nehmen rund 120.000 Touristen am Rafting teil, 30.000 versuchen sich im Canyoning. Angefangen hat alles Anfang der 80er Jahre mit britischen Extremsportlern, die Rafting für sich entdeckt hatten. Sich mit einem stabilen Schlauchboot reißende Flüsse hinabzustürzen - das machte Spaß.

Ein Großteil der Ötztaler stand dem neuen Trendsport aber zunächst skeptisch gegenüber: Man hatte ja gelernt, sich so weit wie möglich vom Fluss entfernt zu halten. Alois Amprosi aber gründete seine Firma, die Rafting-Touren für jedermann organisierte. Ende der 90er Jahre kam Canyoning hinzu: das abenteurliche Durchqueren der Schluchten von oben nach unten. Sich abseilend, kletternd, springend und rutschend und manchmal sogar tauchend durch das Tal.

Kraftwerkspläne als Gefahr

Umso entsetzter waren die Ötztaler Wassersportler, als vor einigen Jahren die Pläne regionaler Energieunternehmen auftauchten, Wasserkraftwerke am Fluss zu errichten. Mit der Ableitung des benötigten Flußwassers wäre ein Großteil der Sportaktivitäten auf der Ache beendet. "Unsere komplette anspruchsvolle Flußpassage an der Imster Schlucht, die auch für den Profisport genutzt werden kann, wäre mit diesen Plänen zerstört", sagt Amprosi, der mit vielen Gleichgesinnten seither eine Bürgerinitiative organisiert.

Das erste geplante Kraftwerksprojekt des Energieunternehmens konnte wegen eines Formfehlers abgewendet werden, doch es droht aktuell eine zweite Variante. "Auch die betrifft die Imster Schlucht. Aber unsere Initiative wird mittlerweile wahrgenommen und wir suchen Kompromisse. Da geht es zum Beispiel darum, bestimmte Wassermengen nur zu bestimmten Zeiten abzuleiten, damit der Wassersport in den Restzeiten zumindest abgespeckt betrieben werden kann", sagt Amprosi. Die Abenteuersportler werden der Bürgerinitiative die Daumen drücken.

Stand: 13.09.2017, 14:00

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