Hot Yoga - Fitness bei 39 Grad Celsius

Hot Yoga

Schwitzen im Einklang von Körper und Geist

Hot Yoga - Fitness bei 39 Grad Celsius

Von Ramona Haas

90 Minuten, 26 Übungen, 39 Grad Celsius – so lässt sich die Trend-Sportart in Zahlen ausdrücken. Wer Hot Yoga praktiziert, kommt ordentlich ins Schwitzen.

Der indische Yogameister Bikram Choudhury hat den Stil entwickelt. Praktiziert werden Übungen des Hatha-Yoga. Das ist eine traditionelle Yoga-Form, die ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist durch die Kombination von körperlichen Übungen, Atemübungen und Meditation herstellen will. Kleiner aber feiner Unterschied des Hot Yoga zur altbewährten Methode: Die Übungen werden in einem auf rund 39 Grad Celsius aufgeheizten Raum absolviert. Gut und gerne herrschen darin 40 Prozent Luftfeuchtigkeit. Da bedarf es eigentlich keiner Anstrengung mehr, um ins Schwitzen zu geraten.

Kobra, Heuschrecke und Co

Jede Stunde ist nach demselben Prinzip aufgebaut. Die 90-minütigen Einheiten starten mit einer Atemübung - genannt Prayanama-Atmung oder Deep Breathing - zur Steigerung der Lungenkapazität.  Im Anschluss folgt eine Sequenz von 24 Körperübungen, den so genannten Asanas. Bei Halbmond, Kobra, Heuschrecke und Kamel treten dann auch dem fittesten Yogi die Schweißperlen auf die Stirn. Mit einer abschließenden Atemübung, dem Final Breathing, finden die 90 Minuten im Hot Room ihr Ende.

Hot Yoga

"Auch Menschen, die sich als unsportlich bezeichnen, können diesen Stil praktizieren.", sagt Christoph Jäger, der mit seiner Frau ein Studio in Köln betreibt. "Ich selbst war zu Beginn meiner Hot-Yoga-Praxis stark übergewichtig und habe es nicht geschafft, im Stand meinen Fuß zu greifen und das Bein dann gerade nach vorne auszustrecken. Ich war schon froh mein Knie gefasst zu bekommen." Weil Übungen und Abfolge immer gleich bleiben, habe man die Möglichkeit, mit jedem Mal ein Stückchen weiter zu gehen, "den Bauch beim nächsten Mal noch ein bisschen weiter einzuziehen und das Bein ein Stückchen höher zu heben." Ein Garant also für persönliche Erfolgserlebnisse. Und die Ausführung der Übung kann mit jeder Einheit präzisiert und perfektioniert werden, so dass das Training spannend und herausfordernd bleibt.

Diese Hitze ...

Der Begründer des Yoga-Stils sagt: "Will ein Schmied sein Eisen formen, hält er es ins Feuer." Vor der Transformation müsse der Körper aufgeheizt und damit beweglicher gemacht werden. Denn nur ein flexibler Körper könne in eine neue, optimierte Form gebracht werden.

Hot Yoga

Hot Yoga versteht sich als systematisches Ganzkörpertraining, das alle inneren Organe, Venen, Bänder und Muskeln mit einbezieht und zu einem schnellen – so intensiv nur im heißen Raum möglichen - Kraftaufbau verhilft. Die Fettverbrennung wird angekurbelt, die Depots schmelzen, verschwinden bestenfalls ganz oder verteilen sich zumindest auf gern gesehene Art und Weise neu.

Christoph Jäger sagt, das Training sei im Vergleich zu anderen Yogaklassen intensiver. Die gezielte Kombination von Dehnung und Kompression mache das Training zu einem Komplettprogramm, die Wärme es anstrengender: "Das Herz-Kreislauf-System arbeitet auf Hochtouren, da durch das Schwitzen der Körper immer wieder nachkühlt und so auf Trab gehalten wird."

Gesundheitliche Bedenken

Der Sport ist genau deshalb aber nicht unumstritten. Schließlich raten viele Sportmediziner aus gesundheitlichen Gründen davon ab, sich bei solchen Umgebungsbedingungen sportlich zu betätigen.

Hot Yoga

"Wichtig ist hierbei natürlich achtsam mit seinem Körper umzugehen, nicht zu ehrgeizig zu agieren und sich selbst nicht zu überfordern.", sagt Jäger. Er zieht den Vergleich zum Höhentraining. "Auch hier tastet man sich langsam an das Ziel heran, der Körper akklimatisiert Stück für Stück."

Stand: 22.12.2015, 08:30

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