Klitschko kassiert herbe Niederlage

Tyson Fury trifft Wladimir Klitschko (l.)

WM-Kampf im Schwergewicht

Klitschko kassiert herbe Niederlage

Wladimir Klitschko ist nach neuneinhalb Jahren nicht mehr Box-Weltmeister im Schwergewicht. Tyson Fury war in Düsseldorf eine Nummer zu groß für den Ukrainer.

Wladimir Klitschko blutete heftig und er wirkte völlig ratlos: Der Box-Champion aus der Ukraine ist nach neuneinhalb Jahren nicht mehr Weltmeister im Schwergewicht. Der 39-Jährige verlor seine WM-Gürtel der Verbände WBA, WBO und IBF am Samstag (28.11.2015) im Düsseldorfer Fußball-Stadion an seinen Herausforderer Tyson Fury - eine große Überraschung.

Das Votum der Kampfrichter fiel einstimmig zugunsten Furys aus. Der haushohe Favorit Klitschko unterlag nach zwölf Runden nach Punkten (112:115, 112:115, 111:116).

"Tyson war so schnell. Ich habe nicht geglaubt, dass er das schafft. Ich konnte den richtigen Schlüssel einfach nicht finden", sagte Klitschko enttäuscht. Unmittelbar danach kündigte er eine Revanche an. "Auf jeden Fall" werde es einen Rückkampf geben.

Fury zeigte viel Mut

Fury, von den Experten als nahezu chancenlos eingeschätzt, beherrschte den Kampf provozierend lässig und führte den Weltmeister in der Arena vor 45.000 Zuschauern phasenweise vor. Klitschko fand kein Mittel, er setzte kaum Treffer, fand nicht zu seinem Stil. Fury zeigte dagegen Mut, verhöhnte Klitschko mehrfach mit den Händen auf dem Rücken.

"Da ist ein Traum wahr geworden. Sechs Monate habe ich mich darauf vorbereitet. Ich kann es kaum glauben", sagte Fury und sang noch im Ring ein Ständchen für seine Frau.

Klitschko erleidet früh eine Wunde unter dem Auge

Wladimir Klitschko (r.) und Tyson Fury

Wladimir Klitschko (r.) und Tyson Fury

Fury hatte sich vor dem Fight äußerst gekonnt als charmantes, abwechslungsreiches Großmaul inszeniert - aber er ließ seinen Worten Taten folgen. Mit dem ersten Gong stürmte er auf Klitschko zu, wackelte wild hin und her und setzte einige Treffer. Ab Runde 5 hatte Klitschko eine Wunde unter dem Auge. Auf eine Deckung verzichtete Fury komplett.

Tyson Fury ist acht Zentimeter größer, zwölf Jahre jünger und 500 Gramm schwerer als Klitschko - und er hatte sich vorgenommen, all diese Vorteile auszuspielen. Diesen Vorsatz hat er in die Tat umgesetzt. Zuletzt hatte Wladimir Klitschko 2004 gegen Lamon Brewster einen Kampf verloren, seitdem war er unangefochten.

Olympiasieger, Dauer-Weltmeister - die Ära Klitschko in Bildern

Nach der Niederlage gegen Tyson Fury endet die neuneinhalbjährige Titelregentschaft von Wladimir Klitschko. Sehen Sie hier Stationen seiner Karriere vom Amateurboxer zum Olympiasieger und Weltmeister.

Wladimir Klitschko wird 1996 in Atlanta Olympiasieger

In Atlanta beginnt 1996 eine lange und erfolgreiche Karriere. Wladimir Klitschko, damals noch Amateurboxer, besiegt Paea Wolfgramm bei den Olympischen Spielen und gewinnt in der Klasse des Superschwergewichts als erster weißer Boxer seit 30 Jahren die Goldmedaille.

In Atlanta beginnt 1996 eine lange und erfolgreiche Karriere. Wladimir Klitschko, damals noch Amateurboxer, besiegt Paea Wolfgramm bei den Olympischen Spielen und gewinnt in der Klasse des Superschwergewichts als erster weißer Boxer seit 30 Jahren die Goldmedaille.

Seit 1992 gewann der Jüngere der beiden Klitschko-Brüder (hier rechts) vier Mal die ukrainische Meisterschaft im Schwergewicht, eine im Superschwergewicht und wurde zudem Militärweltmeister und Vize-Europameister. Nach 140 kämpfen ist die Amateur-Laufbahn beendet.

Am 16.11.1996 dann das Debüt als Profiboxer. Sein Kontrahent Fabian Meza übersteht nicht einmal die erste von vier Runden. Er sollte nicht der Letzte sein, der gegen den knapp zwei Meter großen Ukrainer nicht über die volle Distanz gehen kann.

Trainer Fritz Sdunek hat viel vor mit dem Mann, der eigentlich hätte Tennisspieler werden sollen - so zumindest der Wunsch der Eltern. Der Schweiß und die harte Arbeit zahlen sich aus. Die folgenden 23 Kämpfe gewinnt Wladimir Klitschko, 20 davon durch KO.

Der erste Titelkampf um das Interkontineltal-Championat der WBC gegen Marcus McIntryre in Stuttgart 1998 bedeutet auch den ersten Titelgewinn für Wladimir Klitschko. Die Verteidigung glückt zwei Mmal, dann gibt es eine faustdicke Überraschung in Kiew.

Der Kampf gegen Ross Puritty 1998 geht mit dem ersten KO seiner Karriere verloren. Fritz Sdunke begründete die Niederlage damit, dass Wladimir an seiner Übermotivation gescheitert sei. Dabei wollte er sich seinen zahlreichen Fans in der ukrainischen Heimat präsentieren. Im Nachhinein betrachtet eine wichtige Lektion auf dem Weg zu späteren Erfolgen.

Nach drei Aufbaukämpfen gewinnt Waldimir Klitschko den Interkontinental-Titel der WBA gegen Joseph Chingangu. Die erste Titelverteidigung dann 1999 gegen die deutsche Schwergewichtshoffnung Axel Schulz, den er in der achten Runde auf die Bretter schickt.

Die erste WBO-Weltmeisterschaft dann Ende 2000 gegen Chris Byrd. Nicht nur sportlich, sondern auch emotional ein Meilenstein der Karriere, nachdem US-Amerikanische Boxexperten den Klitschko-Brüdern jegliche Siegermentalität absprachen. Im Ring stellte er klar: "Erstens: Wir sind keine Weicheier. Zweitens: Ich bin Weltmeister. Drittens: Ich liebe meinen Bruder."

Bis in das Jahr 2003 kann Wladimir Klitschko den Titel halten, dann die schwere Niederlage gegen Corrie Sanders in Hannover. Der KO in der zweiten Runde ist jedoch nicht der Start einer neuerlichen Erfolgsserie.

Gut ein Jahr später sollte er auch gegen Lamon Brewster in Las Vegas das Nachsehen haben. Dem nun 27-jährige Klitschko gelingt nicht der erneute Griff nach dem WBO-Titel, Gerüchte um ein mögliches Karriereende kursieren. Doch so könne er den Ring doch nicht verlassen, zeigte sich Klitschko kämpferisch und sollte Recht behalten.

Im April 2006 holt sich der Koloss durch KO den Titel gegen Chris Byrd zurück um ihn anschließend neuneinhalb Jahre, über 17 Titelkämpfe hinweg zu halten.

Bis zum 28. November 2015. Tyson Fury gewinnt nach Punkten und entthront den Ukrainer. 2003 versprach Wladimir Klitschko stärker denn je zurückzukommen. Nach diesem Kampf versicherte er zumindest noch im Ring stehend direkt, dass es einen Rückkampf geben wird.

sid/dpa/red | Stand: 29.11.2015, 00:48

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