Der steile Aufstieg des Vincent Feigenbutz

Vincent Feigenbutz

WM-Kampf gegen Giovanni De Carolis

Der steile Aufstieg des Vincent Feigenbutz

Er ist der neue Shooting-Star des deutschen Boxens. Bei seinem ersten Profikampf war er gerade mal 16 Jahre alt. In 22 Kämpfen feierte er 21 Siege, 19 endeten vorzeitig, neun Gegner überstanden nicht mal die erste Runde. "K.o.-Prinz" wird er deshalb genannt, er selbst nennt sich "Iron Junior", in Anspielung auf "Iron Mike" Tyson. Die Rede ist von Vincent Feigenbutz.

Der 20-Jährige Karlsruher kann am Samstag (09.01.16) jüngster deutscher Profi-Weltmeister aller Zeiten werden. In Offenburg tritt er im Super-Mittelgewicht gegen den Italiener Giovanni De Carolis an. Falls er gewinnt, ist er WBA-Weltmeister. Und er würde Graciano Rocchigiani als Rekordhalter ablösen, der seinen ersten Titel mit 24 Jahren holte.

"Ein Lebenstraum, mir fehlen die Worte"

Ursprünglich sollte es nur um eine WBA-Interims-WM gehen. Weil Weltmeister Fedor Chudinow aus Russland von der WBA aber zum Super-Champion befördert wurde, ist der Titel vakant. Warum das so ist, weiß niemand so genau, die WBA schweigt sich aus. "Wir haben ein Fax von der WBA erhalten, in dem bestätigt wurde, dass es ein WM Kampf ist", sagt Thomas Schlabe, Sprecher des Sauerland-Boxstalls, bei dem Feigenbutz unter Vertrag steht.

Der freut sich über die unverhoffte Chance. "Das ist eine große Sache, ein Lebenstraum - mir fehlen die Worte. Ich muss das jetzt allerdings bis zum Kampf ausblenden, denn De Carolis wird mir alles abverlangen", sagt er. Das wird er wohl. Gegen De Carolis hatte Feigenbutz schon im vergangenen Oktober geboxt und umstritten nach Punkten gewonnen. Er war dabei sogar zu Boden gegangen.

Großmaul und Draufgänger

Vincent Feigenbutz (r.) und Giovanni de Carolis

Gegen Giovanni de Carolis (l.) musste Feigenbutz viel einstecken

Feigenbutz ist ein Großmaul und ein Draufgänger. Vielleicht muss er das sein in dieser Branche. "Ich mische das Super-Mittelgewicht auf und will alle Titel", sagt er vollmundig. Selbstkritik ist ihm fremd. "Ich war letzte Woche noch krank, hatte eine Grippe. Aber ich hab' ihm tausend Mal in die Fresse geballert, daher habe ich klar gewonnen", sagte Feigenbutz nach dem ersten Kampf gegen De Carolis. "Wenn ich gesund bin, mache ich ihn richtig platt", kündigt er an.

Auch mit seinen Kollegen legt sich Feigenbutz gerne an. "Ich denke mal, ich hau den Arthur Abraham um", sagt er über den aktuellen WBO-Champion, der ebenfalls im Sauerland-Stall unter Vertrag steht. Marco Sturm hält er für "viel zu abgehoben und reich". Sturm habe "es einfach nicht verdient, immer wieder um eine WM zu boxen".

Hoffnungsträger einer ganzen Sportart

Der Sauerland-Boxstall lässt Feigenbutz gewähren. Schließlich sehnen sich die Fans hierzulande nach neuen Helden. Denn die Szene taumelt. Feigenbutz ist ein Hoffnungsträger einer ganzen Sportart und soll das neue Zugpferd werden. Über schlechtes Benehmen sieht man da offenbar hinweg.

Fische fangen in Slowenien

Vincent Feigenbutz (r.) beim Training

Vincent Feigenbutz (r.) beim Training

Legendär sind seine Trainingsmethoden. Vor jedem Kampf reist Feigenbutz zum Überlebenstraining in die slowenischen Berge. Dort besitzt sein Manager und Entdecker Rainer Gottwald ein Hotel. Feigenbutz muss Holz hacken, mit bloßen Händen Fische fangen oder eine Nacht in freier Wildbahn verbringen. Auch zog er schon seinen Trainer in einem Schlitten bei Eiseskälte über die schneebedeckte Hochebene. Das erinnert an die Rocky-Filme mit Sylvester Stallone.

Rocchigiani: "Ein Durchschnittsboxer"

Seinen markigen Sprüchen muss Feigenbutz gegen De Carolis jetzt Taten folgen lassen. Die Szene ist sehr gespannt. "Für mich lag er nach Punkten hinten. Er hat sich durchgeschummelt", sagte Ex-Profi Axel Schulz nach dem ersten Kampf gegen den Italiener. "Er ist noch nicht bereit für große Kämpfe. Er muss noch Erfahrung sammeln", erklärt Arthur Abraham. Und Trainer Ulli Wegner rät: "Lasst ihm besser noch Zeit. Er braucht noch zwei oder drei Jahre". Ex-Weltmeister Graciano Rocchigiani erklärte, Feigenbutz sei "ein Durchschnittsboxer."

Dessen Umfeld reagierte beleidigt. "Wenn weiterhin alle nur auf ihn einprügeln, müssen wir uns überlegen, künftig lieber im Ausland zu boxen. In jedem anderen Land gäbe es einen Hype um so einen Boxer. Nur in Deutschland hackt man gern auf den eigenen Leuten herum", sagte Manager Gottwald.

"Nur Boxen und Angeln"

Außerhalb des Boxens gilt Feigenbutz übrigens als genügsam und ruhig. "Für ihn gibt es nur Boxen und Angeln", sagt sein Manager Gottwald: "Er braucht keine Freundin, das kommt alles später." Und bei den Karlsruher Stadtwerken macht Feigenbutz eine Ausbildung zum Feinmechaniker.

red/dpa/sid | Stand: 07.01.2016, 11:29

Darstellung: