Parabadminton - Schneller Sport im Rollstuhl

Sportart erstmals im Programm der Paralympics

Parabadminton - Schneller Sport im Rollstuhl

Von Jürgen Bröker

Badminton zählt zu den schnellsten Rückschlagsportarten der Welt. Das fasziniert zunehmend auch Menschen mit Handicap. Sie spielen Parabadminton. In Tokio 2020 gehört der Sport erstmals zum Programm der Paralympics.

Marcel Hörenbaum hatte schon als kleiner Junge Spaß am Badminton. Auch wenn er damals noch Federball dazu gesagt hat. Für ihn war es ein Spiel, das er gerne mit seinem Vater im Garten gespielt hat. Mit oder ohne Netz, über eine gespannte Schnur oder einfach so. Er lief den gefiederten Bällen nach, bis er zwölf Jahre alt war. Dann kam der nächste Schub seiner Erbkrankheit.

Hörenbaum hat eine Muskeldystrophie, was bedeutet, dass seine Muskeln schwinden. Seit seinem zwölften Lebensjahr sitzt er daher im Rollstuhl. An seiner Leidenschaft für den Badmintonsport hat das nichts geändert.

"Ich habe mal Rollstuhlbasketball ausprobiert, aber das war nichts für mich", sagt der heute 22-Jährige. Dabei sitzt er in der Halle des TuS Wengern in seinem speziellen Rollstuhl. Die großen Antriebsräder sind schräg gestellt. Vorne und hinten stützen je zwei kleine Räder den Stuhl. "Das ist alles, damit ich beim Spiel nicht umkippen kann“, sagt er.

Integrativer Sport für ganz unterschiedliche Menschen

Nach und nach kommen auch die anderen Spieler. Hörenbaum klatscht Hände ab, kurzer Smalltalk, die anderen gehen zum Warmlaufen. Marcel ist der einzige Rollstuhlfahrer hier. Die anderen Spieler sind Fußgänger. "Das ist das Schöne an diesem Sport. Fußgänger und Rollstuhlfahrer können gemeinsam spielen“, sagt sein Vater Holger Hörenbaum, der für die Sparte Parabadminton beim Deutschen Rollstuhl-Sportverband zuständig ist.

Etwa 30 Vereine bieten diesen Sport deutschlandweit an. Es gibt deutsche und Weltmeisterschaften. Und bei den nächsten Paralympics gehört auch Parabadminton erstmalig zum Programm. Gespielt wird es von Menschen mit ganz unterschiedlichen Handicaps. "Menschen mit einer Arm- oder Beinprothese können Badminton ebenso spielen wie Kleinwüchsige oder Rollstuhlfahrer", sagt Holger Hörenbaum. Wie in anderen paralympischen Sportarten auch werden die Sportler je nach Behinderung in Spiel- und Wettkampfklassen eingeteilt.

Dritter bei den deutschen Meisterschaften

In der Halle des TuS Wengern läuft derweil das Training. Marcel Hörenbaum spielt mit Hartmut Fischer. Der hat ihm den Spitznamen Socke verpasst. Weil der Marcel halt manchmal eine faule Socke sei, sagt Fischer und lacht. Dahinter steckt eine nett gemeinte Stichelei. Denn Hörenbaum trainiert bis zu zehn Stunden in der Woche. Der Lohn: In diesem Jahr holte er sich die Bronzemedaille bei den deutschen Meisterschaften.

Parabadminton funktioniert - wie es der TuS Wengern aus Wetter an der Ruhr vorlebt - ideal als integrativer Sport. Fußgänger und Rollstuhlfahrer können loslegen, ohne dass irgendwelche Umbauten am Feld vorgenommen werden müssen. Auch die Netzhöhe bleibt gleich. "Wichtigste Regeländerung ist, dass die Rollstuhlfahrer nur im halben Einzelfeld spielen. Außerdem ist der Feldteil von der ersten Aufschlaglinie bis zum Netz aus“, sagt Holger Hörenbaum. Ohne diese Einschränkung wäre das Feld in einer der schnellsten Rückschlagsportarten der Welt für die Rollstuhlfahrer zu groß.

Badminton ist für die Rollstuhlfahrer enorm anstrengend. Denn sie müssen mit dem einen Arm den Schläger halten und den Ball treffen, mit dem anderen bewegen sie ihren Rollstuhl. "Das muss man erst mal leisten“, sagt Hörenbaum.

"Fußgänger sollen keine Rücksicht nehmen"

Sein Sohn bewegt sich flink im Rollstuhl. Meist geht es im Spiel vor und zurück. Bei hohen Bällen reckt er sich nach hinten, flach angespielte kratzt er kurz vor der Bodenberührung noch weg. Dabei streckt er sich weit vor. Marcel ist nicht nur Spieler des TuS Wengern. Er gibt Kindern und Jugendlichen auch Training - auch sie sind allesamt Fußgänger.

Seine Tipps sind gefragt. Und auch bei den abschließenden Spielen mischt er immer gerne mit. Denn das Spiel mit den Fußgängern ist eine gute Vorbereitung auf Turniere im Parabadminton. Das sei sehr viel anstrengender, sagt Marcel. "Die Fußgänger nehmen keine Rücksicht“, fügt er an und lacht: "Das sollen sie auch nicht!“

Stand: 08.06.2017, 12:39

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