Greenkeeper und Golfer mit Handicap

Kevin Grube und Helmut Böhmer

Inklusion im Golfsport

Greenkeeper und Golfer mit Handicap

Von Jürgen Bröker

Inklusion im Sport und Inklusion durch Sport - der Universitäts-Golfclub Paderborn lebt diese Maxime vor. Menschen mit Behinderung sind dort im Greenkeeping angestellt und schwingen selbst den Schläger.

Kevin Grube stapft in dicken schwarzen Arbeitsschuhen über den Platz des ehemaligen Gutshofs im Paderborner Süden. Er kommt gerade vom Mähen der Fairways auf dem Golfplatz Haxterhöhe Links. Grube hat Mittagspause. "Ich komme sofort", sagt er und verschwindet kurz im Aufenthaltsraum der Greenkeeper. Wenig später ist er zurück, eine grüne Baseballkappe auf dem Kopf und eine Stulle in der Hand. "So, jetzt können wir quatschen", sagt er und setzt sich.

Der junge Mann erzählt begeistert von seiner Arbeit, den Maschinen, die er noch nicht alle bedienen darf und den Dingen, auf die er achten muss, wenn er die Spielflächen bearbeitet. Bis vor einigen Jahren war er noch in einer Paderborner Werkstatt für Menschen mit Behinderung beschäftigt. "Das war aber nichts für mich. Die Arbeit hier macht mir Spaß“, sagt er. Grube ist beim Universitäts-Golfclub Paderborn angestellt. Er pflegt das Grün, auf dem er selbst regelmäßig trainiert und spielt. Denn er ist Greenkeeper und Golfer. "Ich habe meine Platzreife geschafft“, sagt er. Handicap 48.

Einzigartiges Projekt im Golfsport

Das Paderborner Projekt ist in seiner Art einzigartig. "Wir beschäftigen insgesamt mehr als 20 schwerbehinderte Menschen. Unser Ziel ist es, sie auch an den Golfsport heranzuführen“, sagt Helmut Böhmer. Er ist 1. Vorsitzender und gleichzeitig Geschäftsführer des Universitäts-Golfclubs. Für die Greenkeeper wurden eigens bedienerfreundliche Maschinen wie Schleppmäher angeschafft, die die Arbeit erleichtern. Die Menschen mit Handicap werden nach ihren Fähigkeiten eingesetzt. Sie kümmern sich um die Bunker auf den beiden 18- und 9-Loch-Plätzen. Schneiden Grüns, Fairways und Roughes.

Sebastian Göke

Sebastian Göke an seinem Arbeitsplatz an der Rezeption des Golfclubs.

Andere arbeiten in der Verwaltung, wie Sebastian Göke. Seit zweieinhalb Jahren empfängt er Gäste und Spieler an der Rezeption des Clubs. Seit einer Erkrankung vor sechs Jahren ist sein Gesichtsfeld auf der rechten Seite stark eingeschränkt. Hier hat er einen festen Job und eine neue Leidenschaft gefunden. "Ich bin dabei, meine Platzreife zu machen. Ich hoffe, es klappt noch in diesem Jahr“, sagt der 33-Jährige.

Eigene Rehagolfgruppe

Kevin Grube ist schon weiter. Er hat sogar eine eigene Ausrüstung. "Die habe ich von den Golfern hier geschenkt bekommen. Ich zeig sie mal“, sagt er und steht auf. Der 27-Jährige geht zielstrebig zu einem Unterstand. Kurz darauf präsentiert er eine gut ausgestattete Golftasche. Eisen, Fairwayholz, Putter – alles da und einiges davon in mehrfacher Ausführung. "Ich habe auch einen Handschuh“, sagt Grube und kramt in der Seitentasche des Golfbags.

Das einmalige Konzept des Universitäts-Golfclubs geht auf. Grube und seine Kollegen machen ihre Arbeit und ihren Sport mit Leidenschaft. Und auch der Golfclub profitiert. "Gegen den Trend bei vielen anderen Clubs haben wir einen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen“, sagt Böhmer. Das mag auch daran liegen, dass der Verein tatsächlich offen für alle ist und somit das Thema Inklusion vorlebt.

Der Club hat sogar eine eigene Rehagolf-Gruppe eingerichtet. Hier treffen sich einmal in der Woche Menschen, die von einem Schlaganfall betroffen sind, zum regelmäßigen Training. "Viele von unseren Schlaganfall-Golfern haben vor ihrem Schlaganfall keinen Kontakt zur Sportart Golf gehabt“, sagt Böhmer. Darin liegt ein klarer Vorteil in der Rehabilitation. Die Betroffenen haben keinen Vorher/Nachher-Vergleich. Ihnen wird nicht aufgezeigt, was sie nicht mehr können, sondern sie lernen von Anfang neue Bewegungen. "Außerdem sind die koordinativen Anforderungen in unserem Sport herausfordernd“, sagt Böhmer. Das hilft im Rehabilitationsprozess.

Inklusive Turniere

Kevin Grube

Greenkeeper Kevin Grube bei der Arbeit.

Zusätzlich richtet der Verein regelmäßig inklusive Golfturniere aus. Hier treten Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung und Menschen ohne Handicap mit- und gegeneinander an. "Gemeinsam spielen funktioniert im Golfsport hervorragend“, sagt Böhmer. Auch weil die Vergleichbarkeit der Leistung trotz unterschiedlicher Voraussetzungen nachvollziehbar ist. Möglich mache das die so genannte Stableford-Nettowertung, erklärt Böhmer.

Sieger ist dabei nicht unbedingt der Spieler, der die wenigsten Schläge benötigt. Sondern derjenige, der die wenigsten Schläge in Bezug auf seine Spielstärke benötigt. Ein Beispiel: Spieler A tritt mit Vorgabe -15 gegen Spieler B mit Vorgabe -10 auf einem Par-72-Kurs an. Spieler A benötigt 91 Schläge. Spieler B nur 88. In der Bruttowertung würden Spieler A tatsächlich 91 Schläge angerechnet und Spieler B 88. In der Nettowertung wird die Vorgabe abgezogen, so dass der Spieler A auf 76 Schläge kommt, Spieler B auf 78.

Barrierefreie Anlage

Die Anlage am Haxterpark ist komplett barrierefrei. Deshalb können auch Menschen im Rollstuhl hier problemlos spielen. Für sie gibt es einen speziellen Rollstuhl, der ihnen hilft sich aufzurichten und so im Stehen die Bälle zu schlagen. "Das funktioniert ganz hervorragend“, sagt Böhmer. Inzwischen ist die Mittagspause von Kevin Grube vorbei. Das Brot ist aufgegessen und auch seine Schläger hat er wieder verstaut. "Ich muss wieder an die Arbeit“, sagt er und rückt sich seine Kappe zurecht. Vielleicht schlägt er nach Feierabend noch ein paar Bälle.

Stand: 25.07.2017, 08:00

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