Erdmann/Matysik treten in große Fußstapfen

Jonathan Erdmann (li.), Kay Matysik

Beachvolleyball-WM

Erdmann/Matysik treten in große Fußstapfen

Der Rücktritt der Olympiasieger Brink/Reckermann hinterlässt ein Vakuum im Beachvolleyball. Dies wollen Jonathan Erdmann und Kay Matysik nutzen.

Das beste deutsche Beachvolleyball-Duo hatte es am Dienstag (02.07.13) eilig, beim Auftakt der Weltmeisterschaften im polnischen Stare Jablonki. Ein Gewitter-Tief fegte über das Masuren-Städtchen, mit Wolkenbrüchen und herumfliegenden Ästen. Alles andere als gute Voraussetzungen für den kraftraubenden Sport auf Sand - und wohl auch deshalb machten die deutschen Meister Jonathan Erdmann und Kay Matysik kurzen Prozess mit ihren argentinischen Gegnern Bianchi/Del Coto: Nach gerade einmal 37 Minuten hatten die Berliner ihren ersten Sieg bei der WM in der Tasche. Ein standesgemäßer Auftakt - sind Erdmann/Matysik doch mit dem erklärten Ziel nach Polen gereist, eine Medaille mit nach Hause zu bringen.

Raus aus dem Schatten von Brink/Reckermann

Nach dem Rücktritt des Erfolgs-Duos Julius Brink und Jonas Reckermann liegt der Fokus nun auf Erdmann/Matysik, Deutschlands derzeit beste Beachvolleyballer wollen nun auch bei der WM die großen Spuren im Sand ausfüllen, die die Olympiahelden von London hinterlassen haben. Reckermann hatte aufgrund einer Rückenverletzung seine Laufbahn nach den Londoner Spielen beenden müssen. Brink fehlt bei der neunten Beach-WM wegen einer Oberschenkel-Blessur. "Sie haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Die Namen stehen in Deutschland für Beachvolleyball, das wird so bleiben", sagte der 25 Jahre alte Erdmann zum Erfolgsduo Brink/Reckermann, das nach EM-Gold, WM-Titel und dem großen Coup bei Olympia 2012 zum Leidwesen des deutschen Volleyballs gesprengt worden ist. "Aber jetzt sind wir dran. Wir sind die nationale Nummer eins. Wir werden Stück für Stück in die Rolle schlüpfen", kündigte der 1,94 Meter große Blockspieler selbstbewusst an.

Blick geht schon nach Rio

Seit fünf Jahren baggern die Sportsoldaten schon gemeinsam im Sand. Vizeeuropameister 2011 waren sie schon. Zuletzt beim Grand Slam in Rom holten sie einen fünften Rang in der Weltelite, in der Weltrangliste sind sie Zehnter. In Stare Jablonki haben sich Erdmann und sein acht Jahre älterer Partner Matysik einen Platz auf dem Podium als Ziel gesetzt. "Wir sehen noch viel Potenzial, das wir ausschöpfen können", betonte Erdmann mit klarem Blick auf Rio de Janeiro 2016: "Wir haben noch nicht alles gewonnen."

Finanzielles Wagnis

Nach Rang neun bei Olympia vor einem Jahr hat sich "unser kleines Unternehmen" (Matysik) noch professioneller aufgestellt. In dem Spanier Danny Wood verpflichtet das deutsche Meisterduo von 2012 erstmals einen Vollzeittrainer. Zuvor hatte es sich nur für einige Turniere und Vorbereitungswochen einen Honorarcoach geleistet. "Wir haben uns da weit aus dem Fester gelehnt", verwies der gebürtige Berliner Matysik auf den wichtigen finanziellen Aspekt. Dass die WM mit einem Preisgeld von einer Million Dollar (768 000 Euro) doppelt so hoch wie ein Grand Slam ausgestattet ist, lockt zwar, ist für Erdmann/Matysik aber eher zweitrangig. Das Siegerteam bekommt 60 000 Dollar (46 000 Euro).

"Es reicht eh nicht", scherzte der diplomierte Betriebswirt Matysik mit eher ernstem Hintergrund. Durch Sponsoren, Sporthilfe, Bundeswehr und Verband können Erdmann/Matysik die Saison mit einem Etat von 130 000 Euro bestreiten, erhoffte Preisgelder sind da schon eingerechnet. Im Vergleich mit der Konkurrenz etwa aus Brasilien, den USA und den Niederlanden ist das sehr bescheiden. "Wenn man es gut machen würde, und wir messen uns ja mit anderen, dann bräuchte man 250 000 Euro", meinte Matysik: "Aber wir wollen ja nicht klagen, es macht Spaß." Und mit jedem Sieg in Polen wird es womöglich noch mehr Spaß machen.

dpa/mixa | Stand: 03.07.2013, 08:30