Tigers Tübingen - "Unabsteigbare" in Not

Enttäuschte Tübinger nach einer Niederlage

Basketball-Bundesliga

Tigers Tübingen - "Unabsteigbare" in Not

Von Frank van der Velden

Seit 2004 spielen die Tigers Tübingen in der Basketball-Bundesliga. Jetzt haben die "Unabsteigbaren" den schlechtesten Saisonstart ihrer Geschichte hingelegt. Ein neuer Trainer soll es richten.

Die Tigers aus Tübingen gehören in der Basketball-Bundesliga zum Inventar. Seit 2004 ist das Team aus Schwaben mit dabei, nur Bamberg, Berlin, Bonn, Braunschweig, Frankfurt, Ludwigsburg und Oldenburg sind noch länger in der Liga.

Das ist bemerkenswert, denn Jahr für Jahr geht es für Tübingen ausschließlich um den Klassenerhalt. Doch immer haben es die Tigers geschafft, am Ende über dem Strich zu stehen - und das trotz eines kleinen Etats. So haben sich die Tübinger den Ruf erarbeitet, "unabsteigbar" zu sein.

Elf Spiele, elf Niederlagen

Das könnte sich bald ändern. Nach elf Niederlagen in elf Spielen sind die Tigers Tabellenletzter. Nach der Pleite gegen Aufsteiger Gotha musste Trainer Tyron McCoy seinen Stuhl räumen. "Wir hatten nicht mehr das Gefühl, dass wir in dieser Konstellation den Klassenerhalt erreichen können. Wir benötigen jetzt einen neuen, frischen Impuls auf der Trainerbank", sagt Geschäftsführer Robert Wintermantel.

Trotz der Niederlagenserie fiel dem Ex-Profi die Entscheidung nicht leicht, denn er steht eigentlich wie kein Zweiter in der Branche für Kontinuität. Seit zehn Jahren arbeitet er im Management des Klubs und hatte zuvor noch keinen Trainer entlassen. Auch er kann sich die Krise nicht so recht erklären. "Es läuft nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben", sagt Wintermantel.

Leise Hoffnungen auf Play-off-Platz

Dabei standen die Vorzeichen für den Traditionsverein vor der Saison so gut wie vielleicht noch nie, und nicht wenige in Tübingen träumten von der erstmaligen Play-off-Teilnahme. Die Tigers gingen erstmals überhaupt mit einem Zwölf-Mann-Kader an den Start und blieben in der Vorbereitung weitgehend von Verletzungen verschont.

Die beiden Säulen des Teams, Topscorer Barry Stewart und Spielmacher Jared Jordan, blieben den Gelb-Schwarzen treu. Und der Klub kaufte erfahrene Spieler dazu - wie etwa Ryan Brooks, der in der Bundesliga schon für Gießen, Frankfurt und Bonn auflief. Das alles ist der Lohn für harte Arbeit. Der Klub ist inzwischen schuldenfrei und konnte den Etat Schritt für Schritt auf rund drei Millionen Euro steigern.

Fischer soll es richten

Und dann kam der schlechteste Saisonstart der Bundesliga-Geschichte. Richten soll es nun Mathias Fischer. Der neue Cheftrainer wird das Team erstmals beim Spiel gegen Göttingen am Samstag (09.12.2017) betreuen. Der 46-Jährige kennt sich aus in der Bundesliga. Er trainierte Gießen und Bonn, zuletzt stand er beim polnischen Klub Zgorzelec unter Vertrag und assistierte Bundestrainer Henrik Rödl und der deutschen Nationalmannschaft bei den Qualifikationsspielen für die WM 2019 in China. "Ein erfahrener Trainer, der die BBL kennt", sagt Wintermantel.

Fischer hat das Glück, dass er in Tübingen auf drei Spieler trifft, die er schon kennt. Ryan Brooks und Tigers-Kapitän Jared Jordan spielten in Bonn unter ihm, Jordan war dabei sein verlängerter Arm auf dem Feld. Im Sommer trainierte Fischer als Coach der deutschen A2-Nationalmannschaft bei der Universiade im chinesischen Taipeh City zudem Tübingens Sid-Marlon Theis.

978 Gegenpunkte

Fischers Hauptaufgabe wird die Stärkung der Defensive sein. Die ist mit 978 Gegenpunkten die schlechteste der Liga. Das Rebounding ist desaströs, es gehen zu viele Eins-gegen-Eins-Duelle verloren, und es fehlt allgemein an Zweikampfhärte. Zudem ist der Coach als Psychologe gefragt. Fischer will nun an "einigen Stellschrauben etwas verändern, damit wir wieder Spiele gewinnen." Sein Vertrag läuft bis zum Ende der Saison und verlängert sich im Falle des Klassenerhalts.

Fischer und Tübingen - das könnte auf Dauer passen. Denn der Trainer liebt es, junge Spieler zu entwickeln und das ist auch Klub-Philosophie. Mit Adrian Lind und Jacob Mampuya stehen zwei Talente im Kader, die auch noch in der Tübinger Regionalliga-Mannschaft spielen und langsam ans Oberhaus herangeführt werden sollen.

Viel Erfahrung als Kellerkind

Was für die Tübinger spricht, ist Erfahrung im Abstiegskampf. Die Tigers erinnern sich da zum Beispiel gerne an die Saison 2013/14. Da gewann das Team im Schlussspurt fünf der letzten acht Spiele und wurde am Ende 16. Ein Jahr später standen die Tigers im direkten Vergleich mit den punktgleichen Würzburgern am Ende einen einzigen Korbpunkt besser da. Chancen gibt es noch genug. 23 Spiele stehen noch an. Und vielleicht gehören ja die Tigers dann auch im nächsten Jahr noch zum Inventar der Liga.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Samstag, 9.12, 22.50 Uhr

Stand: 07.12.2017, 08:00

Bundesliga | Tabelle

Team S P
1. Bayern München 13 24:2
2. ALBA Berlin 13 20:6
3. medi Bayreuth 12 18:6
4. Brose Bamberg 13 18:8
5. Ludwigsburg 10 16:4
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16. Eisb. Bremerh. 12 4:20
17. Rock. Erfurt 12 4:20
18. Tigers Tübingen 12 2:22
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