San Antonio Spurs - Maximal unspektakulär, maximal erfolgreich

Tim Duncan und LaMarcus Aldridge

NBA

San Antonio Spurs - Maximal unspektakulär, maximal erfolgreich

Von Julian Ignatowitsch

Die San Antonio Spurs sind das beste Basketballteam des neuen Jahrhunderts. Allerdings nimmt das kaum jemand so richtig zur Kenntnis.

An den meisten Tagen wirken die San Antonio Spurs eher wie ein gut organisierter Schachverein als ein millionenschweres NBA-Team. Da spielen sie auf dem Platz geduldig ihre einstudierten Züge herunter, stehen dicht gestaffelt in der Defensive, treffen unspektakulär in der Offensive und weichen zu keiner Zeit von ihrem abgesprochenen Plan ab. Am Ende setzen sie den Gegner normalerweise schachmatt. So kennt man die Spurs.

Ganz entgegen ihres Teamnamens ("Spurs", deutsch: "Sporen" oder auch "anregen") sind sie stets auffallend unaufgeregt - und dabei das konstanteste NBA-Team der jüngsten Vergangenheit. Vier Meisterschaften, fünf Conference- und zehn Division-Titel haben die Texaner in den vergangenen 14 Jahren ins Regal gestellt.

Und in dieser Spielzeit knacken sie weitere Rekorde: 38 Heimspiele in Folge haben die Spurs jetzt gewonnen und steuern auf die NBA-Bestmarke (44) zu, mit einer Bilanz von 51 Siegen bei 9 Niederlagen sind sie in dieser Saison so gut wie noch nie.

Erfolgreichstes Teams des neuen Jahrhunderts

Kurz: Die San Antonio Spurs sind in der Post-Ära von Michael Jordans Chicago Bulls (bis 1998) und Kobe Bryants und Shaqille O'Neals Los Angeles Lakers (bis 2002) das beste Basketballteam des neuen Jahrhunderts. Allerdings nimmt es kaum jemand so richtig zur Kenntnis. Auch das ist typisch für die Spurs, die vielen Fans und Experten als langweilig gelten.

Große Schlagzeilen kreieren andere: Zum Beispiel in dieser Saison die (derzeit noch erfolgreicheren) Golden State Warriors oder (sowieso immer) Star LeBron James. Krachende Dunks oder abenteuerliche Dreier sind nicht die Sache einer Mannschaft, für deren Spielweise sinnbildlich Tim Duncans maximal unspektakulärer Bank-Shot (Wurf mit Brett) steht.

Duncan, Parker, Ginobili als Stützen

"Finde eine Formel, die funktioniert - und bleib dabei", erklärt Veteran Duncan dann auch den Weg zum Erfolg. "Wir versuchen, die Dinge so zu machen, dass sie für uns logisch sind", sagt Coach Gregg Popovich. Heißt: Maximal unspektakulär, maximal erfolgreich. Der Trainer und sein Schützling Duncan, bei diesen beiden beginnt die Geschichte der Spurs anno 2016.

Popovich wurde 1997 nach einer katastrophalen Saison (20:62) vom Manager zum Chefcoach umfunktioniert, sein Klub erhielt in der Lotterie den ersten Draftpick und wählte dort Youngster Duncan, der direkt einschlug. In den folgenden Jahren formte Popovich um Duncan herum ein Team, das noch heute in seinen Grundbausteinen besteht. 2001 kamen der französische Spielmacher Tony Parker und Dreierspezialist Manu Ginobili dazu. Diese drei Gesichter stehen bis heute für den Klub und seine Titel - und sie stehen immer noch zusammen auf dem Court.

Gregg Popovic

Großmeister: Coach Gregg Popovich

Trainer Popovich hat es zudem geschafft, die Mannschaft sukzessive mit neuen Führungsspielern zu verjüngen. Die Schlüsselpersonalie bei diesem Weg: Kawhi Leonard, 2014 wertvollster Spieler im NBA-Finale. Neben ihm überzeugen mittlerweile Rollenspieler wie Danny Green, Boris Diaw und Patty Mills - alles Spieler, die bei ihren alten Teams abgeschrieben wurden oder ihre NBA-Karriere schon fast beendet hatten.

Jeder ist nur Teil des ganzen Puzzles

Popovichs große Stärke: Er weiß, wie er diese Spieler in einem funktionierenden Gefüge aufbaut. "Es kommt auf den Charakter an", verrät der Trainer. "Wir suchen Leute, die sich selbst nicht in den Vordergrund stellen, aber trotzdem selbstbewusst sind. Es geht darum, dass jeder nur ein Teil des ganzen Puzzles ist."

Hört man Popovich so sprechen, dann bekommt man einen Eindruck davon, wie er auch im Training oder bei Teamsitzungen auftritt. Ruhig. Sachlich. Aufgeräumt. Stets bestimmt. Und man fängt an zu glauben, dass Erfolg planbar ist. "Trainerstab und Management sind für mich eins", sagt er, der selbst beide Positionen ausgeführt hat.

"Wir brauchen Leute, die mit Informationen umgehen können und Kritik nicht persönlich nehmen. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, aber in den meisten Klubs funktioniert das nicht. Popovic geht mit seiner pragmatischen und bodenständigen Art voran.

Zwischen Spieler und Bürokraft macht Popovic keinen Unterschied

"Er kann sehr streng sein. Aber er ist ein Siegertyp und lebt für Basketball. Wir Spieler lieben ihn, alle hier lieben ihn", sagt Forward LaMarcus Aldridge über seinen Coach. Wenn dieser seine Personalpolitik erläutert, beziehen sich seine Aussagen auf alle Angestellten des Klubs gleichermaßen. Zwischen Spieler und Bürokraft macht er keinen Unterschied. "Auch Humor ist wichtig", sagt Popovich. "Du musst mal einen Witz raushauen dürfen, musst umgekehrt aber auch einstecken können. Und du musst dich in deiner Haut wohlfühlen, auch wenn du nicht auf alles eine Antwort haben kannst."

Sagt der Mann, der eigentlich nichts dem Zufall überlässt und immer Antworten parat zu haben scheint. Der ehemalige Spieler und Experte Jalen Rose twitterte einmal: "Popovich ist ein Großmeister. Er spielt Schach, während die anderen nur das Schachbrettmuster sehen." Ein größeres Kompliment kann man ihm und seiner Mannschaft eigentlich nicht machen.

Stand: 04.03.2016, 08:16

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