Wie steht's in den NBA-Playoffs?

Die Spieler der Chicago Bulls und ein enttäuschter Isaiah Thomas

Vor dem Heimrechtwechsel

Wie steht's in den NBA-Playoffs?

Von Robin Tillenburg

In den Playoffs der NBA sind in allen Serien zwei Spiele absolviert - einige Paarungen scheinen bereits entschieden, andere sind extrem eng. Was sind die Trends - und wie geht's weiter?

Zur Erklärung: Nach den ersten zwei Playoff-Partien einer Serie wird das Heimrecht getauscht, das heißt, dass das in der Regular Season schwächer platzierte Team des jeweiligen Duells nun seinerseits zwei Mal in eigener Halle antreten kann, ehe es dann im einfachen Wechsel des Spielorts gegebenenfalls weitergeht. Ein mögliches siebtes Spiel der Serie findet somit immer in der Halle des in der Regular Season besser platzierten Teams statt.

Boston Celtics gegen Chicago Bulls: Der drohende "Upset"

Der "Kampf unter den Brettern" um Rebounds spielte in der bisher spektakulärsten Serie zwischen den Boston Celtics und den Chicago Bulls eine entscheidende Rolle. Die Bulls, als achtplatziertes Team im Osten gegen den Ersten aus Boston klarer Underdog, dominierten vor allem in dieser Kategorie, nutzten die Schwächen der Celtics in der "Rim Protection" aus und führen nach zwei Auswärtserfolgen mit 2:0. Der "Upset" droht.

Die Schwäche bei den Rebounds kann das Team von Coach Brad Stevens gegen bissige und erfahrene Bulls aktuell nicht kompensieren und wirkt nach einer starken Regular Season ausgelaugt. Auf der anderen Seite ist Chicago mit dem starken deutschen Ergänzungsspieler Paul Zipser genau rechtzeitig in Topform gekommen und hat in Rajon Rondo einen Spielmacher, der seinen dritten Frühling erlebt.
Tendenz: Boston gewinnt zwar noch ein bis zwei Spiele, wird aber letztendlich ausscheiden.

Cleveland Cavaliers gegen Indiana Pacers: Der bemühte Titelverteidiger

Die Cleveland Cavaliers sind Titelverteidiger und als Zweitplatzierter im Osten auch in diesem Jahr klarer Anwärter auf die Meisterschaft. Nach einer durchwachsenen Regular Season gewann das Team um Superstar LeBron James beide Heimpartien gegen Indiana. Die Pacers hielten zwar zwei Mal in eher schwachen Partien ordentlich mit und war vor allem beim 109:108 im ersten Spiel nah an einer Überraschung, doch letztlich scheint es, als könnten James, Kyrie Irving und Kevin Love immer noch einen Gang höher schalten, wenn es notwendig ist. Der Rest der Cavaliers wirft aber Fragen auf - die Bank- und Ergänzungsspieler sind nicht in der Form des Vorjahres.
Tendenz: Die Cavaliers setzen sich durch, werden aber schon in der nächsten Runde größere Probleme bekommen.

Toronto Raptors gegen Milwaukee Bucks: Wenige Turnover und "Greek Freak"

"Greek Freak" Giannis Antetokounmpo (r.) gegen Torontos DeMarre Carroll

"Greek Freak" Giannis Antetokounmpo (r.) gegen Torontos DeMarre Carroll

1:1 steht es in dieser Serie. Die Bucks haben vor allem dank "Greek Freak" Giannis Antetokounmpo alles in der eigenen Hand. Der "Iso-Ball" der Raptors ist gegen die langen Arme der Milwaukee-Defense auf lange Sicht zu wenig. Die spielen wiederum in ihrer Offense extrem diszipliniert und leisten sich die wenigsten Turnover aller Teams.
Tendenz: Aufgrund der individuellen Stärke eines DeMar DeRozan bleiben die Raptors zwar in der Serie, doch am Ende geht sie mit 4:3 an die Bucks.

Washington Wizards gegen Atlanta Hawks: Hawks haben zu viele Baustellen

Die Hawks um Dennis Schröder liegen gegen die Wizards mit 0:2 zurück. Die Probleme sind vielfach. Zum einen die harte Gangart der Wizards, mit der die Hawks-Akteure schon öffentlich haderten und die dazu führte, dass Atlanta die meisten Ballverluste aller Teams aufweist. Außerdem ist die Quote bei Dreipunktewürfen ebenfalls die schlechteste aller Playoff-Teams. Ein weiteres Problem: John Wall. Der Spielmacher der Wizards stellt sein Gegenüber Schröder aktuell klar in den Schatten.
Tendenz: Die Wizards gewinnen die Serie mit 4:1.

Golden State Warriors gegen Portland Trail Blazers: Gähn

"Blazers in sechs (Spielen)", hatte Damian Lillard, Superstar der Trail Blazers, vor der Serie gegen den Titelfavoriten und das Topteam des Westens Golden State Warriors vorhergesagt. Nach den ersten beiden Spielen muss man konstatieren: Das wird wohl nichts. Im ersten Spiel trafen Lillard und sein Kollege CJ McCollum nahezu alles gegen die defensivstarken Warriors - trotzdem gingen sie chancenlos vom Feld. In der zweiten Partie waren die Warriors auch ohne den angeschlagenen Kevin Durant wieder gnadenlos überlegen. Die Defense um Draymond Green stellte die Blazers vor schwierige Aufgaben, forcierte Ballverluste und produzierte etliche Blocks und vorne dirigierte Steph Curry das Spiel nach Belieben.
Tendenz: "Warriors in vier."

San Antonio Spurs gegen Memphis Grizzlies: Defensive Dominanz

Die pure Dominanz. Mit 29 und 14 Punkten Abstand gewannen die Spurs ihre beiden Heimspiele gegen Memphis und ließen dabei beide Male nur 82 Punkte zu. Beeindruckend: Kein Team wirft in den Playoffs bisher so selten auf den Korb, doch die beste Dreier- und Freiwurfquote machen's möglich. Bei den Grizzlies liegen die Nerven blank, Coach David Fizdale muss nach seiner Schiedsrichterschelte eine Strafe bezahlen und auch wenn sie in Teilen gerechtfertigt war: Die Spurs haben aktuell einfach den wohl ausgeglichensten Kader und Coach Gregg Popovich scheint etliche Masterpläne im Sakkoärmel zu haben, da geht nicht viel für Memphis.
Tendenz: Die defensivstarken Spurs gewinnen 4:0 oder 4:1 und sind ein Titelkandidat.

Houston Rockets gegen Oklahoma City Thunder: MVP-Duell ist "Nebensache"

Im Privatduell der beiden MVP-Kandidaten Russell Westbrook und James Harden liegt aktuell Westbrook von den Thunder in der Playoff-Serie statistisch gesehen knapp vorn. Allerdings führt Houston bereits mit 2:0. Das liegt zwar auch daran, dass Harden seinem Konkurrenten in nichts nachsteht und sogar etwas effektiver agiert, aber vor allem an der Unterstützung von der Bank. Im zweiten Spiel (115:111) stand Westbrook 41 Minuten auf dem Court, in dieser Zeit gewann sein Team theoretisch mit elf Zählern Vorsprung - in den anderen sieben Minuten verlor es demzufolge mit fünfzehn Punkten Differenz. Eine solche Diskrepanz zwischen den Ergänzungsspielern der beiden Teams konnte (bisher) auch Westbrook nicht ausgleichen.
Tendenz: Houston wird sich in Oklahoma zwar schwerer tun, am Ende aber die Serie mit 4:2 gewinnen.

Los Angeles Clippers gegen Utah Jazz: Gobert wird zum X-Faktor

Das erste Spiel gewannen die Jazz mit zwei Zählern Abstand, in der zweiten Partie siegten die Clippers mit acht - eine extrem spannende Serie bisher zwischen dem Vierten und Fünften aus dem Westen. Das Problem, das die Jazz trotz des "geklauten" Auswärtssieges haben: Ohne ihren Center Rudy Gobert fehlt es ihnen unter dem Korb auf beiden Seiten an Präsenz. Gobert verletzte sich in der Anfangsphase der ersten Partie, der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist ungewiss. Der Franzose war in seiner bisher besten Saison einer der Garanten für die starke Spielzeit der Jazz und gerade gegen DeAndre Jordan braucht es eine gewisse Physis unter dem Korb.
Tendenz: Kehrt Gobert nicht mehr in Vollbesitz seiner Kräfte zurück, siegen die Clippers mit 4:3 - bei einem Comeback in den nächsten Spielen endet die Serie möglicherweise andersherum.

Stand: 20.04.2017, 13:45

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