Theis und die Celtics spielen in London

Daniel Theis (l.) gegen Philadelphias Ben Simmons

Global Games

Theis und die Celtics spielen in London

Von Robin Tillenburg

Daniel Theis ist bei den Boston Celtics nicht nur einer der Publikumslieblinge, sondern auch fester Bestandteil der Rotation. Das Spitzenteam der NBA spielt nun im Rahmen der Global Games in London vor.

Gegner des Rekordmeisters sind am Donnerstagabend (11.01.2018) die Philadelphia 76ers. Die Partie ist ein reguläres Ligaspiel - es ist das achte Mal, dass die stärkste Basketball-Liga der Welt ein Punktspiel in London austrägt.

"Vanilla Theis"

Das Erfolgsrezept von Theis, der als Center oder Power Forward für die "Kelten" seit dieser Saison unter dem Korb "wütet", klingt recht simpel. "Wann immer das Team mich braucht, bin ich bereit", sagt der Basketball-Nationalspieler. In nur knapp drei Monaten hat sich der 25-Jährige aus Salzgitter zum Publikumsliebling aufgeschwungen - das beweisen auch Spitznamen wie "Vanilla Theis". Unbändiger Wille und bedingungsloser Einsatz machen das möglich. Theis ist sich für nichts zu schade und tritt dazu stets bescheiden und bodenständig auf - in Amerika bringt ihm diese Einstellung viele Sympathien.

"Es ist eine Ehre für mich, dass mich die Fans so mögen. Die Fans in Boston sind sowieso sehr speziell, fast jedes Spiel hier ist ausverkauft", erklärt er. "Ich versuche, gute Verteidigung zu spielen und Energie von der Bank zu bringen."

Athletischer "Energizer"

Das gelingt. Der Deutsche kommt oft von der Bank als "Energizer", von dessen körperlichen Aktionen sich die Kollegen mitreißen lassen können, und auch wenn seine statistischen Werte sich auf den ersten Blick eher durchschnittlich lesen, ist sein Beitrag zur Erfolgsserie des Topteams der Eastern Conference nicht unerheblich. Trainer Brad Stevens weiß, was er an Theis hat: "Er macht seinen Job für jemanden, der nie zuvor in der NBA gespielt hat, hervorragend. Er hat seine Rolle verstanden."

Defensivstark: Daniel Theis (r.) gegen Markelle Fultz

Defensivstark: Daniel Theis (r.) gegen Markelle Fultz

Die Umstellung vom eher taktisch geprägten europäischen Basketball hin zum enorm schnellen, athletischen Spiel in den USA ist Theis jedenfalls gelungen - und das trotz des anstrengenden Programms. "Wir spielen vier bis fünf Spiele pro Woche, das ist sicher deutlich härter als in Europa", sagt er. Dass er fast immer nur eingewechselt wird, stört den 2,06 Meter großen Mann mit der Nummer 27 dabei kein bisschen. "Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich starte oder von der Bank komme."

Während seine deutschen NBA-Kollegen Dirk Nowitzki, Maxi Kleber (beide Dallas Mavericks), Dennis Schröder (Atlanta Hawks) und Paul Zipser (Chicago Bulls) teilweise weit von den Play-off-Rängen entfernt sind, mischt der Rookie mit den Celtics ganz vorne mit. Seinen Landsmännern wünscht er für den weiteren Saisonverlauf etwas mehr Erfolg als zuletzt, doch der Fokus liegt natürlich auf der eigenen Leistung.

Bis zu fünf Europäer auf dem Court in London

Der kommende Gegner in London ist unbequem. Obwohl die 76ers in der Eastern Conference nach starkem Saisonstart nun momentan "nur" noch um Platz acht kämpfen, könnte die Partie durchaus eng werden. Rund um Center Joel Embiid (23 Jahre) und Forward Ben Simmons (21) hat man in Philadelphia so langsam ein junges Team zusammen, dem für die nächsten Jahre einiges zugetraut wird. Ein Selbstläufer ist das Vorspielen in London für Boston also keineswegs, auch wenn der Rekordmeister beide Aufeinandertreffen in dieser Spielzeit bisher für sich entschieden hat.

Daniel Theis (M.) im Spiel gegen Washington

Daniel Theis (m.) im Spiel gegen Washington

"London ist eine großartige Stadt. Das ist ein großes Ding für die NBA und auch für die Fans in ganz Europa", erklärt Theis im Hinblick auf die Partie, die aber bei dem engen Spielplan extreme Reisestrapazen bedeutet. Für die Europäer der beiden Teams dürfte es dennoch eine willkommene Gelegenheit sein, sich nahe der Heimat zu präsentieren. Mit Theis sind es insgesamt fünf, die theoretisch zum Einsatz kommen könnten.

Titelchance?

Egal wie groß der Spielanteil von Theis in London letztlich sein wird, und egal wie das Ergebnis aussieht: Mit den bisherigen Leistungen hat er sich definitiv für weitere Jahre in der stärksten Liga der Welt empfohlen. Einen soliden, harten Verteidiger und Rebounder unter dem Korb mit verlässlichem Wurf kann beinahe jedes Team gebrauchen. Tatsächlich ist er von allen aktiven Deutschen auch aktuell der einzige, der bald in die Nähe eines Meisterschaftsrings kommen könnte. Die Celtics sind in dieser Saison vielleicht der größte Rivale der beiden Dauer-Finalisten Golden State und Cleveland und halten für die kommenden Draft-Runden eine beachtliche Anzahl an Picks, um den jungen Kader in den nächsten Jahren mit weiteren Talenten zu ergänzen, oder noch einen Superstar zu verpflichten.

Bleibt Theis für die nächsten Jahre ein Teil des Teams, könnte er der zweite Deutsche werden, der einen Meisterschaftsring der NBA sein Eigen nennt. Sollten die Celtics andere Pläne haben, könnte er eventuell bei einem etwas schwächeren Team landen, hätte dann aber womöglich mehr Spielanteile. So oder so ist seine Situation definitiv komfortabel - darauf ausruhen wird er sich aber sicher nicht.

Stand: 10.01.2018, 08:30

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